Allergiesaison
03/03/2017

Neue Methode entfernt Auslöser für allergisches Asthma

MedUni-Forscher: IgE-Antikörper werden aus dem Blut gesaugt.

Wissenschaftern der MedUni Wien ist es gelungen, eine Methode zu entwickeln, mit der IgE-Antikörper aus dem Blut abgesaugt werden können. Damit soll die Lebensqualität von Menschen mit schwerem allergischen Asthma deutlich verbessert werden, hieß es am Freitag in einer Aussendung.

Die häufigste Ursache für Asthma sind Allergien. Dabei handelt es sich um eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems gegen harmlose Substanzen wie zum Beispiel Birken- oder Gräser-Pollen, wobei Immunglobulin E-Antikörper (IgE) gebildet werden. Zusammen mit Entzündungszellen in Haut und Schleimhäuten, den „Mastzellen“, sind IgE-Antikörper für bestimmte allergische Erkrankungen verantwortlich - wie zum Beispiel Asthma oder Heuschnupfen - sowie mitbeteiligt an der Entstehung von Neurodermitis.

Blut wird in eine Säule geleitet

Zu diesem Zweck wurde die „IgEnio“-Säule entwickelt. Mit Hilfe dieses spezifischen Einweg-Adsorbers zur Behandlung von IgE-verursachten Krankheiten wird der IgE-Spiegel im Blut-Plasma verringert, indem das Blut des Betroffenen durch eine „Säule“ geleitet wird, in der die IgE-Antikörper kleben bleiben - und zwar mittels Sepharose-Kügelchen, die mit IgE-Fänger-Proteinen besetzt sind. Diese binden das IgE in der Säule und saugen es praktisch beim Durchfließen während der „Blutwäsche“ ab.

Einen ähnlichen Adsorber gibt es auch für IgG-Antikörper bei Autoimmunerkrankungen. In der ersten, mit IgEnio durchgeführten Studie konnten die Forscher der MedUni Wien am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung um Rudolf Valenta und Erstautor Christian Lupinek, Kurt Derfler von der Klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse (Universitätsklinik für Innere Medizin III), und Ventzislav Petkov von der Klinischen Abteilung für Pulmologie (Universitätsklinik für Innere Medizin II), zeigen, dass dieses Absaugen für die Betroffenen, auch mit einem stark erhöhten IgE-Spiegel, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität in der Pollensaison bedeutet. Rund 80 Prozent der IgE-Antikörper wurden dabei herausgefischt. „Zwar kommen sie nach einiger Zeit im Blut wieder und es ist eine neuerliche Behandlung nötig, aber es gibt Daten, die zeigen, dass die IgE-Beladung der Mastzellen im Gewebe durch die IgE-Entfernung nach und nach abnimmt“, erklärte Lupinek.

Lungenfunktion verbessert sich

Die Betroffenen hielten in einer Selbstbeobachtung über mehrere Wochen fest, dass es ihnen nach der Behandlung mit der IgEnio-Säule grundsätzlich viel besser ging, dass aber auch die Lungenfunktion verbessert war und sie subjektiv einfacher Luft bekamen. Insbesondere für Menschen, deren Blut sehr hohe IgE-Spiegel aufweist, und die trotz medikamentöser Behandlung derzeit unter Beeinträchtigungen im Alltag und im Beruf leiden, könnte diese Methode eine neue Lebensqualität bedeuten. Noch viel mehr, da sich mittlerweile auch gezeigt hat, dass eine Kombination aus der Absaugung der IgEs und der medikamentösen Kontrolle der Asthma-Symptome durch den gebräuchlichen Wirkstoff Omalizumab (Handelsname Xolair) eine weitere Besserung bringt.

Die Forscher wollen nun in Folgestudien einerseits den Einsatz von IgEnio optimieren - derzeit müssten die Betroffenen in der Pollensaison etwa einmal pro Woche für einen Vormittag ihr Blut von den IgEs reinigen lassen - und andererseits den Einsatz auch bei durch IgE-Antikörper mitverursachten, entzündlichen Hauterkrankungen testen.

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