Wissen und Gesundheit
16.01.2018

Mexiko: Rätsel um Tod der Azteken ist gelöst

Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, was innerhalb von fünf Jahren 15 Millionen Menschen ausgelöscht hat.

Von 1545 bis 1550 wütete in Mexiko eine Epidemie, über deren Ursache Forscher bis heute streiten. Die Opfer litten unter hohem Fieber, unter Kopfschmerzen und bluteten aus Augen, Mund und Nase bevor sie nach drei bis vier Tagen starben. Rund 80 Prozent der Bevölkerung fielen der "Cocoliztli"-Epidemie damals zum Opfer, rund 15 Millionen Menschen - damit gehört die Epidemie zu den tödlichsten der Menschheitsgeschichte. Cocolitzli bedeutet in der aztekischen Nahuatl Sprache Pest.

Nach rund 500 Jahren, in denen Wissenschaftler darüber stritten, ob Masern, Pocken, Mumps oder die Grippe für die vielen Todesfälle verantwortlich waren, lässt ein internationales Forscherteam aufhorchen, dass die Lösung in DNA-Proben der Opfer gefunden haben will. In der nun vorgelegten Studie, die in Nature Ecology and Evolution veröffentlicht wurde, gelang es dem Team durch neue Methoden zur Analyse alter DNA, Salmonella enterica Paratyphi C zu identifizieren - ein Bakterium, das enterisches Fieber verursacht.

Warum die Identifikation bisher so schwierig war

Nach Kontakt der einheimischen Bevölkerungsgruppen mit Europäern, erlitten sie Dutzende von Epidemien mit verheerenden Auswirkungen. Obwohl viele Berichte und historische Beschreibungen der Symptome während der Cocoliztli-Epidemie vorliegen, war es bislang sehr schwierig, die Ursachen genau zu bestimmen. Symptome durch Viren oder Bakterien können einander sehr ähnlich sein - sie können sich in den letzten 500 Jahren aber auch verändert haben. Umso größer ist die Begeisterung über den Durchbruch über die Analyse alter DNA.

Schon Alexander von Humboldt hat vor mehr als 200 Jahren über die Ursache dieser Seuche spekuliert. Sie grassierte in großen Teilen Guatemalas und Mexikos. In Teposcolula-Yucundaa in Oaxaca wurde bei archäologischen Grabungen der einzige Seuchenfriedhof freigelegt, der bislang mit dem Ausbruch dieser Epidemie in Verbindung gebracht wird. „Angesichts des historischen und archäologischen Kontextes von Teposcolula-Yucundaa bot sich uns die einzigartige Gelegenheit, die Frage nach den mikrobiellen Ursachen dieser Epidemie zu beantworten", erklärt Åshild J. Vågene vom MPI für Menschheitsgeschichte, Erstautorin der Studie.

Das Forschungsteam analysierte DNA von 29 menschlichen Überresten aus der Fundstelle und verwendete dabei ein neuartiges, hocheffizientes Computerprogramm für die Charakterisierung der in den Proben enthaltenen bakteriellen DNA. Diese Technik ermöglichte es den Wissenschaftlern, die Proben vollständig auf bakterielle DNA zu untersuchen, ohne vorher genauer spezifizieren zu müssen, wonach gesucht werden sollte. Für zehn Proben erbrachte diese Methode vielversprechende Hinweise auf DNA-Spuren des Bakteriums Salmonella enterica.

Heutige Erscheinungsform

Dies ist das erste Mal, dass Wissenschaftler durch die Analyse alten Materials aus der Neuen Welt molekulare Beweise für eine mikrobielle Infektion mit diesem Bakterium gefunden haben. Bakterielles enterisches Fieber, dessen bekannteste Form heute Typhus darstellt, verursacht hohes Fieber, Dehydratation und schwere Magen-Darm-Infektionen. Heute gilt die Krankheit als weltweite Bedrohung. Allein im Jahr 2000 traten schätzungsweise 27 Millionen Krankheitsfälle auf. Über die Schwere der Krankheit in der Vergangenheit und ihre globale Verbreitung ist allerdings bis heute wenig bekannt.

Veröffentlichung: Åshild J. Vågene, Alexander Herbig, Michael G. Campana, Nelly M. Robles García, Christina Warinner, Susanna Sabin, Maria A. Spyrou, Aida Andrades Valtueña, Daniel Huson, Noreen Tuross, Kirsten I. Bos and Johannes Krause: Salmonella enterica genomes from victims of a major 16th century epidemic in Mexico, Nature Ecology and Evolution, DOI: 10.1038/s41559-017-0446-6