Wissen und Gesundheit
11/16/2016

Bluthochdruck wird globales Problem

Problem Bluthochdruck hat sich in vergangenen vier Jahrzehnten von „High-Income-Ländern“ zu „Low-Income-Ländern“ verlagert.

Den Bluthochdruck zu senken gilt als probates Mittel, um das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt zu senken. Das gelingt in ärmeren Ländern deutlich schlechter als in reichen. Die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck hat sich in den vergangenen 40 Jahren weltweit fast verdoppelt. Im Jahr 2015 hatten mehr als 1,1 Milliarde Menschen zu hohen Blutdruck, berichtet ein Team internationaler Wissenschaftler im Fachmagazin „Lancet“. Der Anstieg sei durch das Bevölkerungswachstum sowie den wachsenden Anteil älterer Menschen zu erklären.

Industrienationen

Auffällig seien regionale Verschiebungen: Die durchschnittlichen Blutdruckwerte seien in den Industrienationen der westlichen Welt und dem Asien-Pazifik-Raum in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gesunken - etwa in Deutschland, Australien, Schweden und Japan. In ärmeren Ländern seien sie hingegen erheblich gestiegen, etwa in vielen Ländern Südasiens und Afrikas südlich der Sahara. Auch der Anteil von Bluthochdruck-Patienten in der Bevölkerung sei in den reichen Ländern am stärksten gesunken. Die Wissenschaftler um Majid Ezzati vom Imperial College London (Großbritannien) hatten 1479 Studien aus den Jahren zwischen 1975 und 2015 ausgewertet, in denen Angaben zum Bluthochdruck zu finden waren. Die Studie zeigte auch, dass Männer in den meisten Ländern der Welt im Jahr 2015 höheren Blutdruck haben als Frauen.

Armut

Bluthochdruck ist nicht länger eine Wohlstandskrankheit - wie noch 1975 - sondern ist heute ein ernsthaftes Problem im Zusammenhang mit Armut“, erläutert Ezzati. Warum der Blutdruck vor allem in ärmeren Ländern gestiegen ist, wissen die Forscher nicht sicher. Sie nehmen an, dass eine insgesamt bessere Gesundheit und eine bessere Ernährung mit mehr Obst und Gemüse in den reicheren Ländern den Trend zumindest miterklärt. Außerdem werde hoher Blutdruck dort häufiger erkannt und medikamentös behandelt.

Eine mangelhafte Ernährung in der Kindheit könne in ärmeren Ländern eine wichtige Rolle spielen: „Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass eine schlechte Ernährung in den ersten Lebensjahren das Risiko für Bluthochdruck im späteren Leben erhöht, und das kann eine Erklärung für das wachsende Problem in den ärmeren Ländern sein“, sagt Ezzati. Bluthochdruck gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch andere lebenswichtige Organe wie Nieren und Augen können bei dauerhaft erhöhtem Blutdruck geschädigt werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat hoher Blutdruck im Jahr 2010 weltweit rund 9,4 Millionen Todesfälle zur Folge gehabt. Als Risikofaktoren gelten Übergewicht, zu wenig Bewegung, eine ungesunde, zu salzhaltige Ernährung, erhöhter Alkoholkonsum und Stress. Tendenziell steigt der Blutdruck im Alter an.

Weniger Bluthochdruck in Österreich

Die Häufigkeit für Bluthochdruck unter Österreichern ist im langfristigen Vergleich von 1975 bis 2015 signifikant gesunken. Bei Männern ging das Vorkommen von Bluthochdruck von 40,8 auf 25,2 Prozent zurück, bei Frauen von 31,0 auf 16,8 Prozent. Damit liege Österreich im Trend westlicher Industriestaaten, teilte die Medizinische Universität Innsbruck mit. Im internationalen Länder-Ranking rangiere Österreich bei den Frauen im vorderen Viertel, sagte Hanno Ulmer, Leiter des Departments für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie an der Med-Uni hinzu. Ulmer hatte gemeinsam mit seinem Vorarlberger Kollegen Hans Concin vom Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin federführend für Österreich Blutdruckdaten von rund 65.000 Personen für die weltweite Studie beigesteuert. „Vor dem Hintergrund des WHO-Ziels, die Bluthochdruck-Prävalenz (Häufigkeit; Anm.) bis 2025 um 25 Prozent zu senken, erreichen die Frauen damit ein akzeptables, Männer ein optimierbares Niveau“, erklärte Concin.