Quecksilbertopfen in einer Ampulle.

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Medizin-Mythen
11/13/2016

Soll man Quecksilber ausleiten?

Mit einem Test soll die Quecksilberbelastung in Organen aufgespürt werden.

Schwindel, Erschöpfung, Schlafstörungen, Schmerzen – bei solchen Symptomen ist es manchmal auch für Ärzte schwierig, eine konkrete Ursache zu finden. Die Frustration ist natürlich groß, wenn es nach diversen Untersuchungen und Überweisungen weder eine Diagnose gibt, noch eine Therapie, die für Linderung sorgt. So manche Internetseite sieht in einer angeblich zu hohen Quecksilberbelastung die Wurzel vielen Übels. Dies lässt sich angeblich mit dem sogenannten DMPS-Test überprüfen. Das Kürzel steht für Dimercaptopropansulfonsäure. Das ist eine Substanz, die als Gegengift bei bekannten Schwermetallvergiftungen zum Einsatz kommt. Die Public-Health-Experten des Info-Service-Portals "medizin transparent" an der Donau-Universität Krems haben die Faktenlage geprüft.

Die Substanz kann tatsächlich Quecksilber im Blut und in verschiedenen Organen aufspüren, das Schwermetall mobilisieren und mit dem Urin „ausleiten“. Bei vielen Menschen ist die Quecksilberkonzentration im Urin nach der Gabe von DMPS auch wirklich höher als davor. Dies mag erschreckend wirken.

Kein aussagekräftiger Hinweis

Doch das Testergebnis ist kein aussagekräftiger Hinweis darauf, dass Quecksilber in gefährlich hohen Mengen den Körper belastet. Die Interpretation der Urinwerte ist heikel und in Fachkreisen höchst umstritten. Es ist unmöglich, aus den Testergebnissen klare Schlüsse zu ziehen oder die Resultate von verschiedenen Personen und Bevölkerungsgruppen sinnvoll miteinander zu vergleichen.

Nichtsdestotrotz folgt auf Basis eines derart fragwürdigen Tests bei „hohen“ Werten oft die Empfehlung für eine – ebenso fragwürdige – Ausleitungsbehandlung. Dabei soll der Körper mit noch mehr DMPS weiter von Quecksilber befreit werden. Der Nutzen einer solchen Ausleitungsbehandlung ist in Studien nicht erforscht.

Umgekehrt sind jedoch einige Risiken bekannt, die mit dem Test einhergehen. Die so genannte „Ausleitung“ kann zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwäche, Hautauschlag und Schwindel führen. Außerdem können andere vom Körper benötigte Mineralstoffe wie Kupfer, Chrom und Zink entfernt werden.

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