Drohen beim Absetzen von Antidepressiva Entzugserscheinungen?

Antidepressiva beeinflussen den Stoffwechsel des Gehirns. © Bild: psdesign1/Fotolia

Auch bei leichten Beschwerden oder Schlafstörungen werden häufig Medikamente verschrieben. Das verunsichert viele Betroffene.

Häufig werden zur Behandlung von Depressionen Psychopharmaka verschrieben, manchmal auch für die Therapie von leichten Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen. Oft stellen Hausärztinnen und -ärzten ohne entsprechende Spezialisierung die Rezepte aus. Das ist nicht unproblematisch - vor allem was das Absetzen der Medikamente betrifft. Die Public-Health-Experten des Info-Service-Portals "medizin transparent" an der Donau-Universität Krems haben die Faktenlage geprüft.

Gut dokumentierte Faktenlage

Inzwischen ist gut dokumentiert, dass das Absetzen bestimmter Antidepressiva selbst zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Das betrifft vor allem die neueren Mittel: die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) und die Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI). Beide Substanzgruppen greifen in den Stoffwechsel von Botenstoffen im Gehirn ein.

Auswirkungen sind bereits nach kurzer Anwendungszeit möglich

Werden die Pillen abgesetzt, kann es schon nach einer relativ kurzen Anwendungszeit von sechs bis acht Wochen zu Entzugserscheinungen kommen. Dazu zählen Gleichgewichtsstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Herzklopfen und Muskelzuckungen. Es gibt außerdem Hinweise, dass schwerwiegende Probleme auftreten könnten wie eine Manie, bei der die Betroffenen an übersteigertem Tatendrang leiden, sich stark überschätzen und häufig sehr riskant verhalten.

Symptome fallen sehr unterschiedlich aus

Wie schlimm die Symptome ausfallen, ist sehr unterschiedlich. Sie können mild oder stark ausgeprägt sein. Bei den einen dauern sie Stunden, bei anderen bis zu mehrere Monate. Vergleichbar sind sie mit Entzugserscheinungen bei anderen Arzneimitteln, etwa starken Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen) oder Medikamenten zur Behandlung einer Schizophrenie, aber auch mit der Entwöhnung von Suchtmitteln wie Nikotin.

Möglicherweise sinkt die Wahrscheinlichkeit für Entzugssymptome, wenn die Psychopharmaka nicht abrupt abgesetzt, sondern die Dosis in kleinen Schritten gesenkt wird. Allerdings ist dieses „Ausschleichen“ keine Garantie für einen problemlosen Ausstieg. Auf welche Weise das Absetzen von Antidepressiva am besten geschehen sollte, ist bisher nicht ausreichend untersucht.

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( kurier.at , iteu ) Erstellt am 22.01.2017