Wissen und Gesundheit
11.09.2016

Lorenz Gallmetzer: Vom Genuss- zum Problemtrinker

Lange war Alkohol für ihn der Treibstoff für Kreativität. Bis der ehemalige ORF-Journalist merkte, dass ohne ihn nichts mehr ging.

Alkohol war ein Teil seines Lebens – und Elixier seiner Lebensgier, wie Lorenz Gallmetzer selbst sagt. Eine Gier, die ihn über Jahrzehnte nicht nur zum Suchenden machte, sondern zum Suchtkranken, dem in Kalksburg, der größten Suchtklinik Europas, der Entzug gelang. Jetzt erzählt der ehemalige ORF-Journalist in einem beeindruckenden Buch nicht nur erstmals seine eigene Sucht-Geschichte, sondern zeichnet die Schicksale jener Menschen, denen er im Rahmen seiner Therapie im Anton-Proksch-Institut (API) begegnet ist. Mit dem KURIER sprach er über den Weg in die Sucht und aus ihr heraus – genauso wie über die Gründe seines Outings und über den Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft.

KURIER: Der Alkohol, der kann was, schreiben Sie. Welche Funktion hatte er in Ihrem Leben?

Lorenz Gallmetzer: Der Alkohol war für mich ein Stimulans für jede Gelegenheit. Anregend am Vormittag und zu Mittag, als Treibstoff für Kreativität am Nachmittag. Und abends, um in Feierlaune zu kommen oder sich nach einem harten Tag zu sedieren. Ich war immer ein Spiegeltrinker. Je nachdem, wie das Leben ausgesehen hat, war ich ab dem Vormittag leicht eingespritzt. Aber immer so, dass mein Bewusstsein, meine Konzentration trotzdem voll funktionierten. Ich habe zirka dreißig Jahre lang viel und regelmäßig getrunken, und konnte das mit meinem Leben ohne Probleme gut vereinbaren. Irgendwann wurde es erst ein spürbares, dann ein ernstes Problem. Weil der Alkohol auf Dauer sowohl die Psyche als auch den Körper beeinträchtigt. Bei mir kam es irgendwann zu einem Punkt, wo ich gemerkt habe, dass ich ohne Alkohol nicht mehr funktionieren kann.

Wie fühlte sich das an?

Na ja, dass ich mir schwertat, mich aufzuraffen, um Stress in Angriff zu nehmen und zu bewältigen. Da habe ich dann vorher einen Schluck gebraucht. Dass man in meinem Beruf als Journalist, wenn ich an ausgefeilten Texten schrieb, dauernd eine Zigarette und einen Schluck Wein brauchte. Das war über Jahre eingeübt und hat mich zugleich beruhigt und gelockert. Oder wenn ich einen sehr stressigen Tag hinter mir hatte, war dann der Alkohol der Tranquilizer. In diesem Moment merkt man, dass es ohne nicht mehr geht.

Sucht und Suche gehören auf ihre Weise zusammen – was haben Sie gesucht, was hat Sie in die Sucht schlittern lassen?

Jedes Suchtmittel hat viele positive Wirkungen – und die sucht und wünscht man sich, wenn man sie einmal kennengelernt hat. Professor Michael Musalek (Leiter des Anton-Proksch-Instituts, Kalksburg) sagt, dass jedes Suchtmittel in Wirklichkeit ein Zaubermittel ist, das vieles kann. Das Problem ist die regelmäßige Einnahme in größeren Mengen sowie die Nebenwirkungen, die schädlich sind. Bei mir war es so, dass ich – so wie andere Jugendliche auch – ab der Pubertät probiert und mitgetrunken habe. Dazwischen kam eine Phase, in der ich eineinhalb Jahre lang keinen Alkohol, aber dafür andere Drogen konsumierte. Haschisch, aber auch LSD und Aufputschmittel. Irgendwann habe ich gemerkt, die Auswirkungen sind so stark, dass mir das Angst gemacht hat und mir unheimlich war. Ich habe von einem Tag auf den anderen damit aufgehört. Mit dem Alkohol ging das nicht so einfach. Da habe ich viele Jahre gebraucht, bis ich zum regelmäßigen Trinker und Vieltrinker geworden bin. Und das war auch gesellschaftlich auf der Tagesordnung, weil alle getrunken haben. Und in meinem Beruf besonders.

Sie sagen von sich selbst, Sie wären ein "Suchtcharakter"?

Hätte ich nicht eine gewisse psychische Voraussetzung mitgebracht, hätte ich vielleicht noch 20 Jahre weitertrinken können, ohne dass die schiefe Ebene der Alkoholkrankheit entstanden wäre. Ich glaube, dass bei mir letztlich die Basis, der Nährboden und der tiefere Grund für die Sucht die psychische Konstitution und mein psychisches Gerüst sind. Einerseits meine psychische Befindlichkeit, weil ich eine Reihe von Dingen erlebt hatte, durch die ich schon einmal angeschlagen war – persönliche Schicksalsschläge, Tod des Vaters, Tod einer engen Freundin, Trennung von meiner zweiten Frau, Schwierigkeiten im Beruf usw. Das hat mich psychisch destabilisiert. Andererseits war ich durch den langen Alkoholkonsum nicht mehr so gut gerüstet, mit diesen Problemen umzugehen. Denn auf die Dauer fördert Alkohol sowohl die Depression als auch die anderen psychischen Schwierigkeiten, die man in sich trägt.

Steckt in der Sucht auch Todessehnsucht?

Ich habe insgesamt über 16 Jahre Psychotherapie hinter mir, davon drei Jahre Analyse in Paris, zwei Mal die Woche. Ich habe Hypnotherapie gegen Süchte probiert, und bin jetzt seit über 10 Jahren in Psychotherapie. Bei Freud gibt es ja die Todessehnsucht. Mein Therapeut sagt: In jedem gibt es die Angst vor dem Sterben, aber es gibt auch die Angst vor dem Leben. Ich glaube, ich schwanke zwischen beiden dauernd hin und her.

Wie ist dieser Punkt, an dem man weiß: Alkohol ist ein Riesenproblem für mich? Wann kam der bei Ihnen?

Ich bin ein extrem offener Mensch. Insofern habe ich auch meiner Umwelt gesagt, irgendwie hat mich der Alkohol im Griff und habe mich gleichzeitig in psychotherapeutische Behandlung begeben. Nicht nur wegen der Sucht, sondern auch wegen der anderen Probleme, die die Sucht gesteigert haben. Richtig bergab ist es nach meiner Krebserkrankung gegangen. Da hatte ich nach der Strahlen- und Chemotherapie einen Nervenzusammenbruch und mich selbst ins AKH einliefern lassen. In der Folge ging ich sechs Wochen in eine Burn-out-Klinik. Danach war ich ein Jahr lang in guter Verfassung, habe nicht getrunken.

Und was ließ Sie wieder anfangen?

Meine Grundstimmung, die ich seit früher Kindheit habe, eine schwere drückende melancholische Dauerstimmung mit Weltschmerz, Wehmut und Pessimismus, die habe ich auch durch die Abstinenz nicht überwunden. Weil ich gesehen habe, nach diesem Jahr, das nutzt nix, die gesunde Lebensweise, habe ich wieder zu trinken begonnen. Allerdings sehr bewusst. Rund um meinen 60. Geburtstag bin ich schlafen und am nächsten Morgen gemütlich in den Supermarkt gegangen und habe mir ein Flascherl gekauft. Zuerst hab ich wenig getrunken – das war die Falle, weil ich mir dachte: geht eh! Obwohl alle Experten sagten, wenn man richtig alkoholabhängig ist, kann man nicht wenig oder kontrolliert trinken. Also sind die Mengen gestiegen und nach einem halben Jahr war ich wieder dort, wo ich begonnen hatte. Dann erlebte ich drei Jahre lang Sisyphus – mit Selbstentzügen, Medikamenten und Kuren, die ich mir selbst bezahlt habe. Irgendwann konnte ich mich selbst nicht mehr ausstehen und bin zum Prof. Musalek gegangen, aber nicht mit der Absicht, ganz aufzuhören. Ich wollte so ein Mittelding – mit Medikamenten und Therapie. Musalek hat erbarmungslos gesagt, das gehe nur bei Risiko- und Problemtrinkern, die noch keine krankhafte Abhängigkeit entwickelt haben. "Aber für Sie ist nur die Abstinenz angesagt. Kommen Sie zu mir in die Klinik." Das habe ich dann gemacht.

Und da sind Sie im Laufe der Behandlung anderen Suchtkranken begegnet, deren Geschichten Sie so berührt haben, dass Sie sie in Ihrem Buch erzählen. Konnten Sie dabei eine Grundmelodie der Sucht entdecken?

Einerseits gibt es eine Gemeinsamkeit, in dem Moment, wo man sich aufgrund einer Sucht in Behandlung gibt und in eine Art geschlossene Anstalt. Es gibt Gemeinsamkeiten, weil man ähnliche Probleme hat. Nicht die gleichen, aber ähnliche. Alle haben ein Suchtproblem, und wollen etwas dagegen machen. Ich bin ja in meinem Leben und in meinem sozialen Umfeld vielen Suchtkranken begegnet, am meisten Alkoholikern. Aber so lange die sich nicht eingestehen, dass sie ein Problem haben, ist die Gemeinsamkeit gering. In Kalksburg ist die Melodie in der Tat eine gemeinsame. Weil alle von einem unheimlichen Leidensdruck kommen, sonst wären sie da nicht hingegangen. Was die Ursachen und die Mechanismen der Sucht betrifft, gibt es enorme Unterschiede, was die Kindheit, die Entwicklung, das soziale Umfeld, den Bildungsstand usw. betrifft. Und dann gibt es wieder eine große Gemeinsamkeit, ab dem Moment, an dem jemand wirklich in die Sucht geschlittert ist, egal, in welche Sucht. Wie man dazukommt, nicht. Aber wenn man einmal drinsteckt, schon. Etwa dieser permanente Kampf gegen das Suchtmittel. Und dass es zum zentralen Element deines Lebens wird, dass es dir einen Großteil deiner vitalen Energien raubt. Du musst immer mit dir kämpfen. Das ist beim Alkoholiker sehr speziell, denn der Stoff ist omnipräsent, in jedem Supermarkt.

Und warum Ihr Outing?

Mir wurde klar, dass ich die Erzählungen über die anderen mit mir selbst verknüpfen muss und auch meine Geschichte erzählen möchte.

Und dann das Wissen: kontrolliertes Trinken geht nicht, nie wieder Alkohol. Ist das wie ein Tod, wie fühlt sich das an?

Schrecklich. Es ist unmöglich, nicht vorstellbar. Es ist das, womit sich so gut wie alle schwertun. Einerseits sagt man "nie wieder", weil so schlecht, wie es mir gegangen ist, will ich nicht, dass es mir wieder geht. Ich war trotzdem nicht überrascht, dass etliche meiner Interviewpartner für das Buch zum Schluss des Gesprächs gesagt haben: "Nie wieder kann ich mir nicht vorstellen. Jetzt einmal für sehr lange Zeit nicht." Der eine hat gesagt, bis zum 55. Geburtstag nicht, – und dann wird er sich ein Geschenk erlauben. Was vielleicht gar nicht so schlecht ist, denn mit dieser Idee "Nie wieder in meinem Leben" zu leben, ist fast unmöglich. Das kommt fast einem Tod gleich.

Die Orpheustherapie in Kalksburg geht einen anderen Weg?

Ja, und darauf ist Prof. Musalek nach einem Mittagsschlaf gekommen, sagt er. Er dachte sich, eigentlich wird etwas von den Patienten verlangt, was er selbst nie könnte. Nämlich zu etwas, das das Wichtigste, Zweit- oder Drittwichtigste im Leben ist, zu sagen: nie wieder. Er meint, das geht nicht. Also muss man schauen, dass die Sucht weniger wichtig wird – und andere Dinge wichtiger.

Wie schafft man das – von Tag zu Tag?

Ich weiß, dass ich nie wieder in meinem Leben normal trinken kann. Weil das Suchtgedächtnis im Hirn das verhindert. Ich versuche, so wenig wie möglich daran zu denken, denn wenn man das tut, wird man schnell demotiviert und deprimiert. Da ist es mir lieber, zu sagen: nur heute nicht. Was morgen ist, werden wir sehen. Vielleicht trinke ich sogar morgen, das überlege ich mir jetzt nicht. Den heutigen Tag nehme ich mir vor, nichts zu trinken. Wenn man sich das jeden Tag sagt und über den Tag kommt, ohne zu trinken, hat man schon die Hälfte der Strecke.

Wie findet man besagte "wichtigere Dinge" – die kann man ja nicht herbeizaubern?

Richtig. Darauf zielt das Therapiegerüst in Kalksburg ab. Eine Charakteristik der Suchtkranken, speziell der Alkoholkranken, ist, dass sie wie anästhesiert sind. Sie spüren nichts mehr. Die Gerüche, das Schöne, den Anblick der Natur, den Himmel mit den Wolken ... Das ist alles gedämpft. Als erstes werden also die Sensitivität und Sinnlichkeit wiedererweckt. Man muss imstande sein, sich selbst Gutes zu tun und Schönes zu erleben. Ohne Suchtmittel. Denn der Süchtige ist gewöhnt, alles damit zu füllen – die empfundene Leere, Probleme, bis hin zu Schmerzen, zu verdrängen. Wenn das Erleben von Schönem und Positiven gemeinsam mit dem körperlichen Wohlgefühl stark genug wird, kann das Bedürfnis nach dem Suchtmittel nach hinten gereiht werden. Das klingt schön und logisch, es in der Wirklichkeit auch zu machen, ist nochmals eine andere Geschichte.

Wie geht es Ihnen jetzt mit dem Outing?

Na ja. Einerseits habe ich ein mulmiges Gefühl, weil das hier auch mein erstes Interview ist. Ich bin aus beruflichen Gründen zwar gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen – aber nicht als Person. Und schon gar nicht als Person mit einer Krankheit, der Alkoholismus ist eine Krankheit. Wo es in unserer Gesellschaft dieses Tabu gibt, an einer psychischen Krankheit zu leiden. Sodass sich im Moment der Wahrheit der Blick der Umwelt auf einen ändert. Sehr radikal. Jemand kann ein bekannter Säufer sein, regelmäßig in Gesellschaft über die Stränge hauen, ausfällig und unangenehm werden – es wird toleriert. Wenn hingegen jemand, der sich nicht so aufführt, sagt: Ich bin alkoholabhängig, also krank und muss mir helfen lassen, da fangen die Leute an, einen Bogen um ihn oder sie zu machen. Das ist das Tabu. Sie wollen nichts mit jemandem, der ein Verlierer ist, zu tun haben. Sie wollen nicht gezwungen sein, sich selbst im Spiegel zu sehen. Weil bei der massiven Verbreitung des Risiko- und Problemtrinkens in unserer Gesellschaft jemand, der sagt, ich bin krank und muss mir helfen lassen, verunsichert.

Was würden Sie einem jungen Menschen, etwa einem 16-Jährigen, der sich jedes Wochenende ansäuft, aus heutiger Sicht mitgeben?

Ich habe gestern Abend rauchend am Fenster gestanden, und da ist ein entzückendes Paar – etwa 17 und 19 – mit Bier in der Hand herumgegangen. Ich merkte, sie sind beide angeschlagen. Einerseits war ich gerührt, mit ein wenig Sehnsucht nach Jugend und dieser Zeit. Stunden später sah ich die beiden wieder. Motorisch nicht mehr so koordiniert, beim Reden auffälliger. Ich dachte, was soll sein. Trotzdem habe ich gemerkt, dass eine leichte Note von Schaudern bis Sorge dabei war. Was ich einem jungen Burschen sagen würde, gilt für die Gesamtgesellschaft: Alkohol zu trinken ist eine lange Tradition, der Alkohol ist unsere Kulturdroge. Deshalb hat man gelernt, damit umzugehen. Aber eben nur relativ. Das Problem: Wir haben nie eine Trinkkultur entwickelt. Im Unterschied etwa zu den Indianern in Lateinamerika, die 5000 Jahre Kokain konsumiert haben, aber eben nur zu rituellen Zwecken. Kontrolliert. Und dennoch ist mit Verboten nichts getan. Ich denke aber, dass eine Erziehung zum gesunden Trinken möglich ist. So wie man lernt, bewusst mit Nahrungsmitteln umzugehen. Auf diese Weise müsste man die Jugend mit der Droge Alkohol von sehr frühem Alter an vertraut machen. Um sie wappnen zu können – dass sie vollen Bewusstseins weiß, was los ist. Denn all meine Gespräche mit Suchtkranken haben gezeigt, dass bei allen der soziale Druck im Jugendalter die Einstiegsdroge war. Nicht die Substanz. Man müsste die Jungen so aufklären, dass sie genau wissen, was passiert, wenn sie zum ersten Bier greifen.

Info

Langjähriger Korrespondent Lorenz Gallmetzer, 1952 in Südtirol geboren, studierte Romanistik, Geschichte und Literatur. Er war jahrelang ORF-Korrespondent in Washington und Paris (siehe Bild). Nach der Rückkehr nach Wien arbeitete er als Reporter für das ORF-Weltjournal und schließlich als Sendungschef des Club 2. Der Publizist und Autor lebt in Wien.
Neues Buch„süchtig. Von Alkohol bis Glücksspiel. Abhängige erzählen“ lautet der Titel des neuen Buches von Lorenz Gallmetzer ( Kremayr & Scheriau, 192 Seiten, 22 Euro). Der Publizist erzählt darin nicht nur seine eigene Lebensgeschichte – sondern auch jene von zwölf Menschen, die er in der größten Suchtklinik Europas kennengelernt hat.

Lesen Sie am Montag: Zwei Menschen kämpfen gegen die Sucht

Nikotin und Alkohol liegen an der Spitze, aber auch „substanzungebundene“ Abhängigkeiten bedeuten für viele eine große Gefahr. Neueste Daten sprechen für einen Rückgang beim problematischen Alkohol-, Drogen- und Zigarettenkonsum. Weniger jugendliche Einsteiger gibt es bei den Opiaten, der Cannabisgebrauch ist stabil. Das zeigten aktuelle Daten des neuen Kompetenzzentrums Sucht der Gesundheit Österreich GmbH im Mai des Jahres.

Alkohol

In Österreich können ca. fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung ab 15 Jahren als alkoholabhängig eingestuft werden. Dies ergibt eine absolute Zahl von ca. 350.000 alkoholkranken Menschen. Die Mehrheit der Österreicher trinkt moderat. 14 Prozent trinken in problematischem Ausmaß. Männer trinken doppelt so häufig wie Frauen. Alkohol ist nicht das überwiegende Problem bei Jugendlichen, sondern eher von älteren Menschen zwischen 50 und 60 Jahren. Als problematischer, gesundheitsgefährdender Alkoholkonsum werden längerfristig mehr als 60 Gramm reinen Alkohols pro Tag (drei Krügel Bier bzw. drei Viertel Wein) bei Männern sowie 40 Gramm reinen Alkohols bei Frauen angesehen.

Nikotin

In Österreich ist bei 70 Prozent der Raucher eine geringe (33 %) bzw. starke (37 %) Abhängigkeit nachzuweisen. 24 Prozent der über 15-Jährigen geben an, täglich zu rauchen. Insgesamt gibt es 1,76 Millionen Raucherinnen und Raucher in Österreich. „Bei Jugendlichen nimmt der Zigarettenkonsum ab“, sagte zuletzt Suchtforscher Alfred Uhl.

Medikamente

Nach den WHO-Kriterien „Dosissteigerung, Gewöhnungseffekt, Entzugssymptomatik“ sind 90.000 bis 130.000 Österreicher medikamentenabhängig, davon 20.000 bis 40.000 von mehr als einem Medikament.

Opiate

Aktuell gibt es zwischen 28.000 und 29.000 Menschen mit risikoreichem Drogenkonsum unter Beteiligung von Opioiden. Die Szene scheint sich neuesten Daten zufolge zu verkleinern. Wien ist am stärksten betroffen.

Kaufsucht

Nach der Studie „Kaufsucht in Österreich“ aus dem Jahr 2011 können 7,8 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren als stark kaufsüchtig eingestuft werden. Das ergibt eine absolute Zahl von ca. 565.000 Kaufsüchtigen.

Spielsucht

Die vorhandenen Daten zur Spielsucht in Österreich sind wenig aufschlussreich. Suchtforscher Alfred Uhl sagte: „Wir wissen, dass es einen Anteil an problematischen Spielern von einem Prozent in der erwachsenen Bevölkerung gibt. Das sind um die 60.000 Menschen.“

Internetsucht

Die Existenz dieser „stoffungebundenen“ Sucht wird seit Mitte der 1990er-Jahre diskutiert, sie ist ähnlich der Spielsucht. Experten sprechen eher von „pathologischem Internetgebrauch“. Für Österreich gibt es keine Daten. Überträgt man Zahlen aus Deutschland auf Österreich, ergibt das geschätzt ein Prozent Internetabhängige in der Gruppe der 14- bis 64-Jährigen. Das sind ebenfalls rund 60.000 Menschen.

Quellen: APA, Factsheet Sucht, Abhängigkeit und Substanzkonsum des Instituts Suchtprävention, Pro Mente OÖ, vom 17. 6. 2016