Burn-out: Wer darunter leidet, braucht dringend Hilfe und Zuspruch von Fachleuten

© KURIER/Jeff Mangione

Gerettet
03/30/2013

Licht nach schwerem Burn-out

Carola N. hat ein schweres Burn-out überlebt – dank einer Hilfsorganisation und dank ihres Hundes.

von Uwe Mauch

Dort unten, die Lichter in der Dunkelheit. Heute kann sie das Licht wieder sehen. Sie hat die schlimmsten vier Jahre ihres Lebens unbeschadet überstanden. Seit Jänner hat sie auch wieder genug Selbstvertrauen, um einer geregelten Arbeit nachzugehen.

Heute ist Carola N. (ihr vollständiger Name ist der Redaktion bekannt) bereit, über ihre Erfahrungen in der Hölle offen zu reden. Und das alleine ist die eine Sensation. Eine stille Sensation in einer an Aufregungen reichen Zeit.

Ein Teufelskreis

Die heute 40-jährige Niederösterreicherin wurde als Jüngstes von neun Kindern einer nicht begüterten Großfamilie geboren. Reichtum kennt sie nur vom Hörensagen: „Mit 17 bin ich nach Wien gekommen, um Geld zu verdienen und mir damit die Matura zu finanzieren.“

Bald zwanzig Jahre hat sie danach in einem Büro gearbeitet. Und vielleicht wäre gar nichts Schlimmes passiert, hätte man ihr nicht aus heiterem Himmel eine Leitungsfunktion übertragen. Sie selbst sagt: „Ich war viel zu labil für diese Aufgabe und bin dann auch in eine Zwickmühle geraten.“

In ihrer neuen Funktion geriet sie schnell in jenen Rollenkonflikt, den Soziologen schon in den 1960er-Jahren als „Rollenkonflikt des Werkmeisters“ genau beschrieben haben: „Über mir war die Geschäftsleitung, die immer mehr von unserer Abteilung eingefordert hat, und unter mir hatte ich Mitarbeiter, die mir schnell die Arbeit und damit auch das Leben zur Qual gemacht haben.“

Heute scheint sie über ihre Krankengeschichte hinweg zu sein. In der Erinnerung klingt das so: „Ich habe monatelang Psychopharmaka geschluckt, um in der Arbeit zu funktionieren.“

Doch die Medikamente haben nicht geholfen. Im Gegenteil: „Am Ende traute ich mich nicht, mit der U-Bahn zur Arbeit zu fahren. Ich konnte in keinen Lift einsteigen und nicht einmal mehr einfache Briefe schreiben.“

Schon bald kein Tag ohne Panikattacke: „Ich spürte, wie mein Herz zu rasen begann und wie mir ganz schwindelig wurde. Im Hals hatte ich ein Gefühl, als würde mich jemand würgen.“ Eine Spirale, die nur nach unten zieht: „Am schlimmsten war die Angst vor der Angst.“

Die Ärzte diagnostizierten ein schweres Burn-out. Nach mehreren Monaten im Krankenstand hat Carola N. gekündigt. Sie sagt so: „Ich wollte der Firma nicht weiter auf der Tasche liegen.“

Keine Almosen

Nie hätte sie gedacht, dass man so schnell so tief fallen kann. Die meisten Bekannten wandten sich von ihr ab, ihre Ersparnisse schmolzen dahin, gingen auch in einer nur langsam wirkenden, privat zu bezahlenden Therapie auf. „Man hat das Gefühl, man dreht durch.“ Sie blickt noch immer aus dem Fenster. „Vielleicht verdanke ich es auch meinem Hund, der mich immer so treuherzig angesehen hat, dass ich heute noch am Leben bin.“

Sie ist dann in eine kleinere Wohnung umgezogen. Doch die 280 € Therapie pro Monat konnte sie sich trotzdem nicht mehr leisten. Doch dann stieß eine der Freundinnen, die sich nicht von ihr abgewandt hatten, auf die Initiative „Nein zu Arm und Krank“.

Heute gibt Carola N. zu: „Ehrlich gesagt, ich wollte nie Almosen annehmen, aber das war damals meine einzige Chance. Die haben meinen Fall genau geprüft und unbürokratisch die Therapiekosten übernommen. Binnen einer Woche war das Geld auf meinem Konto.“

Es war Rettung im letzten Moment, es war gut investiertes Geld. Denn von da an ging es langsam bergauf: „Die Existenzangst ist mir nicht mehr im Gnack gesessen, ich konnte mich daher auf das Wesentliche konzentrieren.“

Im Herbst des Vorjahrs sei ihr dann endlich der Knopf aufgegangen. Im Jänner hat sie eine gute Arbeit gefunden. „Langsam spüre ich auch wieder Halt unter den Füßen.“

Die Osterlichter, die heute am Abend entzündet werden, sie signalisieren Leben.

Nein zu arm und krank

Die Initiative

Wurde von Univ.-Prof. Siegfried Meryn im Jahr 2009 gegründet. Im Vorjahr konnte man 70 sozial benachteiligten Menschen, die durch eine Krankheit in Not geraten sind, unbürokratisch und rasch helfen. Nähere Infos unter: www.neinzuarmundkrank.at bzw. 0664 / 505 09 44. Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien ist ein Spendenkonto eingerichtet. Die Kontonummer lautet: 11.055.555, BLZ 32000.

Benefiz-Gala

Am Sonntag, 28. April, 20 Uhr, im Burgtheater: In „Spatz und Engel“ singen Maria Happel und Sona MacDonald Lieder von Edith Piaf und Marlene Dietrich. Kartenverkauf: 01 / 513 1 513bzw. www.burgtheater.at.

Kein Randphänomen

Laut EU-Studie hat jeder fünfte Österreicher ein Mal im Leben ein Burn-out. Psychosoziale Erkrankungen kosten Österreichs Wirtschaft sieben Mrd. € pro Jahr.

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