Was die Lebensdauer von Tieren wirklich bestimmt
Die Uhren auf den Crozet-Inseln zwischen Südafrika und der Antarktis ticken anders als im Zoo Zürich und im Loro Parque auf Teneriffa – zumindest für Königspinguine.
Wie Blutanalysen von 30 satten Vögeln in menschlicher Obhut und 34 frei lebenden Männchen zeigen, beschleunigt der Komfort den Alterungsprozess der majestätischen Tiere gravierend.
„Ein 15-jähriger Pinguin im Zoo hat das biologische Alter eines 20-jährigen Pinguins in der Wildnis. Das Interessante ist, dass die Zoo-Pinguine insgesamt trotzdem länger leben“, erklärt Studienerstautor Robin Cristofari von der Universität Helsinki in einer Aussendung.
Komfortables Leben macht nicht unbedingt gesünder
Offenbar bringt ein sesshaftes Dasein ohne Fressfeinde und eisige Stürme, dafür mit medizinischer Versorgung zwar mehr Seniorenjahre, es verbessert aber nicht automatisch die Gesundheit im höheren Alter.
Wissenschaftler feilen laufend an der Formel der tierischen Lebenserwartung. Variablen wie Gene, Umwelt, Sozialverhalten und Persönlichkeit beeinflussen die Ergebnisse.
Umwelt beeinflusst Lebensplanung stärker als Persönlichkeit
Im März dieses Jahres etwa beschrieben Evolutionsbiologen in Ecology and Evolution, wie sich Mut auf die Biografie von Mäusen auswirkt. Sie fütterten die Hälfte der Nager mit hochwertiger Kost, der anderen boten sie Standardfutter an.
Bei den kurz gehaltenen Versuchskaninchen beeilten sich vor allem die explorativen Weibchen, an Ressourcen zu gelangen; waghalsig nahmen sie das erhöhte Sterblichkeitsrisiko in Kauf.
Die wohl genährten Artgenossinnen dagegen verschoben ihre Fortpflanzung nach hinten und lebten unbeschadet länger.
Natur tariert Risiken und Chancen aus
„Die Studie eröffnet einen spannenden Blick darauf, wie die Natur Risiken und Chancen austariert“, resümierten die Wissenschaftler. Der ökologische Kontext entscheidet eher über die Lebensplanung als die Persönlichkeit.
Im Oktober 2025 differenzierte eine Metastudie geschlechtsspezifische Lebensläufe. Forschende berichteten nach der Datenanalyse von 1.276 Spezies in Science Advances, dass weibliche Säugetiere Männchen im Durchschnitt um 13 Prozent überleben.
Männliche Vögel werden älter als Weibchen
Bei den Vögeln wurden die männlichen Überflieger um fünf Prozent älter als ihre Artgenossinnen. Die Wissenschaftler erklärten die Unterschiede einerseits mit der Genetik; so schützten die zwei X-Chromosomen Weibchen vor folgenschweren Mutationen.
Andererseits machten sie die Paarungsstrategien verantwortlich: Starker Wettbewerb um Partnerinnen - wie bei den meisten Säugern – kostet Männchen Lebenszeit. Bei monogamen Arten – wie häufig beim Federvieh – fällt diese Gefahr weg.
Neben den Genen wirkt sich auch die Fortpflanzung auf die Lebensdauer aus
Bestätigen konnten die Forschenden zudem, dass elterliche Fürsorge lebensverlängernd wirkt. Gerade Primatinnen haben mehr Zeit, sich um den Nachwuchs zu kümmern.
Nicht zuletzt hielt die Studie fest, dass sich der Wegfall von Umwelteinflüssen wie Fressfeinden, Krankheiten und rauen klimatischen Bedingungen – überprüft an Zoopopulationen – nur geringfügig auf die geschlechtsspezifische Spanne zwischen Geburt und Tod auswirkt. Diese ist „tief in evolutionären Prozessen verwurzelt“, interpretierten die Wissenschaftler.
Evolution bestimmt geschlechtsspezifischen Alterungsprozess
Wann den weiblichen Königspinguinen auf den Crozet–Inseln bzw. in Tiergärten im Vergleich zu den männlichen Vögeln die Stunde schlägt, ist nicht bekannt.
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