Diagnose Brustkrebs: 10 Fragen - 10 Antworten.

Gesundheitstalk: Was Patientinnen mit Brustkrebs bewegt, was Experten sagen

KURIER Gesundheitstalk zum Thema "fortgeschrittener Brustkrebs" Dr. Kathrin Strasser-Weippl, Wilhelminenspital Univ.-Prof. Christian Singer, MedUni Wien Mona Knotek-Roggenbauer

1. Warum ist es bei Brustkrebs so wichtig, sich an ein Brustgesundheitszentrum zu wenden?

Univ.-Prof. Christian Singer vom Brustgesundheitszentrum der MedUni Wien: "Bei großen, interdisziplinär arbeitenden Zentren mit dem Zertifikat "Brustgesundheitszentrum" kann man davon ausgehen, dass dieses Zentrum gewissen Minimalanforderungen entspricht. Hier nimmt sich eine Gruppe von Experten - jeder ein Spezialist auf seinem Gebiet -  jeder Patientin an. Und man kann in Studien mit neuen Präparaten aufgenommen werden.  Studien bedeuten hier nicht, Versuchskaninchen zu sein, sondern den Zugang zu modernsten und innovativsten Therapien."

2. Gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten als Chemotherapie?

Dr. Kathrin Strasser-Weippl vom Wiener Wilhelminenspital: "Es gibt erstens viele verschiedene Chemotherapien. Und es gibt etwa die Hormontherapie sowie  Immuntherapien, Kombinationen verschiedener Therapien und neue Substanzen. Bitte nicht zu Hause bleiben und gar nichts machen."

3. Was ist von Prognosen zur Überlebenszeit zu halten?

Univ.-Prof. Singer: "Prognosen sind Prognosen - wer sich auf den Wetterbericht stützt, der weiß, dass man manchmal den Regenmantel umsonst mitnimmt und man manchmal einen bräuchte. Als ich ein junger Arzt war und eine Patientin über ihren Zustand aufgeklärt habe, habe ich ihr genau gesagt, so viele Jahre/Monate werden sie statistisch betrachtet noch leben. Praktisch bin ich oft eines Besseren belehrt worden. Heute würde ich mich nicht mehr trauen, eine Prognose hinsichtlich des Überlebens abzugeben."

4.  Was ist von einer Komplettentfernung der Brust zu halten - im Falle von metastasiertem Brustkrebs?

Dr. Strasser-Weippl: "Glücklicherweise macht es bei den meisten Patientinnen keinen Unterschied, deshalb können wir das den meisten Betroffenen ersparen. In Österreich haben wir ein niedrige Rate an Mastektomien und hohe Raten an brusterhaltenden Eingriffen. Weil wir aus Studien wissen, dass das für die Metastasierung in dem allermeisten Fällen - außer der Tumor ist sehr groß und man kann ihn nicht anders entfernen - keinen Unterschied macht."

5. Vorbeugende Brustentfernung - ja oder nein?

Univ.-Prof. Singer: "Als Leiter der Abteilung für erblichen Brustkrebs kann ich nur sagen: Vorsicht. Vorsicht. Vorsicht. Sie haben gehört, dass eine von neun Frauen an Brustkrebs erkrankt und dass das Risiko für Verwandte nicht wirklich höher ist. Ich würde davon abraten, zutiefst abraten - wegen einer solchen Anamnese sich vorbeugend die Brüste entfernen zu lassen. Frauen die ein - durch einen Gentest nachgewiesenermaßen - hohes Risiko haben, im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken, können so etwas durchführen. Raten würde ich dazu nicht. Das ist ein höchstpersönliche Entscheidung dieser Frauen."

6. Welche Rolle spielt die Nachsorge?

Mona Knotek-Roggenbauer: "Man muss unbedingt zur Nachsorge, auch wenn man sich gesund fühlt. Hier spielt die Selbstabtastung natürlich eine große Rolle."

7. Gibt es psychische Auslöser beim Brustkrebs?

Dr. Strasser-Weippl: "Wir sind uns einig, dass die psychische Betreuung und Behandlung bei Brustkrebs sehr wichtig und heilsam ist. Das gehört an an allen onkologischen Zentren und zertifizierten Brustgesundheitszentren dazu - beim Erstkontakt mit den Patientinnen.  Wovor ich warnen würde: Dass man sagt, eine Krebserkrankung wurde durch die Psyche ausgelöst. Man weiß oft im Nachhinein nicht, wodurch. Und wir Menschen neigen dazu, uns die Dinge erklären und konstruieren zu wollen. Ich möchte auf keinen Fall, dass Krebstpatientinnen dadurch stigmatisiert werden und es dann heißt, sie seien selbst schuld an ihrer Krankheit. Aber natürlich: Eine Krebserkrankung kann eine Lebenskrise auslösen und Konflikte werden dadurch besser bewusst."

8. Spielen Hormone als Auslöser für Brustkrebs eine Rolle?

Dr. Strasser-Weippl: "Wir wissen, dass die Hormonersatztherapie das Brustkrebs-Risiko erhöht und die Pille das im geringen Ausmaß auch tut. Was wir auch wissen: Eine "Western-Diet" - also so wie wir uns hierzulande ernähren - erhöht ebenfalls das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken."

9. Hat man Erfahrungen, wie lange man ohne eine Brust-OP überleben kann?

Univ.-Prof. Singer: "Hier gilt ähnliches wie ich zum Thema Wetter gesagt habe: Ich weiß nicht, wie es morgen wird oder wie es übermorgen wird. Das ist von Fall zu Fall verschieden."

10. Gibt es so etwas wie ein Geheimrezept, das vorbeugend wirken kann?

Univ.-Prof. Singer: "Diese Dinge können Sie tun, sie sind ganz einfach: 1. Bewegen Sie sich drei Mal pro Woche - sporteln Sie.  20 Minuten pro "Einheit" genügen. 2.) Halten Sie Ihr Normalgewicht, das senkt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken mehr als alle Medikamente, die man vorbeugend kaufen könnte. 3. Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum auf ein Glas Weißwein pro Tag. Damit ist enorm viel getan."

(KURIER / Ernst Mauritz, Gabriele Kuhn) Erstellt am
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