Trockener oder feuchter Husten? Danach richtet sich auch die Therapie.

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KURIER Gesundheits-Coach
01/12/2016

Kinderhusten: Heißer Dampf ist ein Tabu

Die wichtigsten Tipps eines Kinderarztes für die richtige Therapie.

Prim. Univ.-Lekt. DDr. Peter Voitl ist Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Leiter des Kindergesundheitszentrum Donaustadt (First Pediatric Medical Center) in 1220 Wien

Wie viele Hustenerkrankungen im Jahr sind bei Kindern "normal"?

Bis zu sechs Erkrankungen – meist im Zuge einer Erkältung. Zunächst ist der Husten trocken, das heißt, er ist "unproduktiv", es erfolgt kein Auswurf von Schleim. Dann folgt der feuchte Husten: Als Folge einer Entzündung der Atemwege wird Schleim produziert, der wiederum einen "produktiven" Husten hervorruft: Der Schleim wird abtransportiert.

Was empfehlen Sie gegen trockenen Husten?

Hier helfen häufig einfache Hausmittel wie heiße Milch mit Honig oder hustenreizdämpfende Säfte, zum Beispiel mit Thymian. Thymian wirkt entkrampfend auf die Bronchien, fördert den Auswurf und hat eine Bakterien tötende Wirkung. Er lindert die Beschwerden bei Krampf- und Reizhusten sowie die Heiserkeit bei Erkältungskrankheiten der oberen Luftwege, bei Bronchitis und auch bei Keuchhusten. Andere pflanzliche Hustenbremser sind u.a. Eibischwurzel, Malvenblüten, Huflattichblätter (maximal sechs Wochen im Jahr; nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit), Lungenkraut und Isländisches Moos.

Sind codeinhaltige Hustenblocker bei Kindern eine Möglichkeit?

Nein. Der Wirkstoff Codein darf wegen möglicher schwerwiegender Nebenwirkungen bei Kindern unter zwölf Jahren nicht mehr angewandt werden. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren, die bereits an Atemwegsstörungen leiden, ist die Einnahme nicht empfohlen. Nicht betroffen von diesen Einschränkungen ist der Wirkstoff Dihydrocodein, der auch in Präparaten vorkommt, die in einem Teil des Handelsnamens das Wort "...codein" stehen haben.

Und die Therapie bei feuchtem Husten?

Hier unterstützen schleimlösende Mittel (Expektorantien) das Abhusten. Substanzen wie Acetylcystein verändern die Struktur des Schleims und erleichtern das Aushusten. Andere Wirkstoffe wie Ambroxol regen die Produktion eines dünnflüssigen Sekrets an. Hustentees mit Anis, Lakritz (Süßholzwurzel), Huflattich oder Thymian wirken ebenfalls sehr gut. Auch Spitzwegerichkraut, Efeu- oder Eukalyptusblätter sind gute pflanzliche Schleimlöser. Erkältungsbäder mit ätherischen Ölen – bei kleinen Kindern ohne Menthol – können ebenfalls helfen.

Was halten Sie von der Inhalation von heißem bzw. warmem Wasserdampf?

Das lehne ich ab, hier kommt es immer wieder z u Brandverletzungen. Außerdem werden durch zu heißen Dampf die Schleimhäute erst recht gereizt und zu viel Kochsalz kann zu vorübergehenden Schäden führen. Ich empfehle nur Kaltinhalatoren mit einer fertigen und deshalb richtig dosierten Kochsalzlösung aus der Apotheke.

Prim. DDr. Peter Voitl am Tel. (01/526 57 60): Mi., 13. 1., 12 bis 13 Uhr.

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