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Radiologenkongress
03/06/2014

Jede dritte Röntgenuntersuchung nicht gerechtfertigt

Die Strahlenbelastung wäre oft vermeidbar, neue Geräte könnten die Dosis sogar halbieren.

Ein Drittel der Röntgenuntersuchungen ist klinisch nicht gerechtfertigt oder nicht nützlich. Das sagte der Präsident der Europäischen Gesellschaft für Radiologie, Guy Frija, am Donnerstag bei der Eröffnungs-Pressekonferenz zum Europäischen Radiologenkongress (ECR) in Wien. "Das 'Gen' für Sicherheit ist bei den Radiologen nicht stark ausgebildet. Wir brauchen jeweils die nützlichen und adäquaten Untersuchungen in der richtigen Durchführung und müssen den Patienten die richtige Information zur richtigen Zeit geben", erklärte Frija. Zwischen unterschiedlichen Zentren gebe es große Unterschiede hinsichtlich des Einsatzes von Röntgenuntersuchungen. Die Verwendung von Leitlinien für radiologische Untersuchungen müsste verbessert werden.

Strahlenbelastung

Unnötige Untersuchungen würden laut Frija nicht nur die Patienten vermeidbarer Strahlenbelastung aussetzen, sondern auch Kosten verursachen, die eingespart werden könnten. Die Minimierung der Strahlendosis bei Untersuchungen ist aber auch eine Frage der optimalen Technik. Der französische Experte: "Bei der Computertomografie und der Angiografie (Gefäßdarstellung per Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung; Anm.) kann man mit der modernsten Technik die Strahlendosis zumindest um die Hälfte reduzieren." Man fordere in diesem Aspekt auch die Europäische Kommission auf, Möglichkeiten für das Nachrüsten von Geräten oder die Finanzierung neuer Einrichtungen zu ermöglichen.

Personalisierte Medizin

Neue Verfahren machen immer mehr auch eine personalisierte Medizin möglich. "Nicht mehr alle Patienten mit einer Diagnose sollen die gleiche Therapie bekommen, sondern jeweils nach den Charakteristika ihrer Erkrankung. Dazu braucht man ein phänotypisches (Erscheinungsbild der Erkrankung; Anm.) und ein genotypisches Profil", erklärte Hans-Ulrich Kauczor, Chef des wissenschaftlichen Komitees des ECR-Kongresses in Wien. Die Radiologie könne via Röntgen, Ultraschall, Computertomografie und Magnetresonanz maßgeblich dazu beitragen, etwa indem mittels bildgebender Verfahren festgestellt wird, ob eine Therapie wirkt oder nicht.