Wissen
05.06.2018

Hobbyforscher findet Urelefanten in Vorarlberg

Ein Mineraliensammler suchte am Pfänder nach Schnecken und entdeckte 15 Millionen Jahre alte Backenzähne eines Gomphotheriums.

Eigentlich hatte der Hobbygeologe Erich Riedisser-Wegner aus dem süddeutschen Hergensweiler im vergangenen Herbst nach Schnecken gesucht, die mit Blaugrün-Algen überzogen sind. Er stieß tatsächlich auf „glänzende Fragmente“, nahm sie mit nach Hause und setzte sie zusammen. Weil er absolut keine Ahnung hatte, worum es sich dabei handeln könnte, schickte er dem Paläonthologen Georg Friebe ein Foto der Funde vom Pfänder bei Bregenz ins Naturkundemuseums inatura Dornbirn.  „Als ich ein Foto der Funde gesehen habe, sind mir die Augen übergegangen. Mir war sofort klar, wo ich den Fund ungefähr einordnen musste. Es musste sich um ein vorsintflutliches Rüsseltier handeln“, sagt Friebe. Um mehrere Backenzähne eines Gomphotheriums, um genau zu sein.

"Derartige Funde sind nicht sehr häufig"

Bei Gomphotheriums (im Bild oben ein Exemplar aus dem Museum in München) handelt es sich um einen Urelefanten, der vor über 15 Millionen Jahren gelebt hat. Und auch Mathias Harzhauser, Paläonthologe am Naturhistorischen Museum Wien bestätigt auf KURIER-Anfrage: "Die Stücke sind sicher von Gomphptherien oder ähnlichen Formen. Derartige Funde sind nicht sehr häufig, aber auch nicht unmöglich." Jene Region Vorarlbergs, in der die Fossilien entdeckt wurden, sei im Miozän Teil eines verlandenden Meeresbeckens gewesen, das sich vom Rhône-Becken über München, Vorarlberg, Linz und Amstetten bis nahe Wien zog, erklärt Harzhauser. "Ab etwa 15 Millionen Jahren war das Gebiet von Flusslandschaften mit Millionen kleinen Seen dominiert."

Paläonthologen Georg Friebe hat die Fundstelle mittlerweile untersucht und einen Fossilpräparierer beauftragt, der noch weitere Zahnbruchstücke zutage förderte. Den Fund selbst bezeichnete er als "absoluten Glückstreffer". "Man weiß, das es so etwas geben kann, rechnet aber im Leben nicht damit". Leider seien die Backenzähne nicht so gut erhalten wie man es sich wünschen würde, sie seien teilweise sehr abgenützt und einige auch unvollständig. Dass die Zähne einem Gomphotherium gehörten, sei klar, alles Weitere aber schwierig zu eruieren. Friebe hofft nun, in der Fundstelle auf Kleinsäugerreste zu stoßen, die mehr über die zeitliche Einstufung sagen könnten.