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Wissen
08/19/2021

Hans-Peter Hutter: Mit kleinen Schritten den Klimawandel stoppen

Der Umweltmediziner will nicht nur über Covid, sondern auch über das Klima reden. Hoffnung machen ihm Initiativen wie diese.

von Uwe Mauch

Erneut klingelt sein Telefon. Erneut will jemand wissen, wie er die aktuellen Corona-Zahlen einschätzt. Erneut antwortet er bereitwillig, nach bestem Wissen und vor allem allgemein verständlich. Aber eigentlich möchte der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien über ein ganz anderes Thema reden. Eines, das ihm mehr Sorgen bereitet als Covid-19.

Die Klimakrise.

Doch der Arzt nähert sich dem Thema von der anderen, der Maschek-Seite. Er hält sich nicht auf mit dem, was global nicht mehr zu stoppen ist. Er möchte lieber darauf aufmerksam machen, was sich Menschen auf diesem Planeten überlegt haben, um aktiv Klimaschutz zu leisten. Und da gibt es doch einiges:

Hutters Lieblingsprojekt ist der Pedibus, der von der Pandemie zuletzt ein wenig ausgebremst wurde, aber schon zuvor in etlichen Klimabündnis-Gemeinden das Elterntaxi abgelöst hat: Der Pedibus rollt nicht in der Früh zur Schule, er geht zu Fuß. Vorne lenkt eine Mutter, hinten bildet ein Vater die Nachhut und im Pulk schlendern die Schulkinder. „Er macht überall Station, wo ein Kind wohnt.“

Die Eltern gewinnen dadurch Zeit (sie müssen nicht mehr täglich mit ihrem Auto zur Schule fahren, sondern wechseln sich ab), die Kinder freuen sich über mehr Action, und viele Lehrer mit ihnen, Klimaschützer, Gesundheitsvorsorger und Verkehrssicherheitsexperten sowieso. Lärmende und feinstaubende SUVs mit je einem Kind an Bord gibt es dort kaum mehr.

Die neuen Superinseln von Barcelona wurden anfangs bekämpft wie die Mariahilfer Straße in Wien, da wie dort von lokal ansässigen Geschäftsleuten. Inzwischen hat auch in der katalanischen Hauptstadt jeder und jede immer schon gewusst, dass die grünen Inseln die Luft- und Lebensqualität erhöhen – und dazu auch die Umsätze in den Geschäften und Gastronomiebetrieben.

Auf den Boulevards, die sternförmig auf die ehemaligen Verkehrsinseln zuführen, fahren keine Autos mehr, nur Radfahrer. Der rückeroberte Raum dient als Naherholungsgebiet vor der Haustür. Die Inseln sind Grünoasen mit parkähnlicher Infrastruktur, Urban Gardening und lokalen Kühlungseffekten. Hutter freut es: „Wien will nun auch Supergrätzl.“

Apropos Mobilität: In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und ihren rund dreißig Umlandgemeinden wurden seit dem Jahr 2009 zwölf Radschnellwege (insgesamt 197 Kilometer lang) errichtet. Dadurch hat sich die Zahl der Radfahrenden, die weltweit top ist, noch einmal erhöht.

Die Kopenhagener Verkehrsplaner sind noch nicht an ihrem Ziel: Sie planen sechzig Routen mit einer Länge von 850 Kilometer. Dass das Zurückdrängen der Autos bei gleichzeitiger Förderung der multimodalen Mobilität (Öffis, E-Fahrzeuge usw.) nicht zwangsläufig in die Steinzeit zurückführen muss, beweisen Beispiele in japanischen, deutschen, holländischen, englischen und auch italienischen Metropolen.

Die Stiftung OroVerde (zu deutsch: Grünes Gold) setzt sich in Mittel- und Südamerika und mittlerweile auch in Asien für den Erhalt der tropischen Regenwälder ein. „Dabei legen wir darauf Wert, dass von den Schutzmaßnahmen auch die dort ansässige Bevölkerung profitiert“, betont Sprecherin Birthe Hesebeck im Gespräch mit dem KURIER. Ihr Credo: „Nur mit den Menschen vor Ort lässt sich der Regenwald langfristig schützen.“

Zudem setzt OroVerde stark auf Bildungsprojekte und konkrete Verbrauchertipps, etwa für den Einkauf von fair und ökologisch produzierten Kakao- und Schokoladeprodukten. „Regenwaldschutz fängt mit dem Einkaufswagen an.“

Reparieren statt wegwerfen, hier hat der Wiener Sepp Eisenriegler mit seinem Reparatur- und Servicezentrum in Penzing (R. U. S. Z.) schon vor einigen Jahren Standards gesetzt. Inzwischen gibt es zahlreiche ähnlich gelagerte Initiativen in ganz Österreich: Egal ob Waschmaschine oder Föhn, dort wird nichts auf den Müll geworfen, was sich noch weiter verwenden lässt.

Und am Ende doch noch einmal die Pandemie: Sie hat auch mehr Menschen dazu motiviert, für sich selbst zu kochen – mit mehrfach nachhaltiger Wirkung, wie der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter ausführt: „Wer selbst kocht, kauft bewusster ein, ernährt sich gesünder, isst langsamer, genießt mehr und spart darüber hinaus auch Kilometer für den Transport von Lebensmitteln.“

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