50 Jahre FSME-Impfung: Auffrischung wird oft vergessen

Der in Österreich entwickelte Impfstoff hat die schwere Erkrankung stark reduziert. Ihre Gefahr wird heute unterschätzt - die Fallzahlen steigen wieder.
Der Schatten einer Zecke scheint hinter einem Blatt durch.

Seit 50 Jahren schützt die „Zeckenimpfung“ vor einer der schwersten Viruserkrankungen des zentralen Nervensystems, der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Tausende schwere Krankheitsverläufe und Dutzende Todesfälle konnten verhindert werden. Als 1976 der weltweit erste FSME-Impfstoff in Österreich entwickelt und zugelassen wurde, erkrankten jährlich 300 bis 700 Menschen, viele davon schwer. 

Mit groß angelegten Impfkampagnen ab den 1980er-Jahren gelang es, die Durchimpfungsrate auf rund 80 Prozent zu steigern, die Erkrankungszahlen sanken. Nach wie vor schützt die Impfung sehr gut: Laut einer 2025 veröffentlichten Studie konnten  zwischen 2000 und 2024 durch die FSME-Impfung mehr als 10.000 Hospitalisierungen verhindert werden, darunter rund 4.000 schwere Verläufe mit Entzündungen von Gehirn oder Rückenmark sowie Folgeschäden, die bei jedem dritten Erkrankten auftreten können, darunter etwa Lähmungen. Auch rund 80 Todesfälle wurden vermieden. Eine Therapie gibt es bisher nicht, es können nur die Symptome behandelt werden.

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Fallzahlen nehmen wieder zu

„Ohne Impfung hätten fast fünfmal so viele Menschen im Spital behandelt werden müssen“, sagte Virologin Judith Aberle von der MedUni Wien bei einem Pressetermin am Mittwoch. Trotz dieser Bilanz und dem österreichischen Pioniergeist war während der Pandemie ein Rückgang der FSME-Impfungen zu beobachten. Zwar weisen 81 Prozent der Menschen in Österreich mindestens eine Zeckenimpfung auf, Insbesondere Auffrischungsimpfungen werden aber immer häufiger versäumt. Gleichzeitig steigen die FSME-Fallzahlen an: Während zwischen 2006 und 2016 jährlich etwa 50 bis 100 Fälle registriert wurden, lagen sie in den Jahren 2017 bis 2025 meist zwischen 100 und mehr als 200 Fällen. 2025 wurden 132 Fälle registriert – vom Säugling bis zur 86-jährigen Patientin. Knapp die Hälfte  der Fälle (47 Prozent) betraf Menschen im Berufsleben.

Ein Grund für die mangelnde Impfbereitschaft könnte sein, dass das Risiko durch FSME unterschätzt wird. „Ungeimpfte Personen können sich allerdings noch heute – genau wie vor Einführung der FSME-Impfung – durch einen Zeckenstich mit dem Virus infizieren. Dass die Mehrzahl der Menschen geimpft ist, ändert daran – im Unterschied zu Infektionskrankheiten, die von Mensch zu Mensch übertragen werden – nichts“, erklärte AGES-Zeckenforscher Georg Duscher

Entscheidend sei allein der Kontakt mit infizierten Zecken – und dieser werde durch Umweltveränderungen eher häufiger als seltener. Der Klimawandel beeinflusst das Vorkommen von Zecken zunehmend. Sie sind mittlerweile in ganz Österreich vertreten. Mildere Winter führen dazu, dass Zecken früher aktiv werden und teils ganzjährig auf Wirtssuche gehen. Vereinzelt komme es auch im Winter zu FSME-Infektionen. 

Impfempfehlungen wurden angepasst

Zudem wurden in Österreich in den vergangenen Jahren wiederholt tropische Riesenzecken gefunden, die potenziell weitere Krankheitserreger übertragen können. Als Reaktion auf diese Entwicklungen wurden die Impfempfehlungen angepasst. Das Nationale Impfgremium (NIG) rät, Auffrischungsimpfungen bereits im Jänner oder Februar durchführen zu lassen – vor Beginn der klassischen Zeckensaison. 

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Teilimpfungen innerhalb von zwölf Monaten, die erste Auffrischung ist nach drei Jahren fällig, danach alle fünf Jahre, ab dem 60. Lebensjahr alle drei Jahre. „Wird eine Impfung versäumt bzw. ist es zu längeren Impfabständen gekommen, kann diese dennoch mit einer einzigen Impfung nachgeholt werden, sofern bereits mindestens zwei Impfungen im Abstand von maximal 12 Monaten erfolgt sind“, betonte Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Abteilung für Impfwesen im Gesundheitsministerium. In den meisten Fällen reiche eine einzelne Impfung aus, um den Schutz wiederherzustellen. 

Kinderarzt Albrecht Prieler warnt davor, FSME als reine „Sommerkrankheit“ abzutun. „FSME kann jede und jeden treffen – überall und zu jeder Zeit.“ Besonders gefährdet seien Kinder – die Impfung ist ab dem ersten Lebensjahr möglich – und ältere Menschen, bei denen schwere Verläufe häufiger auftreten. Regelmäßige Impfpasskontrollen und eine Eintragung in den elektronischen Impfpass könnten helfen, Impflücken zu schließen. 

Zum 50-jährigen Jubiläum der FSME-Impfung ziehen die Expertinnen und Experten eine klare Bilanz: Die Impfung wirkt – aber nur, wenn sie auch genutzt wird. Wird man von einer Zecke gestochen, sollte sie rasch entfernt werden und bei fehlender Impfung diese möglichst zeitnah verabreicht werden.

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