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Wissen Gesundheit
03/18/2020

Wiener Infektiologe Wenisch: Was sind die Erfahrungen aus der Covid-19-Therapie?

Christoph Wenisch, Leiter der Infektionsabteilung am Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien, über Fragen wie "Wann darf man hinaus aus der Isolierung?"

Bei Covid-19 beträgt die Inkubationszeit fünf bis sechs Tage. Ein hoher Anteil der Betroffenen ist infiziert, wird aber nicht krank. Wahrscheinlich sind die Patienten sieben bis neun Tage infektiös, das kann aber länger dauern. Erkrankte müssten aufmerksam auf Atemnot überwacht werden, sagte Christoph Wenisch, Leiter der Infektionsabteilung am Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien.

Die Abteilung ist die Erstanlaufstelle für Patienten mit Covid-19-Erkrankung in Wien. Man hat vor einigen Jahren auch mit einer MERS-CoV-Patientin aus Saudiarabien in Sachen Coronavirus Erfahrung gemacht. Mittlerweile wurden dort bereits mehr als 50 Covid-19-Patienten betreut.

Insgesamt könne man davon ausgehen, dass 90 Prozent der Erkrankten zunächst Fieber aufwiesen. 70 Prozent kämen mit Husten. Auf der anderen Seite, wie Wenisch bei der Ärzte-Fortbildungsveranstaltung "Giftiger Dienstag" online (Beteiligung zeitweise mehr als 3.000 Ärzte) ausführte: "42 Prozent der Infizierten machen eine 'stille Feiung' (keine Symptome, aber später Schutz durch Antikörper; Anm.) durch. 58 Prozent der Infizierten erkranken tatsächlich.

Offenbar sind die schweren Lungenkomplikationen das Ausschlaggebende für den Ausgang von schweren Verlaufsformen. "Patienten, die auf Remote Control (außerhalb des Spitals mit bestätigter Erkrankung; Anm.) sind, sollten sehr sensitiv auf Dyspnoe (Atemnot; Anm.) sein", die Krankheit könne nämlich bei anfangs wenigen Symptomen auch schnell fortschreiten. Aufmerksamkeit dafür müssten auch die Betreuer haben. Frühe und bei Bedarf intensive Betreuung im Spital sei dann nämlich oft ausschlaggebend.

Die Behandlungserfolge wären gut, sagte der Infektiologe: "Wir haben so viele positive Ergebnisse bei Patienten, die künstlich beatmet werden und dann rasch wieder auf die Normalstation kommen." Bei der Obduktion eines Verstorbenen hätte sich laut dem Pathologen beispielsweise keine Beteiligung des Herzens am fatalen Ende gezeigt, sondern vor allem ein frisches Lungenödem.

In der Behandlung werden neben den rein unterstützenden Maßnahmen, wie - bei Bedarf jeweils für die aktuelle Situation angepasste - Beatmung, Flüssigkeitsersatz (wegen Lungenödemgefahr eher mit Vorsicht; Anm.) etc., verschiedene Medikamente eingesetzt."Experimentell wird Remdesivir als Proteasehemmer von Gilead eingesetzt", erklärte der Experte. Das sei für Intensivpatienten vorgesehen. Hier liefen derzeit Studien. Patienten auf der Normalstation erhielten die für HIV-Patienten weltweit zugelassene Proteasehemmer-Kombination Lopinavir/Ritonavir. "Hier ist die Datenlage für Covid-19 relativ schwach", erklärte Wenisch.

Fiebersenkende Mittel sollten am Beginn einer Covid-19-Erkrankung am besten nicht eingesetzt werden. Der Experte sagte: "Ich bin ein Fan von Fieber. Ersten hat jede Antipyretikum (fiebersenkendes Mittel; Anm.) ein Nebenwirkungsprofil. Aber zweitens, Fieber ist eine Abwehrreaktion gegen Viren."

Ob sich rekombinant hergestelltes lösliches ACE2-Enzym, wie es eine Entwicklung des Wiener Biotech-Unternehmens Apeiron mit dem Molekularbiologen Josef Penninger als Mitbegründer andeuten könnte, bei der Behandlung schwerster Lungenschäden mit akutem Lungenversagen bewährt, werden erst weitere Studien zeigen. Bisher gäbe es noch keine Evidenz aus wissenschaftlichen Untersuchungen am Menschen. Experten hätten sich eher skeptisch geäußert. "Wir sind aber an meiner Abteilung daran, das mit vielen Kliniken zu studieren", sagte Wenisch.

Auf der anderen Seite gibt es Hinweise, dass die Quarantänefristen nach belegter SARS-CoV-Infektion bzw. Covid-19-Erkrankung in Zukunft nicht mehr 14 Tage betragen müssten. "Die Entisolierung von Patienten erfolgt frühestens nach zehn Tagen, nach Fieberfreiheit von mindestens 48 Stunden und Symptomfreiheit von mindestens 24 Stunden", erklärte der Experte.

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