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Wissen Gesundheit
05/17/2021

Jede dritte Frau weltweit stirbt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ein globaler Report zu Herzkrankheiten zeigt: Bei Frauen werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu selten diagnostiziert und zu wenig behandelt.

35 Prozent der Frauen sterben weltweit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieses Problem wird wissenschaftlich zu wenig untersucht. Bei Betroffenen werden die Krankheiten zu selten diagnostiziert und zu wenig effektiv behandelt. Dies stellen 17 internationale Experten im ersten globalen Bericht zum Thema "Frauen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen" fest, der am Montag bei der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) vorgestellt wurde.

Der Report, zeitgleich zur PrĂ€sentation beim ACC-Kongress in der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" von einem Expertengremium des Magazins publiziert, betont die Bedeutung des Problems und fordert entschiedenes Gegensteuern, um die Gesundheitssituation vieler benachteiligter Frauen zu verbessern. "Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Haupt-Todesursache bei Frauen und fĂŒr 35 Prozent der TodesfĂ€lle verantwortlich. Bei jungen Frauen steigt die Herz-Kreislauf-MortalitĂ€t an", schreiben die Fachleute.

Die wichtigsten Zahlen: 2019 gab es weltweit rund 275 Millionen FÀlle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen. Das bedeutete rund 6.400 Patientinnen pro 100.000 Frauen und Jahr. Zwar hat seit 1990 die HÀufigkeit von Herzinfarkt, Schlaganfall und Àhnlichen Leiden unter den Frauen weltweit um 4,3 Prozent abgenommen. Doch das betraf vor allem die reichsten Staaten der Welt in Asien und im pazifischen Raum (minus 19,2 Prozent), Westeuropa (minus 18,2 Prozent) und Nordamerika (minus 14,6 Prozent). In China stieg die HÀufigkeit hingegen um 7,5 Prozent, in Indonesien um 4,8 Prozent und in Indien um 2,4 Prozent.

Handlungsbedarf

1990 starben weltweit rund 6,1 Millionen Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 2019 betrug die Zahl dieser TodesfĂ€lle bereits 8,94 Millionen, was aber in erster Linie auf das Wachstum der Weltbevölkerung zurĂŒckzufĂŒhren ist. Insgesamt ist nĂ€mlich die Herz-Kreislauf-MortalitĂ€t bei Frauen seit 1990 weltweit um etwa 35 Prozent gefallen (auf 204 TodesfĂ€lle pro 100.000 und Jahr). In Osteuropa, Nordafrika, dem Nahen Osten, dem sĂŒdlichen Afrika und Zentralasien gibt es aber zum Teil eine mehr als doppelt so hohe Herz-Kreislauf-Sterblichkeit (316 bis 486/100.000 Frauen und Jahr). WĂ€hrend sie beispielsweise in Israel oder Singapur um zwei Drittel zurĂŒckging, zeigte sich im sĂŒdlichen Afrika und in den LĂ€ndern des Pazifiks keine nennenswerte Änderung. "Der RĂŒckgang der Herz-Kreislauf-MortalitĂ€t verlangsamte sich von 2010 bis 2019 mit minus 11,2 Prozent im Vergleich zu minus 26,9 Prozent zwischen 1990 und 2010 signifikant", heißt es in dem Report. Dies bedeute sofortigen Handlungsbedarf.

IschĂ€mische Herzerkrankungen durch Atherosklerose (Koronarleiden) sind die hĂ€ufigsten Krankheiten bei Frauen. Dann folgt schon der Schlaganfall. "Hoher Blutdruck ist der grĂ¶ĂŸte Risikofaktor, der zu verlorenen Lebensjahren durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen fĂŒhrt. Es folgen ein hoher Body-Mass-Index und hohe LDL-Blutfettspiegel im Blut", heißt es in dem Report.

Anstieg bei jungen Frauen

FĂŒr Europa zeichnet sich ein teilweise spezifisches Bild ab, was die GefĂ€hrdung der Frauen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrifft. Der Report hĂ€lt fest: "Obwohl der Anteil der Raucher generell zurĂŒckgegangen ist, gibt es einen Anstieg bei den Frauen, speziell bei den jungen Frauen und MĂ€dchen. Laut den Statistiken der EU-MitgliedslĂ€ndern ist der Anteil der Raucher bei MĂ€nnern und Frauen in einigen nord- und westeuropĂ€ischen LĂ€ndern etwa gleich, bei den schwedischen Frauen aber höher als bei den MĂ€nnern. Weiters ist die Sterblichkeit infolge von Bluthochdruck in grĂ¶ĂŸten Teil Europas bei den Frauen höher als bei den MĂ€nnern." Hohe Cholesterinwerte seien bei Frauen etwas hĂ€ufiger als bei MĂ€nnern zu beobachten, Frauen betrieben auch weniger Sport.

Es gibt aber auch einige GefĂ€hrdungsmomente, die ausschließlich Frauen treffen: frĂŒhe Menopause, Gestationsdiabetes und Hypertonie in der Schwangerschaft, FrĂŒhgeburtlichkeit oder chronisch-entzĂŒndliche Autoimmunerkrankungen. Hinzu kommt, dass Frauen infolge ihrer in vielen Weltregionen existierenden sozialen Benachteiligung noch stĂ€rker gefĂ€hrdet sind: durch psychosoziale Risikofaktoren, Missbrauch bzw. Gewalt in der Partnerschaft, sozioökonomische Benachteiligung, mangelndes Gesundheitswissen und schĂ€dliche Umweltfaktoren.

Bairey Merz, Frauen-Kardiologie-Spezialistin am Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles im US-Staat Kalifornien, erlĂ€uterte: "WĂ€hrend einige Risikofaktoren fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei MĂ€nnern und Frauen Ă€hnlich sind, sind Frauen hĂ€ufiger von Diskriminierung in Gesundheitsfragen betroffen - durch kulturelle, politische und sozioökonomische Faktoren. So behindern zum Beispiel manche soziale oder religiöse Normen die Teilnahme an sportlichen AktivitĂ€ten." Hinzu kommt laut den Autoren, dass Herz-Kreislauf-Leiden bei Frauen seltener diagnostiziert und oft weniger wirkungsvoll behandelt werden.

Die Benachteiligung von Frauen in Sachen Herzgesundheit betrifft auch die Wissenschaft. Obwohl mehr Wissen ĂŒber die geschlechtsspezifischen Aspekte in der Behandlung und Optimierung der Therapieergebnisse von entscheidender Bedeutung wĂ€re, seien Frauen in klinischen Studien lange Zeit mangelhaft reprĂ€sentiert gewesen, heißt es im "Lancet". Hier mĂŒsste gegengesteuert werden.

 

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