© EPA/DAN HIMBRECHTS

Wissen Gesundheit
01/27/2021

Was hinter der Aufregung um die vermeintlich schlechte Wirksamkeit von Astra Zeneca steckt

Und wie gut der Impfstoff bei Senioren untersucht ist und wirkt.

AZD1222 sorgt seit Montagnacht für Rätselraten. AZD1222? Das ist der Corona-Impfstoff, den Astra Zeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hat, auf den Österreichs Impfplan lange baute und der Ende der Woche zugelassen werden soll(te).

Schuld daran ist ein Bericht des deutschen Handelsblatt, das behauptet hatte, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs von Astra-Zeneca/Oxford bei Erwachsenen über 65 Jahren nur acht Prozent betrage. Quelle: Nein, nicht Wissenschafter, sondern „deutsche Regierungskreise“.

Umgehend wies der britisch-schwedische Pharmakonzern die Unterstellung zurück. Das Gerücht beruhe auf einem Interpretationsfehler, ließ das deutsche Gesundheitsministerium ausrichten: In den Berichten seien zwei Dinge verwechselt worden – „rund acht Prozent der Probanden der Astra-Zeneca-Wirksamkeitsstudie waren zwischen 56 und 69 Jahren, nur 3 bis 4 Prozent über 70 Jahre. Daraus lässt sich aber nicht eine Wirksamkeit von nur acht Prozent bei Älteren ableiten“. Aha, Politiker und Journalisten können wissenschaftliche Arbeiten nicht richtig lesen.

Interpretationsfehler

Verstecken sich also in verschlossenen Schubladen keine weiteren unbekannten Wirksamkeitsdaten, die die Gerüchte bestätigen, dann ist die ganze Aufregung schlicht auf die falsche Interpretation einer Monate alten Studie zurückzuführen.

Quellenstudium

Wobei ein Blick in diese Studie durchaus lohnt: AZD1222 scheint auch bei älteren Menschen eine robuste Immunität zu erzeugen und tendenziell verträglicher zu sein als bei Jüngeren, war im November 2020 das Fazit einer Zwischenauswertung im Fachmagazin The Lancet. (Für alle, die es genau wissen wollen: „Safety and immunogenicity of ChAdOx1 nCoV-19 vaccine administered in a prime-boost regimen in young and old adults (COV002): a single-blind, randomised, controlled, phase 2/3 trial“) Es ist bereits die fünfte veröffentlichte klinische Studie eines SARS-CoV-2-Impfstoffs, der an älteren Menschen geprüft wird.

Wobei kein Proband über 55 Jahre das wirksamere „gemischte“ Impfschema erhalten hatte. Zur Erinnerung. Schon im Herbst hatte es Verwirrung um die tatsächliche Wirksamkeit des Astra-Zeneca-Vakzins gegeben, weil eine Teilnehmergruppe – zunächst versehentlich – nur eine halbe Menge Impfstoff bei der ersten Dosis bekommen hatte und erst bei der zweiten Impfung dann die volle Menge. Bei den Auswertungen stellte sich jedoch heraus, dass diese Dosierung für einen deutlich höheren Schutz sorgte. Wie gesagt: Für Senioren gibt es dazu keine Daten.

Entwarnung

Die Impfexpertin Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin sieht trotzdem keinen Grund zur Verunsicherung, „Bei den beiden mRNA-Impfstoffen gehen wir davon aus, dass sie für ältere Menschen gut geeignet sind.“ Das Vakzin von Moderna habe sich in den Studien auch bei 95-Jährigen als wirksam gezeigt, bei den Testreihen von BionTech/Pfizer waren ebenfalls über 80-Jährige eingeschlossen. „Man hat gesehen, dass der Impfschutz vergleichbar ist mit jenem der jüngeren Probanden.“

Was den vor der Zulassung stehenden Impfstoff von Astra-Zeneca betrifft, warte man diese ab. „Je nachdem, für welche Altersgruppen er zugelassen wird, wird man den Impfplan anpassen müssen.“ Am Freitag sollten wir es wissen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.