Clusterkopfschmerz: Das steckt hinter dem Leiden von Tom Kaulitz

Tom Kaulitz spricht über seine Clusterkopfschmerzen – eine extrem unangenehme Erkrankung. Wie sie sich anfühlt, was hilft.
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Zusammenfassung

  • Clusterkopfschmerz ist eine seltene, extrem schmerzhafte Kopfschmerzform, die meist Männer zwischen 20 und 40 Jahren betrifft und oft spät erkannt wird.
  • Die Attacken sind einseitig, stechend, dauern 15 bis 180 Minuten und treten in Episoden auf, häufig nachts und saisonal gehäuft.
  • Herkömmliche Schmerzmittel helfen nicht, aber Sauerstoffinhalation und spezielle Medikamente können die Beschwerden lindern und einer Chronifizierung vorbeugen.

Sein Clusterkopfschmerz sei wieder da, erzählt Tom Kaulitz, Ehemann von Heidi Klum, in seinem Podcast. Darin beschreibt er, wie er sich bei einer Attacke fühlt: „Ich würde mir am liebsten den Kopf abhacken.“ 

Die Schmerzen seien schlimm. Und das ist typisch für diese Kopfschmerzform.

Laut Verein „Cluster Kopfschmerzen“ handle es dabei um eine seltene Form von Kopfschmerz, im Vergleich zu anderen primären Kopfschmerzarten. 

  • Von 1.000 Personen sind ein bis zwei betroffen, Männer rund dreimal so häufig wie Frauen. Meist treten die Attacken zwischen 20 und 40 Jahren erstmals auf.

Während Migräne also fast eine Volkskrankheit ist, werde der Clusterkopfschmerz oft übersehen. Vom „Tropfen im Ozean“ ist die Rede; diese Seltenheit trägt dazu bei, dass diese Form von Schmerz wenig bekannt ist und von Medizinern oft nicht gleich als solche diagnostiziert wird. 

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Tom Kaulitz spricht öffentlich über seinen Cluster-Kopfschmerz.

„Messer im Auge“

Betroffene schildern, wie sich dieser Schmerz anfühlt: als würde jemand mit einem Messer ins Auge bohren oder ein Beil in der Stirn stecken. 

Für viele sind diese Phasen kaum erträglich, immerhin handelt es sich um einen der stärksten Schmerzzustände

Die Beschwerden treten zu Beginn der Erkrankung in Clustern (engl. cluster = Gruppe) auf – „das sind Episoden von rund sechs bis acht Wochen, häufig im Frühjahr und Herbst“. In diesen Phasen kommt es täglich zu ein bis acht Attacken, die jeweils zwischen 15 und 180 Minuten dauern.

Die Tücke: Sehr oft setzen sie rund 90 Minuten nach dem Einschlafen ein. Experten vermuten hier eine Störung des vom Hypothalamus gesteuerten Schlaf-Wach-Rhythmus

Auch das vegetative Nervensystem hat einen Einfluss, es steuert Körperfunktionen wie die Atmung. Genetische Faktoren könnten ebenfalls eine Rolle spielen, Alkohol kann immer wieder ein unmittelbarer Auslöser einer Attacke sein. 

Die Schmerzen sind heftig, einseitig, stechend und nehmen meist hinter einem bzw. rund um ein Auge zu.  Es rötet sich, das Lid schwillt an und senkt sich, oft läuft die Nase und geht ebenfalls zu.  

Im Gegensatz zur Migräne haben die Patienten aber nicht das Bedürfnis, sich im Dunkeln hinzulegen, sondern „laufen herum und wollen buchstäblich wegen der Schmerzen mit dem Kopf durch die Wand“, beschreibt die Neurologin Dr. Sonja-Maria Tesar. 

Schmerzen unbedingt therapieren

Umso wichtiger sei es, die Schmerzen zu therapieren, weil sich die saisonalen, episodischen Schmerzen sonst chronifizieren und dann jederzeit auftreten können.

Herkömmliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol helfen bei Cluster-Kopfschmerzen nicht. 

Vielen Patientinnen und Patienten hilft die Inhalation von hoch konzentriertem Sauerstoff über eine Atemmaske. Warum? Weil der Sauerstoff die bei einer Attacke erweiterten Blutgefäße verengt und den Hypothalamus positiv beeinflussen dürfte. 

Wichtig sei es, sich etwa 15 Minuten auf das Einatmen zu konzentrieren – von etwa 10 bis 15 Litern Sauerstoff. Verstärkt kann das durch das Injizieren von schnell wirksamen Triptanen werden, das auch bei akuter Migräne eingesetzt wird. 

Die Patienten erhalten ein stationäres Gerät für zu Hause und eine mobile Sauerstoffflasche für unterwegs, es wird von den Krankenkassen bezahlt. 

Ist es möglich vorzubeugen? Tesar sagt, dass gute Erfolge mit einem Medikament, das primär gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird, erzielt werden können. Cortison sei ebenfalls eine Option. 

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