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Wetten zur WM: Kritik an Werbung und FIFA-Deal

Vor allem digitale Sportwetten weisen ein hohes Suchtpotenzial auf. Eine neue FIFA-Regelung steht in der Kritik.
Ein Fußball wird von einem Fuß gestoppt und ist mit Geldscheinen beklebt.

Anlässlich der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft warnen die Stadt Wien und die Österreichische ARGE Suchtprävention vor den Risiken von Sportwetten. Experten fordern strengere gesetzliche Schutzmaßnahmen und mehr Bewusstsein für das Suchtpotenzial.

Sportwetten werden häufig als harmloses Freizeitvergnügen wahrgenommen. Doch sie bergen ein erhebliches Suchtrisiko, das bei Online-Wetten besonders hoch ist. Eine Glücksspielstörung kann finanzielle, soziale, berufliche und psychische Probleme nach sich ziehen.

„Dabei überschätzen viele Menschen den Einfluss ihres Fachwissens auf ihre Gewinnchancen, eine sogenannte Kontrollillusion, die problematisches Spielverhalten begünstigen kann", erklärt Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie-, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien.

Großereignisse erhöhen das Risiko

Sportliche Großereignisse wie die Fußball-WM verstärken die Gefahr. Durch Werbung in TV-Spots, Bandenwerbung und Sponsoring werden Sportwetten als normaler Teil des Sporterlebnisses dargestellt. Bei der WM 2026 kommt eine neue Dimension hinzu: Die FIFA gibt offizielle Spieldaten gezielt an lizenzierte Wettanbieter weiter, Spiele können über deren Plattformen gestreamt werden.

„Zahlreiche Studien zeigen, dass Werbung das Spielverhalten beeinflussen kann – insbesondere bei Jugendlichen und anderen vulnerablen Gruppen. Je präsenter Sportwetten im Umfeld großer Sportereignisse sind, desto eher werden sie gesellschaftlich akzeptiert", warnt Lisa Brunner, Leiterin der ARGE Suchtprävention.

Online-Wetten sind besonders problematisch

Digitale Sportwetten weisen ein besonders hohes Suchtpotenzial auf. Sie sind jederzeit und überall verfügbar, ermöglichen Live-Wetten auf einzelne Spielereignisse wie den nächsten Freistoß oder das nächste Tor und verstärken durch Spielstatistiken und Hintergrundinformationen die Kontrollillusion. Hinzu kommt, dass soziale Kontrolle fehlt, weil anonym und alleine gewettet wird, und Betroffene durch Online-Überweisungen den Überblick über ihre Geldverluste verlieren. Verschärft wird die Problematik durch Geschäftspraktiken der Anbieter wie Startboni, Pop-ups mit Gratis-Wetten nach Pausen, das Hervorheben einzelner Wetten und gezielte Werbung für junge Menschen.

Vor allem bei den 15- bis 29-Jährigen sind Sportwetten, Wetten auf E-Sports und Glücksspielautomaten die beliebtesten Glücksspiele, also jene Glücksspielarten, bei
denen davon ausgegangen wird, dass sie ein erhöhtes Suchtpotenzial aufweisen. Laut Wiener Suchtmittelmonitoring 2025 wetten 3 Prozent mindestens einmal pro Woche und 8 Prozent mindestens einmal pro Monat. Sportwetten sind fast ausschließlich ein Thema bei Männern. 70 Prozent der Befragten wetten online. 

Österreich als gesetzlicher Sonderfall

Stadt Wien und ARGE Suchtprävention kritisieren die aktuelle Rechtslage in Österreich als unzureichend. Österreich ist das einzige EU-Land, in dem Sportwetten – mit Ausnahme von Toto – rechtlich nicht als Glücksspiel gelten. Das hat Auswirkungen auf Werbebeschränkungen, Spielerschutz und steuerliche Rahmenbedingungen.

„Die Einstufung als Geschicklichkeitsspiel entspricht nicht dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Sportwetten sind stark zufallsabhängig und weisen ein hohes Suchtpotenzial auf. Es braucht daher eine umfassende Überarbeitung des Glücksspielgesetzes, um mit der Dynamik des Wettmarkts Schritt zu halten und einen ausreichenden Spieler- und Spielerinnenschutz sicherzustellen", betont Brunner.

Professionelle Hilfe verfügbar

Eine pathologische Form von Spielsucht sei nicht zu unterschätzen. Dazu zählen unter anderem finanzielle Probleme, Konflikte im familiären und sozialen Umfeld, Auswirkungen auf Ausbildung und Beruf sowie erhebliche psychische Belastungen. "Glücksspielsucht ist daher als ernstzunehmende psychische Erkrankung zu verstehen, die professionelle Unterstützung erfordert. In Wien steht dafür ein gutes Netzwerk an modernen Beratungs- und Behandlungsangeboten zur Verfügung", hält Lochner fest.

Betroffene können sich an das Anton-Proksch-Institut, die Ambulante Behandlungseinrichtung Spielsuchthilfe oder das kostenlose Online-Selbsthilfeprogramm www.genuggespielt.at wenden.

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