Krebs durch Alkohol: Ab welcher Menge das Risiko steigt
Schon ein kleines Bier täglich kann das Risiko für Rachenkrebs erhöhen.
Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko für mindestens zehn Erkrankungen, darunter mehrere Krebsarten. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Metaanalyse des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle (USA), die im Fachjournal Nature Health veröffentlicht wurde. Demnach steigt das Risiko für sieben Krebsarten bereits bei vergleichsweise geringen Mengen Alkohol.
Für die Analyse wertete das Forschungsteam die Ergebnisse von 843 Studien aus, die bis Ende 2023 erschienen waren. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und 20 verschiedenen Erkrankungen. Es erfolgte eine Bewertung des Risikos mit 0 bis 5 Sternen: 0 Sterne zeigen keinen Einfluss an, während 5 Sterne auf ein mit hoher Sicherheit stark erhöhtes Risiko hinweisen.
Schon bei einem kleinen Bier täglich steigt das Krebsrisiko
Am stärksten belegt war der Zusammenhang mit Tumoren im Rachenbereich. Diese Erkrankungen erhielten als einzige die Höchstbewertung von fünf Sternen. Bereits bei einem Konsum von 10 Gramm Alkohol täglich – das entspricht etwa einem kleinen Bier (0,33 l) oder einem Achtel Wein – stieg das Risiko laut Analyse um 16 Prozent. Bei 76 Gramm pro Tag erreichte es mit einem relativen Risiko von 4,24 seinen Höchstwert.
Fünf weitere Erkrankungen wurden mit drei Sternen bewertet. Dazu zählen
Kehlkopfkrebs
Leberzirrhose und andere chronische Lebererkrankungen
Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
Darmkrebs
Krebserkrankungen der Lippen und Mundhöhle
Die Risiken nahmen jeweils mit der konsumierten Alkoholmenge zu. Auch für Speiseröhren- und Brustkrebs sowie Vorhofflimmern fanden die Forschenden Hinweise auf ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Beim Speiseröhrenkrebs zeigte sich eine besonders deutliche Dosis-Wirkungs-Beziehung: Mit zunehmendem Alkoholkonsum stieg das Risiko kontinuierlich an.
Gibt es auch Schutzeffekte?
Anders fiel das Bild bei einigen Stoffwechsel- und neurodegenerativen Erkrankungen aus. So war Alkoholkonsum in den ausgewerteten Studien mit einem um mindestens 6,4 Prozent geringeren Risiko für Alzheimer und andere Demenzen sowie mit einem um mindestens fünf Prozent niedrigeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden.
Beim Typ-2-Diabetes zeigte sich eine U-förmige Beziehung. Das geringste Erkrankungsrisiko bestand bei einem Konsum von 18 Gramm Alkohol pro Tag. Bei höheren Mengen nahm dieser mögliche Schutzeffekt jedoch ab und kehrte sich ab etwa 47 Gramm täglich in ein erhöhtes Risiko um.
Auch bei ischämischen Herzkrankheiten fanden die Forschenden Hinweise auf das sogenannte „French Paradox“, also ein möglicherweise geringeres Risiko bei moderatem Alkoholkonsum. Der beobachtete Effekt war jedoch statistisch nicht signifikant.
Die Autorinnen und Autoren verweisen zudem auf Ergebnisse mehrerer sogenannter Mendelscher Randomisierungen. Diese genetischen Analysen hätten keine schützende Wirkung des Alkoholkonsums auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes oder Demenzen nachweisen können. Möglicherweise beruhe das „French Paradox“ daher auf Verzerrungen in epidemiologischen Studien.
Weltweit konsumiert fast die Hälfte der Menschen über 15 Jahre regelmäßig Alkohol. Die Studie unterstreicht nach Ansicht der Forschenden, dass mögliche gesundheitliche Vorteile eines moderaten Konsums gegen die nachweislich steigenden Risiken für zahlreiche Erkrankungen – insbesondere Krebs – abgewogen werden müssen.
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