Generation "sober": Warum immer mehr Teenager kaum bis gar nicht Alkohol trinken
Das Image von Alkohol hat sich bei Jugendlichen gewandelt.
Der Alkoholkonsum von Jugendlichen hat sich verändert. War früher exzessives Trinken für viele fixer Bestandteil des Erwachsenenwerdens, hat sich der Anteil abstinenter Jugendlicher seit 2007 nahezu vervierfacht. Das zeigt die ESPAD-Erhebung, die weltweit größte Schülerbefragung zu Konsum- und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial, die in Österreich zuletzt 2024 stattfand.
Erklärt wird dies mit einem gestiegenen Gesundheits- und Körperbewusstsein. „Jugendliche sind heute besser über die negativen Auswirkungen von Alkohol informiert und bewerten sie kritischer als frühere Generationen. Gleichzeitig sehen sie durch soziale Medien sehr unterschiedliche Lebensarten und Peer Groups – von sportlich-gesund bis ,sober’, also bewusst alkoholfrei“, sagt Lisa Brunner, Leiterin des Instituts für Suchtprävention in Wien. Auch kulturell-religiöse Aspekte würden eine große Rolle spielen. Nicht zuletzt wirken die Kosten dämpfend: Präventionsforschung zeigt seit Jahren, dass höhere Preise und geringere Verfügbarkeit den Konsum messbar senken.
Dennoch: Nach wie vor problematischer Konsum
Die Entwicklung ist erfreulich – sie bedeutet aber nicht, dass das Thema erledigt ist, meint Brunner. „Es gibt immer noch eine Gruppe junger Menschen, die einen problematischen Alkoholkonsum zeigen. Das sind etwa drei bis fünf Prozent der 14- bis 17-jährigen“, erklärt die Expertin. Im Schnitt liegt das Einstiegsalter bei 15 Jahren. Gesetzlich erlaubt ist das nicht: Bier und Wein dürfen ab 16 Jahren erworben werden, Spirituosen ab 18. Brunner: „Alkohol ist ein Zellgift, das besonders in der Phase der Gehirnreifung schädlich wirkt. Testkäufe zeigen allerdings, dass das Schutzalter oft nicht eingehalten wird.“
Neben möglichen Gesundheitsschäden besteht die Gefahr, dass Alkohol eine ungünstige Funktion übernimmt, etwa zur Stressbewältigung oder zum Umgang mit Ängsten. „Ein einmaliges Probieren führt nicht zu einer Sucht. Suchterkrankungen entwickeln sich über Jahre. Je früher und regelmäßiger jedoch konsumiert wird, desto höher ist das Risiko für spätere Probleme“, betont Brunner.
Eltern sollten Gespräche führen
Eine zentrale Rolle in der Prävention spielen die Eltern und wie in der Familie mit Alkohol umgegangen wird. Eltern sind daher gefordert, sich auch mit ihrem eigenen Konsum auseinanderzusetzen. Brunner rät, das Thema aktiv anzusprechen. „Es geht nicht um pauschale Verbote, aber um nachvollziehbare Regeln und offene Kommunikation. Das gesetzliche Schutzalter gibt Orientierung“, so Brunner. Regeln sollten klar und verständlich begründet sein. Ein Schluck Sekt für 14-jährige, „weil es dazugehört“ sendet hingegen widersprüchliche Signale.
Sinnvoll ist, vor konkreten Anlässen Gespräche zu führen – etwa bevor eine Party ansteht. Jugendliche sollten wissen, dass Alkohol eine potente Substanz ist, ihr Körper noch wenig Erfahrung damit hat und Vorsicht geboten ist: langsam trinken, ausreichend Wasser, aufeinander achten und im Notfall sofort Hilfe holen. Wichtig ist auch die Nachbereitung: Was war gut, was weniger? Diese Reflexion ist oft wirksamer als der Versuch, Konsum grundsätzlich zu verhindern.
Auch die enthemmende Wirkung von Alkohol ist ein Thema: Sie erhöht das Risiko für Grenzverletzungen und sexuelle Übergriffe. Gespräche über gegenseitiges Einverständnis, Schutz und Verantwortung sind unerlässlich. Kommt es zu Verhaltensveränderungen, Leistungsabfall in der Schule, Rückzug oder häufigen Rauschzuständen müssen Eltern genau hinschauen und können im Zweifel Sucht- und Drogenberatungsstellen aufsuchen.
Sucht- und Drogenkoordination Wien: sdw.wien
Mit dem Alkcoach, einem 6-wöchigen Online-Selbsthilfe-Programm, kann man seinen eigenen Alkoholkonsum einschätzen lernen und sich wöchentliche eigene Ziele setzen: www.alkcoach.at/
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