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Impfschutz im Alter: Kann Spermidin das Immunsystem stärken?

Neue Pilotstudie zeigt: Die nachlassende Impfantwort älterer Menschen lässt sich mit einer Einnahme von Spermidin womöglich verbessern.
Closeup portrait nurse doing injection to senior man

Zusammenfassung

  • Eine Pilotstudie mit 40 Menschen ab 65 Jahren deutet darauf hin, dass Spermidin altersbedingte Schwächen der Immunantwort nach einer COVID-19-Impfung teilweise ausgleichen könnte.
  • Unter Spermidin zeigten einige Teilnehmende höhere Antikörperspiegel, stärkere neutralisierende Aktivität gegen Virusvarianten sowie weniger Marker der Immunalterung und mehr Autophagie.
  • Die Ergebnisse gelten als vorläufig, da die Studie klein war und der mögliche Nutzen nun in größeren Untersuchungen bestätigt werden muss.

Mit zunehmendem Alter verliert das Immunsystem an Schlagkraft. Es reagiert langsamer auf Infektionen, bildet nach Impfungen oft weniger schützende Antikörper und T-Zellen – und kann Krankheitserreger dadurch schlechter abwehren. Fachleute sprechen von Immunoseneszenz, also der Alterung des Immunsystems.

Forschende um Professorin Katja Simon vom Max Delbrück Center und Professorin Ghada Alsaleh von der University of Oxford berichten nun im Fachjournal „Aging Cell“, dass Spermidin diese altersbedingte Abschwächung der Impfantwort möglicherweise teilweise ausgleichen kann. 

Die natürlich vorkommende Substanz reduzierte in der Studie bestimmte molekulare Marker der Immunalterung und verbesserte bei einigen Teilnehmenden die Immunantwort auf eine COVID-19-Impfung.

Spermidin ist ein körpereigenes Molekül, das auch in Lebensmitteln vorkommt – etwa in Weizenkeimen, Pilzen sowie in gereiften Käsesorten wie Parmesan oder Cheddar. Frühere Studien deuten darauf hin, dass Spermidin zelluläre Erhaltungsprozesse unterstützen kann, die mit dem Alter nachlassen.

„Viele ältere Menschen sprechen zwar gut auf Impfstoffe an“, sagt Ghada Alsaleh. „Manche aber entwickeln selbst nach wiederholten Impfungen keinen starken Schutz.“ Ein möglicher Grund dafür sei die biologische Alterung ihrer Immunzellen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Spermidin dazu beitragen könnte, bestimmte Aspekte der Immunfunktion bei den Betroffenen wiederherzustellen.“

Pilotstudie mit 40 älteren Erwachsenen

Für die Studie rekrutierten die Forschenden 40 gesunde Erwachsene ab 65 Jahren. Nach der dritten COVID-19-Impfung erhielten sie 13 Wochen lang täglich entweder sechs Milligramm Spermidin oder ein Placebo.

Dabei zeigte sich: Rund ein Viertel der Teilnehmenden entwickelte trotz dreimaliger Impfung nur eine schwache Antikörperantwort. Ihre Immunzellen wiesen deutliche Zeichen biologischer Alterung auf – darunter vermehrte DNA-Schäden und Marker, die mit zellulärer Seneszenz in Verbindung stehen. Dabei handelt es sich um einen Prozess, bei dem gealterte oder beschädigte Zellen ihre normale Funktion verlieren und sich im Gewebe ansammeln können.

Bei jenen Teilnehmenden, die Spermidin einnahmen, verbesserte sich die durch die Impfung ausgelöste Immunität messbar. Die Forschenden beobachteten unter anderem tendenziell höhere Konzentrationen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 sowie eine stärkere neutralisierende Aktivität gegen mehrere Virusvarianten als in der Placebogruppe.

Zudem reduzierte Spermidin bestimmte Marker der Immunseneszenz und regte die Autophagie an – einen natürlichen Recyclingprozess der Zellen. Dabei werden beschädigte Zellbestandteile abgebaut, was dazu beitragen kann, die Funktionsfähigkeit der Zellen zu erhalten.

Das Nahrungsergänzungsmittel wurde in der Studie gut vertragen. Nebenwirkungen, die mit der Einnahme in Zusammenhang standen, wurden nicht beobachtet.

Noch kein Beweis für breiten Nutzen

Die Ergebnisse sind allerdings vorläufig. Die Untersuchung war als Pilotstudie angelegt und umfasste nur eine kleine Zahl an Teilnehmenden. Ob Spermidin die Impfantwort älterer Menschen tatsächlich zuverlässig verbessern kann, muss daher in größeren Studien geprüft werden.

„Unsere Untersuchung war als Pilotstudie konzipiert und hatte daher eine relativ geringe Zahl an Teilnehmenden“, sagt Katja Simon. „Nun sind größere Studien erforderlich, um zu überprüfen, wie gut Spermidin die Impfantwort tatsächlich verbessern kann – und ob ähnliche Effekte auch bei anderen Impfstoffen, etwa gegen die saisonale Grippe, zu beobachten sind.“

An der Studie beteiligt waren neben Alsaleh und Simon auch Forschende der Oxford Vaccine Group, Professorin Teresa Lambe und Professor Paul Klenerman von der University of Oxford sowie Dr. Lucy Jones und Professor Owen Brad Spiller von der Cardiff University.

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