Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Sonnenfinsternis: Warum der Blick in die Sonne gefährlich sein kann

Das Naturschauspiel lockt viele Menschen nach draußen. Doch der direkte Blick in die Sonne kann bleibende Augenschäden verursachen – auch wenn er nur kurz ist.
Zwei Männer, ein Kind und eine Frau schauen mit Sonnenschutzbrillen in die Sonne.

Am Mittwoch, 12.8.2026, wird in Österreich eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen sein. Sie beginnt um 19.22 Uhr und kann bis 20.16h verfolgt werden. Wer die Sonnenfinsternis sehen möchte, sollte aber seine Augen schützen. „Normalerweise schützt ein natürlicher Reflex: Wer in die Sonne schaut, blinzelt sofort oder wendet den Blick ab, weil sie so stark blendet. Bei einer Sonnenfinsternis unterdrücken aber viele diesen Schutzmechanismus, um das Schauspiel zu sehen, und es kann zu mitunter langfristigen Augenschäden kommen“, erklärt Stefan PalkovitsOberarzt an der Augenabteilung im Hanusch-Krankenhaus der ÖGK und Augenarzt im Augenzentrum Leopoldstadt.  

Bei der Sonnenfinsternis ist das Sonnenlicht zwar teilweise abgedunkelt. Das heißt, es ist weniger Blendreflex da, weniger Blinzeln und man kann die Augen länger offenhalten. „Die Reststrahlung ist aber trotzdem stark genug, um die Augen zu schädigen,“ sagt Palkovits.

Schon kurzer Blick in Sonne reicht

Es kann zu einer sogenannten Solarretinopathie kommen. Das ist eine Schädigung der Netzhaut durch direktes in die Sonne schauen oder durch andere Lichtquellen wie Laser oder Schweißen. „Es kann zu Schäden der Fotorezeptoren kommen. Besonders betroffen ist die Netzhautmitte, wo das schärfste Sehen stattfindet, weil man beim Beobachten der Sonnenfinsternis genau auf die Sonne fokussiert“, erklärt der Mediziner. 

Viele Menschen glauben, ein kurzer Blick sei ungefährlich. Ein Irrtum, warnt Palkovits: „Es reicht auch, wenn man nur kurz hinschaut. Das Tückische ist, dass es in der Regel nicht wehtut, aber die Fotorezeptorschicht ist dann wie ausgestanzt. Betroffene beschreiben meist, dass sie einen grauen Punkt sehen.“ An dieser Stelle ist dann das Sehen, etwa beim Lesen von Buchstaben, erschwert. 

ISO-zertifzierte Schutzbrille nötig

Die Sehverschlechterung kann sich zwar mit der Zeit wieder verbessern, meistens bleibt sie aber bestehen, warnt Palkovits. Der Augenarzt sieht solche Fälle immer wieder in seiner Praxis, eine Häufung gab es nach der totalen Sonnenfinsternis im August 1999, die auch in Österreich gut sichtbar war. 

Um sich zu schützen, braucht es eine ISO-zertifizierte Sonnenfinsternis-Brille. „Nur sie bietet ausreichend Schutz, weil sie einen sehr großen Teil des Lichtspektrums blockiert. Eine normale Sonnenbrille reicht nicht aus“, sagt Palkovits.

Von rußgeschwärztem Glas oder CDs als „Schutz“ rät der Mediziner ab: „Das ist sicherlich nicht ausreichend.“ Eine Alternative sei die indirekte Beobachtung mit einer Lochkamera, die man etwa aus einer Chipsdose selbst bauen kann (siehe Infobox).

Kinder besonders gefährdet

Bei Kindern ist besondere Vorsicht geboten. Ihre Augen sind noch empfindlicher als jene von Erwachsenen. Palkovits: „Zum einen ist die kindliche Linse klarer, sodass UV-Strahlen und Infrarotstrahlen tiefer eindringen können. Zum anderen können Kinder meist nicht nachvollziehen, warum sie nicht in die Sonne schauen sollen und schauen oft trotzdem hin. Wichtig ist, es ihnen zu erklären und rechtzeitig eine Sonnenfinsternis-Brille zu besorgen.“

Auch Teleskope, Kameras und Ferngläser müssen mit einem entsprechenden Filter abgedeckt sein, um Schäden am Auge zu verhindern. Dass die Sonnenfinsternis dieses Mal erst am Abend stattfindet, hat keinen Einfluss darauf, dass die Strahlung die Augen schädigen kann.

Wer nach dem Blick in die Sonne Beschwerden bemerkt, sollte dies zeitnah beim Augenarzt oder in der Augenabteilung eines Krankenhauses abklären lassen. 

Kommentare