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Wissen Gesundheit
05/05/2021

So funktionieren die Modelle des Simulationsforschers Niki Popper

Eine virtuelle österreichische Bevölkerung durchlebt seit März 2020 auch die Corona-Pandemie. Sie hilft dabei, künftige Szenarien abzuschätzen und Entscheidungen zu treffen.

"Am Anfang der Pandemie waren wir wie ins Meer geworfen und wurden von den Wellen herumgerissen. Mittlerweile haben wir eigentlich schon ein ziemlich cooles Boot mit Motor und Steuerung", so beschreibt der Simulationsforscher Niki Popper die Entwicklung der Modelle rund um die Corona-Pandemie. Sie seien eine wichtige Unterstützung bei Entscheidungen im Umgang mit dem Coronavirus. Aber was genau steckt hinter diesem Modell? Welche Rolle spielen dabei Bewegungsdaten? Und was sagt das Modell über die geplanten Öffnungen am 19. Mai?

Daten, Daten, Daten

Popper ist Teil des sogenannten Corona-Prognose-Konsortiums im Gesundheitsministerium. Er und sein Kollege Alan Hanbury entwarfen ein umfangreiches Modell, das helfen soll, die Pandemie besser zu verstehen. Ein Modell, das die österreichische Bevölkerung abbildet und schon über Jahre hinweg entwickelt wurde, wird seit Beginn der Pandemie mit vielen Daten gefüttert. "Wir haben eine virtuelle Bevölkerung, die im Grunde die Pandemie durchlebt", erklärt Popper. Daten aus dem epidemiologischen Meldesystem, Bewegungsdaten von Mobilfunkbetreibern und seit einiger Zeit auch Daten aus dem elektronischen Impfpass oder aus dem Mutationsgeschehen fließen dabei ein. 

Seit Kurzem liefert auch die ZAMG Wetterdaten an Popper, so will man den Effekt der Saisonalität auf die Virusverbreitung besser verstehen. "Wir ordnen jedem virtuellen Österreicher und jeder virtuellen Österreicherin das jeweilige Wetter seit Beginn der Pandemie zu", sagt Popper. Was es mit dem Einfluss des Wetters tatsächlich auf sich hat, bleibt aber fürs Erste noch ein Rätsel. 

Modell als Entscheidungshilfe

Das Populationsmodell ist vor allem eine wichtige Entscheidungshilfe. "Wir können jetzt viele verschiedene Realitäten produzieren und uns die anschauen", sagt Popper. Ein Beispiel: "Wir haben uns etwa gemeinsam mit dem Nationalen Impfgremium angesehen, welche Priorisierung in der Impfstrategie am meisten Sinn machen würde", erzählt der Forscher. 

Und was genau hat es mit den Bewegungsdaten auf sich? Die kommen von zwei großen Mobilfunkbetreibern und werden nur anonymisiert sowie aggregiert an die Forscher weitergegeben, erklärt Hanbury. Einerseits wird dabei gezählt, wie viele Leute sich pro Tag an bestimmten Orten aufhalten. An den Wiener U-Bahn-Stationen zum Beispiel wurden im ersten Lockdown so nur etwa 20 Prozent der sonst üblichen Öffi-Nutzer gezählt. Aber auch, ob man sich von einem definierten Areal in ein anderes bewegt. 

Für Impf-Effekt bei Öffnungen noch zu früh

Aktuelle lesen Popper und sein Team aus dem Modell ab, dass auf Basis der verfügbaren Impfdosen in Österreich bis Ende Juni rein rechnerisch etwa 65 Prozent der Menschen immunisiert sein könnten. "Es zeichnet sich aber jetzt schon ab, dass wir das nicht schaffen werden. Alleine aus logistischen Gründen, aber auch wegen der Bereitschaft der Menschen", sagt Popper. 

Den geplanten Öffnungen für den 19. Mai blickt er alles in allem optimistisch entgegen. Obwohl man den Wettereffekt nicht genau kenne, rechne man mit einer positiven Auswirkung. Rein vom Impfschutz her, sei es aber noch zu früh zu öffnen. Mit einem ausbreitungsmindernden Impf-Effekt könne man erst im Juni rechnen. "Es gibt ein Fenster, in dem es nochmal zu Anstiegen kommen kann", sagt auch der Komplexitätsforscher Peter Klimek. 

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