Rückenschmerzen: Welche Therapien wirklich helfen – und wie lange
Chronische Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen, auch in Österreich. Rund 1,9 Millionen Menschen ab 15 Jahren – etwa jede vierte Person – berichten laut Österreichischer Gesundheitsbefragung 2019 von Statistik Austria über chronische Kreuz- oder Rückenschmerzen.
Besonders stark steigt die Häufigkeit im Alter. Viele Betroffene probieren deshalb über Monate oder Jahre unterschiedlichste Therapien aus: Physiotherapie, Training, Massage, Akupunktur, Schmerzmittel, Wärmeanwendungen, manuelle Behandlung oder spezielle Rückenschul-Programme. Doch was bringt wirklich etwas – und vor allem: Wie lange hält die Wirkung wirklich an?
Eine neue große Analyse im Fachjournal BMJ Medicine liefert darauf nun eine differenzierte Antwort. Unterschiedliche konservative, also nicht-operative Behandlungen können Schmerzen und Einschränkungen kurzfristig lindern. Langfristig – nach zwölf Monaten oder mehr – zeigte sich jedoch bei keiner Behandlung ein klar klinisch relevanter Vorteil.
Was wurde untersucht?
Das Forschungsteam um Daniel L. Belavý wertete 581 Berichte aus 551 randomisierten Studien mit insgesamt 71.126 Erwachsenen aus. Im Fokus: chronische Schmerzen im unteren Rücken, also Beschwerden, die länger als zwölf Wochen bestehen. Die meisten Daten bezogen sich auf unspezifische Rückenschmerzen, das sind Schmerzen ohne eindeutige schwerwiegende Ursache wie ein Tumor, Bruch oder eine Infektion. Nur ein kleinerer Teil der Studien betraf ausstrahlende Schmerzen, etwa bei Ischias oder radikulären Beschwerden.
Untersucht wurden unter anderem Bewegungstherapie, Akupunktur, Massage, manuelle Therapie, Elektrotherapie, Medikamente, psychologische Verfahren, das McKenzie-Konzept, multidisziplinäre Schmerzprogramme, übliche Versorgung, Placebo- beziehungsweise Scheinbehandlungen sowie gar keine Behandlung.
Welche Behandlungen halfen kurzfristig?
Bei den Schmerzen selbst schnitten mehrere Methoden im Zeitraum von einem Tag bis drei Monaten besser ab als keine Behandlung. Eine klinisch relevante Schmerzlinderung zeigte sich kurzfristig bei:
- Akupunktur
- Elektrotherapie
- Bewegungstherapie
- manueller Therapie oder Manipulation
- Massage
- multidisziplinärem Schmerzmanagement
Auch bei funktionellen Einschränkungen – also der Frage, wie stark Rückenschmerzen Alltag, Bewegung und Belastbarkeit beeinträchtigen – gab es kurzfristige Vorteile. Hier zeigten vor allem Akupunktur, Massage und multidisziplinäre Programme klinisch relevante Effekte.
Der Haken: Die Wirkung hält oft nicht an
Der zentrale Befund der Analyse: Die größten Effekte traten ungefähr rund zehn Wochen nach Studienbeginn auf – also in etwa zu jenem Zeitpunkt, an dem viele Behandlungsprogramme gerade abgeschlossen sind oder kurz zuvor beendet wurden, danach nahm der Nutzen meist wieder ab.
Nach zwölf Monaten oder länger fanden die Forschenden zwar bei einzelnen Behandlungen statistische Vorteile. Diese waren jedoch nicht groß genug, um als klinisch relevant zu gelten. Praktisch übersetzt heißt das: Viele Therapien können eine wichtige Initialzündung sein, aber sie lösen chronische Rückenschmerzen meist nicht dauerhaft, wenn danach nichts weiter passiert.
Was bedeutet das für Betroffene?
Die Studie spricht nicht gegen Physiotherapie, Training, Akupunktur oder andere konservative Behandlungen, im Gegenteil: Kurzfristige Linderung kann sehr wertvoll sein, etwa, um wieder besser schlafen, sich mehr bewegen oder den Alltag besser bewältigen zu können. Sie zeigt aber auch, dass eine einzelne Therapie-Serie bei chronischen Rückenschmerzen oft nicht ausreicht. Sinnvoller erscheint ein vielfältiges Programm aus Bewegung, Selbstmanagement, alltagstauglichen Übungen, Verhaltensänderungen.
Vorsicht bei Ischias und ausstrahlenden Schmerzen
Für Menschen mit ausstrahlenden Schmerzen ins Bein, Radikulopathie oder Spinalkanalstenose ist die Datenlage deutlich dünner. Zwar fanden die Forschenden keinen klaren Hinweis, dass diese Patientengruppe grundsätzlich anders auf konservative Behandlungen reagiert, trotzdem bleibt hier eine Forschungslücke, weil nur wenige Studien diese Beschwerden gezielt untersucht haben.
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