Pubertät: Die kleinen Leiden beim Größerwerden
Viele Beschwerden in der Pubertät sind harmlos und gehören zum Aufwachsen dazu. Trotzdem können sie Eltern und Betroffene auch verunsichern. Sehr häufig sind etwa Akne, vermehrtes Schwitzen oder Kreislaufprobleme. Der KURIER hat bei Holger Förster, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, nachgefragt. Er erklärt, wo die Ursachen liegen, welche einfache Maßnahmen man treffen kann und wann ein Arztbesuch ratsam ist.
Hautprobleme und Akne
Fast jeder Jugendliche hat in der Pubertät mit Hautunreinheiten zu kämpfen. Erste Anzeichen zeigen sich bei Mädchen ab etwa zehn, bei Jungen ab zwölf Jahren und verschwinden oft mit Ende der Pubertät, bei Frauen teils später. Männer sind etwas häufiger betroffen.
Ausgelöst werden Hautunreinheiten meist durch hormonelle Veränderungen, die die Talgproduktion steigern und Poren verstopfen. So vermehren sich Bakterien und verursachen Entzündungen von Mitessern bis zu schmerzhaften Knoten. Häufiges Waschen mit Seife, ungeeignete Kosmetika, Milch- und Fettprodukte, manche Medikamente, Rauchen und genetische Faktoren können dies verstärken.
Abhilfe schaffen bei leichten Formen gründliche Reinigung und passende Pflegeprodukte. Rauchen und Milchprodukte können sich ebenfalls auf das Hautbild niederschlagen, deshalb besser verzichten. Schwerere Verläufe mit großen Herden oder Abszessen sollten ärztlich behandelt werden, etwa mit Antibiotika oder talgreduzierenden Medikamenten, um Beschwerden und Narben zu vermeiden.
Körpergeruch
In der Pubertät arbeiten die ekkrinen Schweißdrüsen stärker und reagieren empfindlich auf Wärme und Stress. Gleichzeitig beginnen die apokrinen Drüsen in Achsel- und Intimbereich Duftstoffe abzugeben. Die Schweißmenge hängt von Temperatur, Kleidung, Bewegung und psychischer Belastung ab, teils auch von Infekten oder Medikamenten. Erste Veränderungen treten bei Mädchen ab etwa zehn, bei Jungen ab zwölf Jahren auf, nach rund sechs Jahren stabilisiert sich die Produktion. Hilfreich sind tägliches Duschen mit mildem Duschgel, Deodorants oder Roll-ons mit Aluminiumsalzen sowie Eichenrindenbäder für Hände und Füße. Bei sehr starkem oder anhaltendem Schwitzen sollte ärztlich geprüft werden, ob Verfahren wie Iontophorese, Botox oder operative Eingriffe nötig sind.
Kopfschmerz
Kopfschmerzen können viele Ursachen haben – etwa Probleme im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, Zahnkrankheiten, Fehlsichtigkeit, Nackenverspannungen, Kreislaufstörungen, Flüssigkeitsmangel, Hitze, psychischer Stress sowie Verletzungen, Tumoren oder Infektionen wie Meningitis. Sie treten in jedem Alter und bei beiden Geschlechtern auf. Oft helfen Ruhe, Stressabbau, ausreichendes Trinken und ausgewogene Ernährung; bei Bedarf Schmerzmittel. Entscheidend ist die Behandlung der Ursache. Bei plötzlichen, sehr starken oder wiederkehrenden Schmerzen, fehlender Besserung oder begleitenden Symptomen wie Fieber, Schwindel, Erbrechen oder Nackensteifigkeit sollte sofort ärztliche Hilfe erfolgen.
Kreislauf und Schwindel
Leichte Kreislaufprobleme entstehen oft durch zu wenig Flüssigkeit, unregelmäßige Mahlzeiten, Schlafmangel oder verstärktes Wachstum, das vorübergehend die Blutverteilung im Körper beeinflusst. Typischer Beginn ist ab etwa zehn Jahren, Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Jungen.
Vorbeugend helfen regelmäßiges Essen und Trinken über den Tag verteilt, mindestens acht Stunden Schlaf und tägliche Bewegung. Kommt es zu plötzlichem Schwindel, Ohnmacht oder wiederholten Kollapsen, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob Herzrhythmusstörungen, Blutdruckprobleme oder neurologische Ursachen wie Epilepsie vorliegen.
Nasenbluten
Nasenbluten wird meist durch kleine Verletzungen der Nasenschleimhaut, trockene Luft, Temperaturschwankungen, Infekte oder Allergien ausgelöst, bei Kindern häufig durch Nasenbohren. Selten ist eine Blutgerinnungsstörung die Ursache. Im Akutfall hilft es, die betroffene Seite zwei Minuten fest zuzudrücken, gegebenenfalls mit Watte zu tamponieren und aufrecht mit kaltem Tuch im Nacken zu sitzen. Bei trockener Schleimhaut sind Nasensalben und ausreichende Luftfeuchtigkeit ratsam.
Stoppt die Blutung nicht nach 20 Minuten oder tritt sie häufig und stark auf, sollte ein Arzt mögliche Grunderkrankungen abklären.
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