Kinder und Jugendliche haben Angst vor Krieg in Europa

Jugendliche stützen den Kopf auf den Arm.
Die sogenannte Generation Alpha, geboren ab 2010, muss sich mit Krisen und Unsicherheiten befassen, die sich auf ihre Psyche auswirken.

Die Generation Alpha, alle, die ab 2010 geboren wurden, wächst in einer Welt auf, die durch Digitalisierung und globale Krisen geprägt ist. Kriege, wirtschaftliche Unsicherheiten und die Klimakrise hinterlassen Spuren in der Psyche junger Menschen.

Studien zeigen, dass pandemie- und klimabezogene Belastungen bei 12- bis 16-Jährigen vermehrt zu Angst, Depressionen und einer verminderten Lebensqualität führen. Wissenschaftlich belegt ist, dass Kriege in und außerhalb Europas, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie die Klimakrise die psychische Gesundheit belasten und zu Zukunftsängsten, Ärger, Frustration, Hoffnungslosigkeit und Trauer bzw. depressiven Verstimmungen führen können. 

Auch die deutsche Shell-Jugendstudie 2024 belegt diese Entwicklung: 81 Prozent der Jugendlichen gaben an, Angst vor einem Krieg in Europa zu haben.

Besonders die Klimakrise beschäftigt die junge Generation stark. Jugendliche sind deutlich stärker betroffen als frühere Generationen und erleben bis zu siebenmal mehr Hitzewellen. „Es wird gemeinsame, intensive, gesellschaftliche Bemühungen benötigen, um die Klimaängste unserer Jugendlichen wirkungsvoll aufzugreifen“, erklärte Kathrin Sevecke, Primaria der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Hall und Direktorin der Innsbrucker Univ.-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter, anlässlich eines heute startenden Kongresses in Hall in Tirol

Sorge bereiten den jungen Menschen vor allem der Temperaturanstieg, das Abschmelzen der Gletscher und extreme Wetterereignisse. Geschlechtsspezifische Untersuchungen belegen zudem, dass Mädchen häufiger unter Angst und Depressionen leiden.

Medienkonsum als Belastungsfaktor

Auch der Einfluss der Sozialen Medien bleibt nicht ohne Folgen. Laut Sevecke erleben etwa 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen belastende Inhalte im Netz. Ein hoher Medienkonsum verstärkt Angst-, Depressions- und Stresswerte zusätzlich.

Eine wichtige Anlaufstelle für betroffene Familien sind Ambulanzen, etwa die der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall. Hier werden Diagnostik, Beratung und Therapie angeboten. Dennoch ist die Versorgungssituation herausfordernd: Die Wartezeit auf einen Ersttermin beträgt aktuell etwa sechs Wochen, und die Weitervermittlung an andere Einrichtungen gestaltet sich oft schwierig.

Kathrin Sevecke fordert unter anderem den Ausbau von Präventionsprogrammen an Schulen und Kindergärten, einen achtsamen Umgang mit sozialen Medien, sowie niedrigschwellige Angebote zur Stärkung von Resilienz und Selbstwirksamkeit.

Zahlen, die nachdenklich stimmen

Die psychische Belastung unter Kindern und Jugendlichen bleibt hoch: Laut aktuellen Zahlen fühlen sich 40 bis 50 Prozent der jungen Menschen in Österreich psychisch belastet. Besonders betroffen sind sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche sowie Kinder psychisch erkrankter Eltern. 

Dennoch zeigen die Daten auch leichte Entlastungen: 2025 wurden 14 Prozent weniger Kinder und Jugendliche stationär behandelt als im Vorjahr. Die Anzahl der ambulanten Krisengespräche nahm jedoch leicht zu, was den Bedarf an niederschwelliger Unterstützung unterstreicht.

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