Mental Health: Rückgang der Smartphone-Nutzung unter Jugendlichen

Female student going for class in high school
Die aktuelle Mental Health Studie 2025 zeigt erstmals seit Jahren einen leichten Rückgang der Smartphone-Nutzung unter Jugendlichen.

Der Anteil von Jugendlichen mit erhöhter depressiver Symptomatik hat im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Während 2024 noch 15 Prozent der Befragten entsprechende Symptome berichteten, waren es im Folgejahr 12 Prozent. „Internationale Daten zeigen, dass wir uns seit Jahren in einer Mental-Health-Krise befinden, aber zum ersten Mal sehen wir nun auch Anzeichen für eine Verbesserung“, bestätigt Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Universität Wien, den Aufwärtstrend. Für die Studie wurden Antworten von 8.177 Schülerinnen und Schülern ausgewertet. 56 Prozent der Teilnehmer waren Mädchen, 43 Prozent Burschen, ein Prozent ordnete sich als divers ein. Die Ergebnisse wurden in die Bereiche psychische Zufriedenheit und depressive Symptomatik gegliedert.

Weniger am Handy

Im Schnitt verbringen Jugendliche derzeit 190 Minuten pro Tag am Smartphone – das sind 30 Minuten weniger als im Vorjahr. Besonders deutlich ist der Rückgang bei Social-Media-Nutzung (minus 16 Minuten) und Streaming (minus 9 Minuten).

Golli Marboe, Obmann des Vereins für einen selbstbestimmten Umgang mit Medien (VsUM), sieht darin einen Effekt der jüngst eingeführten Handyverbote an Schulen: „Rechnet man die Pausen zusammen, in denen das Handy nicht genutzt werden darf, kommt man schon auf diese 30 Minuten.“ Zudem sei zu beobachten, dass psychische Themen heute weniger tabuisiert seien. „Wer offen über Belastungen sprechen kann, flüchtet weniger in soziale Netzwerke.“

Die Studie unterscheidet bei der Auswertung zwischen Smartphone-Nutzung/Social-Media-Aktivitäten und anderen digitalen Tätigkeiten wie Gaming, Messaging, Lesen, der Nutzung von KI-Tools oder dem Konsum von Nachrichten. Während die Negativ-Effekte von Videospielen, Messengern und Nachrichtennutzung laut den Forschenden geringer ausfallen, können laut Studie Social-Media-Plattformen und intensiver Smartphone-Gebrauch einen negativen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit haben.

Risiko für Mädchen

Die Studie zeigt auch deutliche demografische Unterschiede in den Auswirkungen sozialer Netzwerke: Mädchen sind stärker betroffen als Burschen, ebenso jüngere Schüler im Vergleich zu älteren. Auch Jugendliche aus einem sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund berichten häufiger von negativen Effekten.

Summa summarum steht häufige Social-Media-Nutzung in engem Zusammenhang mit geringerer Lebenszufriedenheit und erhöhter depressiver Symptomatik. „Weniger Social Media tut der Seele gut“, so Marboe. Wir sollten uns fragen, wie wir im Alltag und insbesondere in Schulen mehr bewusst gestaltete, Social-Media-freie Räume schaffen können.“

Noch keine Entwarnung

Jene drei Prozentpunkte Unterschied bei der depressiven Symptomatik seien eine signifikante Veränderung, erklärt Studienautor Tobias Dienlin von der Universität Zürich. Zum ersten Mal seit Beginn der Erhebung steigt die Lebenszufriedenheit, während die Depressivität sinkt. Und beides wiederum bei gleichzeitigem Rückgang von Social Media und Smartphone-Nutzung. Entwarnung gibt es dennoch keine. Noch liege man über dem Niveau vor der Pandemie, doch die Tendenz stimme vorsichtig optimistisch.

Ein zentraler Baustein dafür seien die Mental Health Days. „Wir erreichen damit eine schwer zugängliche Zielgruppe und gleichzeitig bringt man spürbaren Mehrwert in die Schulen.“ Marboe ergänzt: „Die Warteliste von Schulen ist lang, finanzielle Unterstützung willkommen.“

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