Psyche: Studierenden geht es "weniger gut" bis "schlecht"
(Symbolbild)
Zusammenfassung
- Mehr als die Hälfte der Studierenden in Österreich und Deutschland stuft ihre psychische Verfassung als "weniger gut" oder "schlecht" ein – ein neuer Höchstwert laut Mental Health Barometer 2025.
- Hauptbelastungen sind hoher Arbeitsaufwand, Prüfungsdruck, psychische Probleme und finanzielle Sorgen; nur ein Drittel spricht offen über psychische Probleme.
- Trotz hoher Belastung fühlen sich 90 Prozent am Campus sicher, und neue Angebote wie Notfall-Benachrichtigungen und Mental Health Chats werden bereitgestellt.
Nicht gut: Der überwiegende Teil der Studierenden in Österreich und Deutschland stuft seine psychische Verfassung mit "weniger gut" oder "schlecht" ein. Zu diesem Ergebnis ist die im Herbst 2025 von der Grazer Online-Plattform für psychologische Beratung "Instahelp" und der Studierenden-App "Studo" durchgeführte Online-Befragung unter rund 6.000 Studierenden gekommen - ein Höchstwert und zugleich ein Tiefpunkt der psychischen Verfassung seit Start der Erhebung im Jahr 2021.
Das jährlich durchgeführte "Mental Health Barometer" verfolgt das Ziel einer Längsschnittstudie, um die Entwicklung der mentalen Gesundheit von Studierenden zu erheben. Die Ergebnisse für 2025 zeichnen ein düsteres Bild: 56,7 Prozent der 6.080 Befragten geben an, dass es ihnen in den vergangenen 14 Tagen weniger gut oder schlecht gegangen ist. Das sei ein neuer Höchstwert, wie die Grazer Online-Plattform und die Studierenden-App am Samstag mitteilten. Im Jahr 2023 waren es 48,6 und 2024 an die 52,5 Prozent. Nur 15,5 Prozent der Studierenden beschrieben ihren mentalen Gesundheitszustand als ausgezeichnet oder sehr gut.
Zwei Drittel sprechen nicht offen über Probleme
Je besser die mentale Gesundheit von Studierenden angegeben wurde, umso positiver schätzen sie auch ihre Lebensqualität ein. Diese wurde immerhin von rund 40 Prozent mit "gut", von rund einem Viertel mit "sehr gut" und von knapp sechs Prozent mit "ausgezeichnet" angegeben. 71,4 Prozent der Studierenden ordneten ihrer mentalen und körperlichen Gesundheit den gleichen Stellenwert bei.
Allerdings gab lediglich ein Drittel der Befragten an, wirklich offen über psychische Probleme sprechen zu können. Aus Sicht der Plattform für psychologische Online-Beratung und -Therapie unterstreiche das die Dringlichkeit niedrigschwelliger, gut erreichbarer Angebote für junge Menschen.
Prüfungsdruck und finanzielle Sorgen
Zwei Drittel (rund 67 Prozent) der Befragten fühlten sich von ihrem Studium ziemlich oder sehr gestresst. Der Wert ist im Vergleich zu den Vorjahren etwas gesunken. Zu den größten Stressoren zählen ein hoher Arbeitsaufwand, Prüfungsdruck, psychische Probleme und finanzielle Sorgen. Wohl auch ein Grund, dass sich rund 67 Prozent keine bis maximal eine Stunde pro Woche für mentale Gesundheit, etwa durch Reflexion, Meditation oder Beratung, nehmen.
"Wer zwischen Studium, Nebenjob und Alltagsstress kaum Ressourcen hat und gleichzeitig hohe Kosten trägt, schiebt den Schritt zur Hilfe oft lange auf", erklärte Bernadette Frech, CEO von Instahelp. Die Kostenübernahme klinisch-psychologischer Behandlung als Kassenleistung in Österreich ab 2026 sieht sie positiv.
Campus sicherer Ort
Durch die aktuellen Weltgeschehnisse wie Inflation und geopolitische Krisen fühlen sich mehr als die Hälfte der Studierenden in ihrer mentalen Gesundheit beeinträchtigt. Das Sicherheitsgefühl hinsichtlich Belästigung, Gewalt und Kriminalität am Campus ist mit 90 Prozent übrigens als hoch einzustufen. Der Großteil der Studierenden (90 Prozent) fühlt sich am Campus ihrer Hochschule sicher. Dennoch bietet Instahelp auf seiner App nun auch den Dienst eines "Critical Alerting", also eine Notfall-Push-Benachrichtigung, an, mit der Studierende in Gefahrenlagen durch die Hochschulen benachrichtigt werden können.
Mehrere österreichische Universitäten und Hochschulen bieten über die Plattform Instahelp und Studo einen Mental Health Chat für Studierende an.
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