Cardiac massage

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Wissen Gesundheit
07/11/2022

Prophylaxe: Wie man einen zweiten Schlaganfall verhindern kann

Jeder fünfte Betroffene erleidet einen zweiten "Insult". Mediziner geben Ratschläge, wie man sich schützen kann.

Jährlich erleiden rund 25.000 Menschen in Österreich einen Schlaganfall. Das bedeutet laut der österreichische Fachgesellschaft: alle 20 Minuten ein Schlaganfall. Doch bei dem ersten "Insult" bleibt es oft nicht. Binnen fünf Jahren erleiden fast 20 Prozent der Betroffenen einen zweiten.

Eine neue Empfehlung österreichischer, deutscher und Schweizer Experten soll helfen, das zu verhindern.

Analyse der Krankenkasse

"Erneute Schlaganfälle sind relativ häufig", schrieben jetzt die an der Ausarbeitung der neuen Leitlinie beteiligten deutschen, österreichischen und Schweizer Fachgesellschaften. Wie eine 2019 publizierte Analyse der Krankenkasse im deutschen Bundesland Niedersachsen ergeben hätte, beläuft sich das Risiko eines akuten ähnlichen Folgeereignisses nach einem ersten Schlaganfall auf 1,2 Prozent nach 30 Tagen, 3,4 Prozent nach 90 Tagen, 7,4 Prozent nach einem Jahr und 19,4 Prozent nach fünf Jahren.

"Demnach muss fast jeder Fünfte, der einen Schlaganfall erlitten hat, innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einem Folgeschlaganfall rechnen. Der Rezidivprophylaxe kommt somit eine besondere Bedeutung zu", erklärten die Fachleute, unter ihnen Stefan Greisenegger  von der Österreichischen Schlaganfallgesellschaft. Er arbeitet an der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien.

Die meisten Attacken im Gehirn

Die meisten Schlaganfälle sind sogenannte ischämische Ereignisse im Gehirn. Ein Blutgerinnsel verstopft dann ein Blutgefäß, was die Sauerstoffversorgung in dem versorgten Areal blockiert. Die Ursache sind beispielsweise Atherosklerose, besonders in der Halsschlagader, oder Thromben, die sich bei Vorhofflimmern zunächst im Herzen bilden und dann bis ins Gehirn gelangen.

Die sofortige Alarmierung eines Notarztes, anschließend schnellstmögliche Einlieferung in eine "Stroke Unit" und Beseitigung des Blutgerinnsels durch Medikamente (Thrombolyse) und/oder einen Kathetereingriff helfen. Damit wird der zurückbleibende Schaden im Gehirn verhindert oder verringert. Die größten Risikofaktoren für Schlaganfälle sind zu hoher Blutdruck, hohe Blutfettwerte, das Rauchen etc.

Niedriger Blutdruck

Deshalb stellt auch die gerade publizierte neue Leitlinie speziell auf die Kontrolle möglichst aller Risikofaktoren nach der Akutbehandlung eines ersten Schlaganfalls ab. Die Experten: "Der Blutdruck sollte nach einem Schlaganfall oder einer vorübergehenden ischämischen Attacke (früher umgangssprachlich "Schlagerl") langfristig unter 140/90 mm Hg (systolisch/diastolisch) gesenkt werden.

Je nach Alter der Betroffenen, Verträglichkeit der Blutdrucksenker und Vorerkrankungen ist sogar eine Senkung auf systolisch (während der Pumpphase des Herzens; Anm.) 120 bis 130 mm Hg zu erwägen."

Welche Medikamente bei der Kontrolle des Blutdruckes verwendet werden, ist weniger wichtig als das Erreichen der Zielwerte. Ein erheblicher Anteil der Menschen mit Hypertonie erreicht diese derzeit nicht. Deshalb wäre es umso wichtiger, bei Schlaganfallpatienten darauf zu schauen, dass das erfolgt.

Weniger Cholesterin

Auch für das Cholesterin gibt es Empfehlungen. "Als Zielwert der cholesterinsenkenden Therapie gilt ein LDL-C-Wert ("böses" LDL-Blutfett; Anm.) von unter 70 Milligramm pro Deziliter Blut. Alternativ kann eine Reduktion um mehr als 50 Prozent des Ausgangswerts erfolgen", stellten die Fachleute in einer Aussendung fest.

Etwas diffizil kann die nach Schlaganfällen per Medikament erfolgende Verringerung der Blutgerinnung sein. Hier werden vor allem Acetylsalicylsäure (ASS) sowie Substanzen wie Clopidogrel oder Ticagrelor empfohlen, welche die Zusammenballung von Blutplättchen zu Thromben verhindern. Bei bestimmten Patienten gibt es auch die Notwendigkeit einer medikamentösen "Blutverdünnung". Hier muss zwischen dem Nutzen und dem Blutungsrisiko abgewogen werden.

Informationen zum Lebensstil

Neben den direkten medizinischen Fakten widmet sich die Leitlinie auch dem Lebensstil der Betroffenen. "Für Betroffene sind insbesondere die Informationen zum Lebensstil von hoher Relevanz, da sie ihn selbst beeinflussen können", erklärte dazu Tobias Kurth, einer der federführenden Autoren von der Berliner Universitätsklinik Charite.

Die Leitlinie rate zu regelmäßiger körperlicher Aktivität. Der häufige Konsum von Obst und Gemüse oder einer mediterranen Diät senkten das Risiko eines Schlaganfallrezidivs und vaskulärer Folgeereignisse, dabei sollte der Salzkonsum reduziert werden. Betroffene sollten auf das Rauchen verzichten und den Alkoholkonsum reduzieren.

Diabetes und Schlafapnoe

Einem Diabetes mellitus als "gewichtigem" Risikofaktor für Schlaganfälle sollte möglichst vorgebeugt werden. Zuckerkranke sollten nach einem Schlaganfall in jedem Fall auf eine gute Blutzuckereinstellung achten. Nach einer Schlafapnoe als zusätzlichem Risikofaktor sollte gezielt gesucht werden. Allenfalls kann dann eine Behandlung mit Überdruckbeatmung (CPAP) in der Nacht erfolgen.

Schlaganfälle sind ein großes gesundheitliches Problem. Nach Herzkreislauferkrankungen und Krebserkrankungen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Österreich: Bei Frauen gehen rund 1,9 Prozent der Todesfälle auf einen Schlaganfall zurück, bei Männern sind es rund 1,4 Prozent.

Sterblichkeit drastisch abgenommen

Die Sterblichkeit durch Schlaganfall hat in den vergangenen dreißig Jahren drastisch abgenommen: Verstarben 1970 noch jährlich 258 von 100.000 Personen an den Folgen eines Schlaganfalles, sank die Mortalität bis zur Jahrtausendwende bereits um knapp 56 Prozent.

Hinzu kamen in den vergangenen Jahrzehnten die Etablierung von Spezialabteilungen in Krankenhäusern für die Akutversorgung (Stroke Units), die Thrombolyse und die Kathetereingriffe. Zwei Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren sind von einem Schlaganfall betroffen, im Altersbereich von 65 bis 74 Jahren sind es bereits sechs Prozent, bei den über 75-Jährigen mehr als zehn Prozent.

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