Schwarzer Hautkrebs: Diese Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen
Zusammenfassung
- Melanome sind gefährlich, können früh streuen und werden oft durch UV-Strahlung und Sonnenbrände verursacht – Vorsorge und Früherkennung sind entscheidend.
- Sonnenschutz, das Meiden direkter Sonne und regelmäßige Selbstkontrolle der Haut sind die wichtigsten Präventionsmaßnahmen, besonders für Risikogruppen.
- Weißer Hautkrebs ist sehr häufig, entsteht meist durch langjährige Sonnenbelastung und sollte bei auffälligen Hautveränderungen frühzeitig behandelt werden.
Die Influencerin Patrice Aminati lebt seit 2023 mit metastasiertem schwarzem Hautkrebs. In der ARD-Diskussionssendung „Hart aber fair“ sprach sie über Medikamente, die ihr Leben verlängern – und über Vorsorge, die für sie selbst zu spät kam. Das zeigt, wie wichtig es ist, über eine Krebsart zu sprechen, die oft mit einem kleinen Fleck beginnt, aber lebensgefährlich werden kann: das Melanom.
„Das Melanom ist noch immer eine gefährliche Erkrankung“, sagt Christoph Höller, Klinik für Dermatologie, MedUni Wien, AKH Wien. Zwar tritt schwarzer Hautkrebs am häufigsten bei Menschen über 50 auf, in der Gruppe unter 40 sei er absolut gesehen zum Glück nicht sehr häufig. Doch wenn jüngere Menschen daran erkranken, kann die Diagnose besonders schwer wiegen. Es gebe Daten, sagt Höller, die zeigen, dass das Melanom bei Menschen unter 40 zu jenen Tumoren zählt, die mit besonders vielen verlorenen Lebensjahren verbunden sind.
Ein Melanom kann früh streuen
Das Tückische am Melanom ist seine Fähigkeit, früh zu streuen. Schon ein relativ kleiner Tumor kann Zellen absiedeln – zunächst häufig über die Lymphbahnen und nahegelegene Lymphknoten, später auch in andere Organe. Wird ein Melanom früh erkannt, lässt es sich meist gut operieren, wird es zu spät entdeckt, wird die Behandlung schwieriger.
Der wichtigste Risikofaktor ist UV-Strahlung. „Das Melanom der Haut ist eine Erkrankung, die durch Sonnenbrände und UV-Einstrahlung bedingt ist“, sagt Höller. Besonders Sonnenbrände in der Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenalter fallen ins Gewicht. Aber auch jeder spätere Sonnenbrand erhöht das Risiko.
Höller sieht deshalb aktuelle Trends kritisch, in denen Sonnenschutz schlechtgeredet oder Bräune als gesund verkauft wird. „Für hellhäutige Menschen ist der Begriff der gesunden Bräune völliger Unsinn“, sagt er.
Bräune sei kein Zeichen von Gesundheit, sie entsteht, weil der Körper merkt, dass UV-Strahlung bereits Schaden an der Erbinformation der Hautzellen verursacht. Daraufhin werden die pigmentbildenden Zellen angeregt, Melanin zu produzieren. Die Haut dunkelt nach. Das klingt harmlos, ist aber eine Schutzreaktion.
Patrice Aminati lebt seit 2023 mit metastasiertem schwarzem Hautkrebs.
Wer sollte besonders vorsorgen?
Regelmäßige hautärztliche Vorsorge empfiehlt Höller vor allem Menschen mit bestimmten Risikofaktoren. Dazu gehören Personen mit sehr heller Haut, rötlichen Haaren und Sommersprossen, Menschen mit mehr als 50 Muttermalen, Personen mit Melanomfällen in der direkten Verwandtschaft und alle, die selbst bereits Hautkrebs hatten.
Eine jährliche Untersuchung der gesamten Bevölkerung ohne Risikofaktoren lasse sich allerdings nicht pauschal empfehlen, sagt Höller. Wichtiger sei es, aufmerksam zu bleiben – und bei auffälligen Veränderungen rasch zum Hautarzt oder zur Hautärztin zu gehen.
Die beste Prävention: Sonnenbrände vermeiden. Es geht nicht darum, nie mehr in die Sonne zu gehen, sondern UV-Strahlung vernünftig zu dosieren.
Die wichtigsten Sommerregeln:
- Zwischen 11 und 15 Uhr direkte Sonne meiden. Rund um den Sonnenhöchststand kommt ein Großteil der täglichen UV-Strahlung auf die Erde. Wer diese Stunden drinnen oder im Schatten verbringt, habe bereits viel erreicht, betont Dermatologe Höller.
- Danach kommt Kleidung: T-Shirt, Hut, Sonnenbrille, dichter Stoff.
- Und schließlich Sonnencreme. Sie ist wichtig, aber sie sollte nicht als Freibrief fürs stundenlange Braten verstanden werden. Für hellhäutige Menschen empfiehlt Höller Sonnenschutz mit mindestens SPF 30. Entscheidend ist aber auch die Menge: Viele cremen zu dünn und erreichen den Schutzfaktor auf der Packung gar nicht. Ein guter Richtwert in Sachen Cremen: Nach einer Woche Sommerurlaub sollte eine 200-Milliliter-Tube Sonnencreme leer sein.
Höller: „Die EU empfiehlt zwei Milligramm pro Quadratzentimeter. Auf die gesamte Hautoberfläche hochgerechnet entspricht dies der Menge von sechs Teelöffeln: einer für das Gesicht, einer für die Arme, einer für Brust und Bauch, einer für den Rücken sowie je einer für jedes Bein.“
Weitere Tipps und Informationen finden sich hier.
Hautveränderungen beobachten
Die wichtigste Regel lautet: Was neu kommt, wächst oder sich verändert, sollte angeschaut werden. Verdächtig sind pigmentierte Hautveränderungen, die plötzlich auftreten, an Größe zunehmen oder deutlich anders aussehen als bisher. Ebenso mehrere Farben in einem Muttermal, eine Größe von über einem Zentimeter, Nässen, Bluten oder Aufgehen sind Warnzeichen.
Auch Erhabenheit kann auffallen. Aminati hatte beschrieben, dass sie eine leichte Erhebung gespürt habe. Höller dazu: Viele Melanome wachsen anfangs flach, können später aber erhaben werden. Manche wachsen von Beginn an knotig. Entscheidend ist daher nicht nur, wie ein Fleck aussieht, sondern ob er sich verändert.
Der Blick von außen kann hilfreich sein. Viele Hautstellen – Rücken, Nacken, Kopfhaut, Rückseite der Beine – sieht man selbst schlecht. Partner, Partnerin oder Familie können helfen, auffällige Veränderungen zu entdecken.
Wenn ein verdächtiger Fleck bei der dermatologischen Untersuchung gefunden wird, wird er meist in lokaler Betäubung entfernt und im Labor untersucht. Dann zeigt sich, ob es tatsächlich ein Melanom ist – und wie tief es bereits in die Haut gewachsen ist. Davon hängt das weitere Vorgehen ab. Häufig wird mit einem Sicherheitsabstand nachoperiert. In manchen Fällen wird auch ein nahegelegener Lymphknoten entnommen, um zu prüfen, ob dort bereits Tumorzellen angekommen sind.
Ist das Melanom weiter fortgeschritten oder haben sich Metastasen gebildet, kommen heute moderne Therapien zum Einsatz. Die wichtigste ist laut Höller die Immuntherapie. Sie greift den Tumor nicht direkt an, sondern hilft dem körpereigenen Immunsystem, Krebszellen besser zu erkennen und zu attackieren. Daneben gibt es bei bestimmten genetischen Veränderungen im Tumor gezielte Medikamente.
Gerade beim metastasierten Melanom hat sich die Behandlung stark verändert. Vor rund 15 Jahren standen im fortgeschrittenen Stadium im Wesentlichen Chemotherapien zur Verfügung. Die Aussichten waren schlecht. Heute leben laut Höller von den Patientinnen und Patienten mit inoperablem, metastasiertem Melanom nach zehn Jahren mehr als die Hälfte noch. Bei einem Teil gelingt es sogar, den Tumor vollständig zurückzudrängen.
Das ist eine medizinische Erfolgsgeschichte, aber keine Entwarnung. Denn trotz aller Fortschritte gibt es weiterhin Menschen, bei denen die Krankheit nicht gestoppt werden kann. Deshalb lautet die wichtigste Botschaft schlicht: Sonnenbrände sind kein Souvenir. Und eine Hautveränderung, die neu ist oder wächst, sollte man rasch anschauen lassen.
Weißer Hautkrebs klingt harmloser als schwarzer Hautkrebs. Das ist er oft auch – aber nicht immer. Vor allem ist er sehr häufig. „Es gibt keinen Tumor beim Menschen, der häufiger diagnostiziert wird als weißer Hautkrebs“, sagt der Wiener Dermatologe Rainer Kunstfeld, MedUni Wien, AKH Wien. Brustkrebs, Prostatakrebs und Darmkrebs zusammen kämen in der Häufigkeit nicht an ihn heran.
Der entscheidende Auslöser ist auch hier UV-Licht. Anders als beim Melanom, bei dem vor allem Sonnenbrände eine große Rolle spielen, geht es beim weißen Hautkrebs stärker um die Summe der Sonnenbelastung über viele Jahre. Typisch sind daher jene Körperstellen, die immer wieder Licht abbekommen: Gesicht, Stirn, unbehaarte Kopfhaut, Nasenrücken, Wangen, Ohren, Dekolleté, Handrücken und Arme.
Die zwei wichtigsten Formen sind das Basaliom und das Plattenepithelkarzinom. Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms sind die aktinischen Keratosen – raue, oft rötliche oder schuppige Stellen auf lichtgeschädigter Haut.
Das Basaliom dagegen beginnt meist direkt als Basaliom. Typisch ist ein kleines, hautfarbenes oder weißliches Knötchen mit glatter Oberfläche. Es kann wenige Millimeter groß sein, aber auch deutlich wachsen. Besteht es länger, kann es in der Mitte einsinken und einen kleinen Krater bilden. Manche Formen sehen allerdings eher aus wie Narben und sind deshalb besonders tückisch.
Der Vorteil: Weißer Hautkrebs liegt sichtbar an der Haut. Der Nachteil: Er sitzt oft genau dort, wo eine chirurgische Entfernung heikel ist – an Nase, Augen, Mund oder Ohren.
Die wichtigste Regel ist daher dieselbe wie beim Melanom: früh anschauen lassen. Je kleiner eine Veränderung ist, desto einfacher lässt sie sich behandeln. Möglich sind – je nach Form und Stadium – Vereisung mit flüssigem Stickstoff, spezielle Cremen, die eine gezielte Immunreaktion auslösen, oder die chirurgische Entfernung. Diese gilt häufig als Goldstandard, ist aber nicht an jeder Stelle gleich einfach.
Kunstfelds Botschaft ist klar: Keine Panik, aber auch kein Wegschauen. Früherkennung ist auch hier wichtig. Wenn auf sonnengeschädigter Haut eine Stelle rau wird, nicht heilt, wächst, blutet, krustet oder als neues Knötchen auffällt, gehört sie zur Hautärztin oder zum Hautarzt.
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