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Wissen Gesundheit
02/05/2022

Patentfreier Corona-Impfstoff aus Afrika ist auf Schiene

Die Weltgesundheitsorganisation hofft trotzdem auf die Zusammenarbeit mit Moderna bzw. Biontech/Pfizer.

Die gro√üe Kluft zwischen globalem Norden und globalem S√ľden erschwert den Kampf gegen die Pandemie. W√§hrend in europ√§ischen L√§ndern etwa bereits √ľber den vierten Stich diskutiert wird, fehlt es in vielen L√§ndern Afrikas an den n√∂tigsten Schutzma√ünahmen vor der Ausbreitung der Corona-Viren.

Nun kommt das schon l√§nger geplante Projekt f√ľr einen patentfreien Impfstoff aus Afrika besser voran als erwartet, berichtet Weltgesundheitsorganisation. Das von der WHO ausgew√§hlte Forschungs- und Fertigungszentrum in S√ľdafrika habe innerhalb weniger Wochen einen Impfstoffkandidaten auf Basis der neuartigen mRNA-Technologie produziert.

Keine Unterst√ľtzung von Biotechfirmen

Dies sei ohne Unterst√ľtzung der Biotechfirmen gelungen, die mRNA-Corona-Impfstoffe herstellen, aber die Zusammenarbeit bisher ablehnen, sagte Martin Friede, WHO-Koordinator f√ľr Impfforschung. Als Hub hatte die WHO im Juni 2021 das Biotechnologieunternehmen Afrigen Biologics and Vaccines in Kapstadt ausgew√§hlt. Tests mit dem Impfstoffkandidaten k√∂nnten im Herbst beginnen.

Keine Patentverletzung

Die WHO betont, dass das Labor √∂ffentlich zug√§ngliche Technologien verwendet und keine Patente verletzt. Die Technologie soll Firmen in anderen √§rmeren L√§ndern zur Verf√ľgung gestellt werden. Das Labor bildet auch Personal aus. Noch im Februar sollen weitere L√§nder genannt werden, in denen produziert werden soll. Argentinien und Brasilien stehen als Standorte bereits fest.

Ohne Unterst√ľtzung drei Jahre Entwicklung

Die WHO rief Biotechfirmen erneut zur Beteiligung an dem Projekt auf. Dadurch k√∂nne viel Zeit bei den klinischen Studien gespart werden. Mit ihrer Unterst√ľtzung sei die Entwicklung eines Impfstoffs in zw√∂lf bis 18 Monaten denkbar, andernfalls dauere es drei Jahre. Friede nannte konkret den US-Hersteller Moderna und das Mainzer Unternehmen Biontech sowie dessen Partner Pfizer. Es arbeiteten aber inzwischen rund zwanzig weitere Unternehmen - etwa in China, Taiwan und Indien - an mRNA-Impfstoffen.

Bonus f√ľr alle Beteiligten

Auch diese Biotechfirmen k√∂nnten von der Ausbildung von Spezialisten bei Afrigen profitieren, wenn sie Lizenzvereinbarungen zur Produktion ihrer Impfstoffe mit Laboren in √§rmeren L√§ndern schlie√üen, sagte Charles Gore, Exekutivdirektor des Medicine Patent Pool. Die von den UN gegr√ľndete Initiative handelt Patentlizenzvereinbarungen mit Pharmaunternehmen aus und b√ľndelt sie, damit sie f√ľr Generikahersteller leichter zug√§nglich sind.

Nur reiche Länder sind gut mit Impfstoff versorgt

Das Afrigen-Projekt soll die Versorgung √§rmerer L√§nder mit Impfstoffen revolutionieren, sagte WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan. Die ersten Corona-Impfstoffe seien in reichen L√§ndern entwickelt und hergestellt worden. "Es gab so viel Hoffnung, als die Impfstoffe kamen - aber dann haben wir das Ph√§nomen des Impfstoff-Horten gesehen, und reiche L√§nder haben sich f√ľr Milliarden Dollar Vorkaufsrechte f√ľr Impfstoff gesichert." √Ąrmere L√§nder seien monatelang fast leer ausgegangen. Die WHO habe erkannt, dass das Problem nur gel√∂st werden k√∂nne, wenn dort selbst produziert werde.

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