Schlafzimmer: Ist das die optimale Raumtemperatur für Senioren?
Symbolbild
Für guten Schlaf gilt: Rund 18 Grad im Schlafzimmer sind ideal. Das betonen Schlafforscherinnen und Schlafforscher immer wieder.
Australische Fachleute nennen nun allerdings eine ganz andere Zahl: Einer neuen Studie zufolge schützt eine Schlafzimmertemperatur von 24 Grad Celsius das Herz älterer Erwachsener nachts.
"Bei Menschen ab 65 senkt eine Schlafzimmertemperatur von 24 Grad in der Nacht die Wahrscheinlichkeit für Stressreaktionen im Schlaf", wird Studienleiter Fergus O'Connor von der Griffith University in einer Aussendung zitiert.
Die Teilnehmenden trugen Aktivitätsarmbänder am Handgelenk. Temperatursensoren überwachten die Schlafzimmerwerte während des Erhebungszeitraums im australischen Sommer.
Über 24 Grad im Schlafzimmer gingen in der Erhebung häufiger mit erhöhter Herzfrequenz und körperlichem Stress einher. Je wärmer es war, desto stärker die Effekte.
Arbeitet das Herz länger und intensiver, setzt Stressreaktion ein
Ist der menschliche Körper Hitze ausgesetzt, besteht seine normale physiologische Reaktion darin, die Herzfrequenz zu erhöhen. O'Connor erklärt: "Das Herz arbeitet stärker, um Blut zur Haut zu pumpen und sie zu kühlen." Arbeitet das Herz länger und intensiver, setzt eine Stressreaktion ein. Sie bremst die Erholung.
Die Daten liefern erstmals einen Beleg dafür, dass höhere Schlafzimmertemperaturen Herzfrequenz und Stress steigern, heißt es im Fachblatt BMC Medicine.
"Man weiß seit Jahrzehnten, dass die Außentemperatur die Schlafqualität stark beeinflusst", sagt Schlafforscherin Birgit Högl von der MedUni Innsbruck. Es gebe eine ganze Reihe von Studien, "die belegen, dass Menschen bei Hitze schlechter schlafen als bei Kälte".
Hintergrund sei, dass der Körper nachts seine Körperkerntemperatur senken muss, um sich gut zu regenerieren. Auch gutes Einschlafen ist daran gekoppelt. "Das funktioniert nur, wenn der Körper Wärme an die Umgebung abgeben kann, vor allem über die Hände und Füße." Ist die Außentemperatur zu hoch, gelingt das nicht – der Schlaf leidet. "Daher kommt die Empfehlung, dass das Schlafzimmer in etwa 18 Grad haben sollte", erläutert Högl.
24 Grad wären "viel zu warm"
Die Aussagekraft der aktuellen Studie sei aufgrund der kleinen Stichprobe und der wenigen Messwerte eingeschränkt, füge sich aber grundsätzlich "gut in das Bild ein, dass eine zu warme Umgebungstemperatur nachts nicht förderlich ist, auch in Bezug auf die Herzfunktion".
Aus den erhobenen Daten könne man aber "nicht ableiten, dass 24 Grad eine ideale Schlaftemperatur ist", sagt Högl. Im Gegenteil: "Für ganz viele – auch ältere – Menschen wären 24 Grad viel zu warm."
Dass in der Studie mit der Temperaturzahl 24 argumentiert wird, hänge wohl eher damit zusammen, "dass diese Temperatur als untere Messlatte unter den realen Bedingungen im australischen Sommer herstellbar war in den Räumen", so Högl.
Relevant seien die Erkenntnisse insbesondere im Kontext der globalen Erderwärmung, fasst Studienautor O'Connor jedenfalls zusammen: "Der Klimawandel führt zu einer Zunahme heißer Nächte, was unabhängig davon zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit beitragen kann, indem es den Schlaf und die autonome Erholung beeinträchtigt."
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