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Österreichische Blutspender oft mit Hepatitis E-Antikörpern

Untersuchung an 4.900 Tiroler Spendern, 19 Prozent hatten Virushepatitis gehabt.
Eine behandschuhte Hand hält ein Röhrchen mit Blutprobe, beschriftet mit „Hepatitis A“, im Laborumfeld.

Ein erheblicher Teil der Blutspender in Österreich dürfte zuvor mit dem Hepatitis E-Virus (HEV) in Kontakt gekommen sein, ein gewisser Teil an einer akuten Infektion leiden. Das hat jetzt eine Studie mit 4.867 Blutspendern in Tirol und einen Nachweis von Hepatitis E-IgG-Antikörpern von knapp 20 Prozent gezeigt. Verpflichtende Virustests könnten laut den Wissenschaftern angezeigt sein.

An oberster Stelle der Verhinderung der Übertragung von viraler Hepatitis (auch) über Blut und Blutprodukte sind in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die Hepatitis B und die Hepatitis C gestanden. Dies vor allem, weil sie oft chronisch werden und schließlich fortschreitende Leberschäden mit Zirrhose oder auch Leberkarzinome auslösen können. Deshalb werden Blutspenden längst auch auf diese möglichen Belastungen untersucht.

Hepatitis E bisher im Hintergrund

Die Hepatitis E blieb bisher quasi "unauffälliger". Lisa Seekircher vom Institut für Klinische Epidemiologie der MedUni Innsbruck und ihre Co-Autoren in der jetzt im "Journal of Medical Virology" erschienenen Arbeit: "Das Hepatitis E-Virus (HEV) ist weltweit eine führende Ursache von akuter Virus-Hepatitis mit geschätzten 19,47 Millionen Fällen (jährlich; Anm.). Zumeist verlaufen die Infektionen ohne Symptome oder bestehen aus einer selbst-limitierenden, milden Krankheit. Im Vergleich zu Hepatitis B und C wird die HEV-Infektion seltener zu einer chronischen Lebererkrankung oder verläuft akut schwer. Trotzdem kann sie eine hohe Mortalität bei Ungeborenen und Schwangeren verursachen. Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind durch Chronifizierung mit schweren Komplikationen gefährdet." Um solche speziell gefährdeten Personengruppen zu schützen, seien bereits Impfstoffe entwickelt worden. Derzeit gebe es aber nur eine in China und Pakistan zugelassene Vakzine. Auch antivirale Medikamente gegen die Hepatitis E seien beispielsweise in der EU nicht zugelassen.

Eine gewisse Gefährdung durch HEV ist demnach möglich. "Es könnte ein Risiko der Übertragung des Hepatitis E-Virus (HEV) über Bluttransfusionen geben. Jedoch ist ein Screening von Blutspendern auf HEV in Österreich nicht verpflichtend", stellten Lisa Seekircher und ihre Co-Autoren fest.

0,27 Prozent mit akuter Infektion

Um das im Detail aufzuklären, bestimmten die Wissenschafter die Häufigkeit von Anti-HEV-Antikörpern bei Blutspendern in Tirol. Das erfolgte zwischen Mai und Juli 2022. Insgesamt wurden 4.867 Blutspender in die Untersuchung aufgenommen. Sie waren im Alter zwischen 18 und 70 Jahren. Die untersuchten Blutspenden stammten von 38 Blutspendeaktionen in dem Bundesland. Gemessen wurden IgG-Antikörper als längerfristige Immunantwort auf einen Kontakt mit HEV sowie auch das eventuelle Vorhandensein von IgM-Antikörpern. IgM-Antikörper werden vom Immunsystem als erste Abwehrreaktion auf eine akute Infektion gebildet. "Der Nachweis von HEV-Antikörpern vom Typ IgM stellt einen Hinweis auf eine akute HEV-Infektion dar", heißt es dazu auf gesundheit.gv.at. IgM-Antikörper im Rahmen von Virusinfektionen verschwinden wieder, während IgG-Antikörper erst zwei, drei Wochen nach der Infektion im Blut auftauchen und langfristig nachweisbar sind.

Die Wissenschafter stießen bei ihren Tests jedenfalls auch auf akute HEV-Infektionen. "Anti-HEV IgM (akute Infektion; Anm.) wurde bei 13 Personen entdeckt, was eine Häufigkeit von 0,27 Prozent ausmacht. Die Seroprävalenz (Häufigkeit des Vorhandenseins von Antikörpern; Anm.) von Anti-HEV IgG betrug insgesamt 19,26 Prozent. Männer in dem Kreis der Probanden mit einem insgesamt mittleren Alter von 46 Jahren hatten um 19 Prozent öfter eine HEV-Infektion überstanden als Männer (IgG-Antikörper), die Häufigkeit erhöhte sich mit jeweils zehn Jahren höherem Alter in der untersuchten Blutspendergruppe um den Faktor 2,15. Menschen aus städtischen Regionen wiesen 21 Prozent öfter HEV IgG-Antikörper auf als Personen aus ländlichen Regionen. In der Altersgruppe der 65- bis 70-Jährigen wurde die größte Häufigkeit beim Nachweis von IgG-Antikörpern gegen das Hepatitis Virus E registriert: 47,92 Prozent.

Die Schlussfolgerung der Wissenschafter: "Hepatitis E ist in Österreich weit verbreitet. Die Einführung eines verpflichtenden Routinetests auf HEV-Erbsubstanz sollte für Blutspenden überlegt werden, um die Sicherheit bei Bluttransfusionen zu erhöhen." Damit könnte die Weiterverbreitung von HEV via Blutspenden verhindert werden.

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