Mette-Marit: Wie lebt man nach einer Lungentransplantation?
Zusammenfassung
- Kronprinzessin Mette-Marit hat nach schwerer Lungenfibrose erfolgreich eine neue Lunge erhalten, eine Transplantation gilt bei schweren Lungenerkrankungen oft als letzte Therapieoption.
- Nach einer Lungentransplantation kann sich die Lebensqualität deutlich verbessern, in Einzelfällen sogar bis zu extremen körperlichen Leistungen wie dem Aconcagua-Aufstieg eines transplantierten Patienten ohne Sauerstoff.
- Entscheidend für den langfristigen Erfolg sind lebenslange Nachsorge, korrekt eingestellte Immunsuppression, Infektionsschutz sowie regelmäßige Kontrollen von Lungenfunktion und Gesundheit.
Kronprinzessin Mette-Marit hat nach ihrer schweren Lungenfibrose eine neue Lunge erhalten. Das norwegische Königshaus teilte mit, dass der Eingriff erfolgreich verlaufen sei.
Eine Lungentransplantation ist oft die letzte Therapieoption bei schweren Lungenerkrankungen wie Lungenfibrose, COPD, Mukoviszidose oder pulmonaler Hypertonie. Danach beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der medizinisch streng überwacht werden muss. Die gute Nachricht: Nach einer Lungentransplantation erhöht sich die Lebensqualität deutlich.
Aktuelle Studie der MedUni Wien: Auf den Berg
Wie viel nach einer Lungentransplantation möglich ist, zeigt eine aktuelle Studie unter Beteiligung der MedUni Wien. Ein 51-jähriger Mann, der 2002 am AKH Wien wegen Mukoviszidose lungentransplantiert worden war, erreichte im Jänner 2026 den Gipfel des Aconcagua in Argentinien – 6.961 Meter, ohne zusätzlichen Sauerstoff. Das ist die bislang höchste berichtete Höhe, die ein lungentransplantierter Mensch ohne Sauerstoff erreichte.
Das ist nicht für alle Patienten möglich. An der Expedition nahmen streng ausgewählte, intensiv vorbereitete und medizinisch überwachte transplantierte Personen teil. Vorher gab es Lungenfunktions- und Belastungstests, mehr als 200 Stunden hypoxisches Training, also Anpassung an sauerstoffärmere Luft, und während des Aufstiegs laufendes Monitoring.
„Die Beobachtungen zeigen, dass transplantierte Lungen unter kontrollierten Bedingungen und sorgfältiger medizinischer Betreuung auch bei extremer Sauerstoffarmut funktionell anpassungsfähig bleiben können“, so Jakob Mühlbacher von der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie der MedUni Wien, der die Expedition bis auf den Gipfel begleitet hat. Auf alle Patienten sei das aber nicht übertragbar.
Die neue Lunge braucht lebenslange Nachsorge
Doch was passiert unmittelbar nach diesem Eingriff? Nach der Operation folgt ein längerer Aufenthalt auf der Intensivstation, anschließend kommt es zur Stabilisierung, später erfolgt eine Reha und Schulung. Die Betroffenen lernen dann, Medikamente korrekt einzunehmen, Warnzeichen zu erkennen, Infektionen zu vermeiden und ihre Lungenfunktion zu kontrollieren.
Laut der aktuellen D-A-CH-S3-Leitlinie sind in puncto Nachsorge mehrere Aspekte wichtig: Funktioniert die neue Lunge gut? Gibt es Hinweise auf eine Abstoßung? Entwickelt sich eine Infektion? Sind die Spiegel der Immunsuppressiva richtig eingestellt? Werden Niere, Knochen, Blutzucker, Haut und Herz-Kreislauf-System durch Medikamente oder Begleiterkrankungen belastet? Gerade am Anfang sind die Kontrollen engmaschig, später werden die Abstände größer, die Nachsorge bleibt aber lebenslang.
Warum Medikamente so entscheidend sind
Nach einer Lungentransplantation müssen Patientinnen und Patienten dauerhaft immunsuppressive Medikamente einnehmen. Diese bremsen das Immunsystem, damit es die neue Lunge nicht abstößt. Meist handelt es sich um eine Kombination mehrerer Wirkstoffe.
Sind die Spiegel zu niedrig, steigt das Risiko einer Abstoßung, sind sie zu hoch, drohen Infektionen und Nebenwirkungen, etwa an den Nieren, im Stoffwechsel, an den Knochen oder der Haut. Deshalb werden die Blutwerte und Medikamentenspiegel regelmäßig kontrolliert.
Die Patienten sollten keine neuen Medikamente auf eigene Faust einnehmen, das gilt nicht nur für Antibiotika oder Schmerzmittel, sondern auch für pflanzliche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel und vermeintlich harmlose Hausmittel. Manche Substanzen können die Wirkung von Immunsuppressiva verändern, der Konsum von Grapefruits kann bei bestimmten Wirkstoffen ebenfalls problematisch sein.
Infektionen sind eine der größten Gefahren
Das Immunsystem ist durch die Medikamente gedämpft, deshalb sind Infektionen nach einer Lungentransplantation unbedingt ernst zu nehmen. Auf Hygiene achten: Hände waschen, Abstand zu akut Kranken halten, in Arztpraxen oder Kliniken Maske tragen, bei Grippe- oder COVID-Wellen große Menschenansammlungen eher meiden. Bei Fieber, zunehmendem Husten, Atemnot, ungewohnter Erschöpfung oder sinkenden Lungenfunktionswerten sollte nicht abgewartet werden.
Die Lungenfunktion wird zum Frühwarnsystem
Ein zentrales Instrument der Nachsorge ist die regelmäßige Spirometrie, sie hilft zu erkennen, wie viel Luft innerhalb einer Sekunde ausgeatmet werden kann. Das hilft, Verschlechterungen früher zu erkennen, bevor Betroffene Beschwerden spüren. Viele Patientinnen und Patienten nutzen zusätzlich ein Heimspirometer, so können sie ihre Werte zu Hause kontrollieren.
Chronisches Transplantatversagen, abgekürzt CLAD, gehört zu den wichtigsten Langzeitproblemen nach Lungentransplantation. Dabei verliert die neue Lunge nach und nach an Funktion, deshalb gilt: Je früher Veränderungen erkannt werden, desto eher kann gegengesteuert werden.
Impfungen: wichtig, aber nicht alle sind erlaubt
Impfungen sind nach Lungentransplantationen ein wesentlicher Teil des Schutzes vor Infektionen. Totimpfstoffe, inaktivierte Impfstoffe und mRNA-Impfstoffe können eingesetzt werden, auch wenn die Immunantwort wegen der Medikamente schwächer ausfallen kann. Dazu zählen etwa Impfungen gegen Influenza, COVID-19 oder Pneumokokken.
Lebendimpfstoffe sind nach der Transplantation hingegen kontraindiziert, das betrifft etwa Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln, Gelbfieber oder bestimmte Varizellen-Impfstoffe.
Die Rolle der Ernährung
Auch bestimmte Lebensmittel sind riskant. Die Leitlinie empfiehlt, rohes Fleisch, rohen Fisch und nicht pasteurisierte Milchprodukte zu meiden. Auf Küchenhygiene achten: Fleisch und Fisch gut durchbraten, Eier nicht roh essen, Speisen gut kühlen, Schneidbretter und Messer sauber trennen.
Nach einer Lungentransplantation sollte man auf keinen Fall rauchen. Auch Passivrauch oder Dampfen sollten vermieden werden. Hautkontrollen sind ebenfalls wichtig, weil die Immunsuppression das Risiko für bestimmte Hauttumoren erhöhen kann.
Wieviel Bewegung?
Reha, Atemübungen und Muskelaufbau beginnen bereits früh. Bewegung hilft, Kraft, Ausdauer und das Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Spazierengehen, Radfahren, Walking, Wandern oder moderates Ausdauertraining können – nach ärztlicher Freigabe – Teil des neuen Alltags werden. Die Aconcagua-Studie der MedUni Wien zeigt, was in Einzelfällen möglich ist. Für die meisten Betroffenen ist das Ziel aber nicht der höchste Berg Amerikas, sondern der Weg zurück in ein normales Leben.
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