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Mental Health: Der heilsame Weg: Warum Pilgern besser wirkt als Strandurlaub

Der Jakobsweg verändert die Psyche messbar und nachhaltig. Eine Langzeitstudie mit 444 Pilgern zeigt: Wer nach Santiago pilgert, leidet drei Monate später weniger unter Stress und Depression als nach einem normalen Urlaub.
Wanderer mit rotem Rucksack geht auf einem Waldweg am Jakobsweg-Schild vorbei.

Pilgern hilft gegen Depression und Stress – und zwar deutlich mehr als ein gewöhnlicher Urlaub. Das ist das Ergebnis der Ultreya Studie, die erstmals wissenschaftlich belegt, was Pilger seit Jahrhunderten berichten: Der Jakobsweg verändert die Psyche nachhaltig. Zwischen Juli 2017 und Januar 2020 untersuchte ein Forschungsteam um Albert Feliu Soler von der Autonomen Universität Barcelona 444 Jakobsweg-Pilger und verglich sie mit 100 Normal-Urlaubern. Das Ziel: Herauszufinden, ob der Camino de Santiago messbare Effekte auf die psychische Gesundheit hat – und ob diese über einen Standard-Urlaub hinausgehen. Die Methode war simpel, aber aussagekräftig: Die Teilnehmer füllten anonyme Online-Fragebögen aus – vor der Reise, direkt danach und drei Monate später. Fast die Hälfte der Pilger war auf dem Französischen Weg unterwegs. 

Mehr Lebensfreude

Das Ergebnis ist eindeutig: Emotionales Unwohlsein sank, Stress nahm ab, die Lebenszufriedenheit stieg signifikant. Und zwar nicht nur unmittelbar nach der Pilgerreise, sondern auch drei Monate später. Die Effekte waren nachhaltig. Der Vergleich mit der Kontrollgruppe macht den Unterschied deutlich: Wer den Jakobsweg ging, profitierte in fast allen gemessenen Variablen deutlich mehr als jene, die einen normalen Urlaub verbrachten. Die Studie liefert damit erstmals Daten für das, was viele Rückkehrer als „therapeutische Erfahrung“ beschreiben. 
Dabei Forscher vermuten ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Raus aus dem Alltag, rein in die Natur. Körperliche Anstrengung über Tage oder Wochen. Begegnungen mit anderen Pilgern. Und: Die Studie wies nach, dass die Achtsamkeit der Teilnehmer – die bewusste Wahrnehmung des Moments – nach der Pilgerreise messbar zunahm. Auch die Sinnforscherin Tatjana Schnell hat die psychologischen Effekte des Pilgerns untersucht. Sie erklärt die Wirkung mit mehreren Mechanismen: „Reizentzug und repetitive, monotone Bewegungen tragen dazu bei, dass wir in einen nicht-alltäglichen Bewusstseinszustand geraten; man könnte es auch als Trance bezeichnen. 
Beim Gehen über lange Strecken kommt unser Gehirn so in einen anderen Arbeitsmodus. Gedanken können sich ordnen, neue Zusammenhänge entstehen.“ 

Warum der Weg wirkt

Was den Jakobsweg vom gewöhnlichen Weitwandern unterscheidet, ist laut Schnell die symbolische Aufladung: „Viele tragen die Jakobsmuschel als Zeichen, legen einen Stein am Cruz de Ferro ab, empfangen den Pilgersegen entlang des Wegs... All das hat die Kraft, in einer Ausnahmesituation, wie es das Pilgern ist, existenziell zu berühren.“ Das erkläre, warum viele Pilgernde von gestiegener Sinnerfüllung und größerer Klarheit berichten. Ob man alleine oder in Gesellschaft geht bleibt dem Pilger selbst überlassen: „Es kann sinnvoll sein, sich darauf einzulassen, über längere Strecken allein zu gehen. Auf die Gemeinschaftserfahrung muss ohnehin niemand verzichten, denn spätestens am Abend treffen Pilgernde in den Herbergen immer wieder aufeinander.“ 
Was jahrhundertelang nur Erfahrungswissen war, ist nun belegt: Der Jakobsweg ist mehr als Wandern. Er ist eine Intervention, die psychisches Wohlbefinden nachweislich verbessert – kurzfristig und mittelfristig. Die 2024 im „Journal of Happiness Studies“ veröffentlichte Ultreya Studie gilt als Pionierprojekt und könnte auch für therapeutische Ansätze bei Burnout oder leichten Depressionen relevant werden.

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