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Warum man Medikamente nicht mit jedem Wasser einnehmen sollte

Tablette, Schluck Wasser, fertig? Meistens ja. Doch eine neue Studie zeigt: Bei bestimmten Medikamenten kann es eine Rolle spielen, womit man sie einnimmt.
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Zusammenfassung

  • Alkalische Mineral- und Heilwässer können die Schutzschicht magensaftresistenter Medikamente schwächen, wenn diese vor dem Schlucken darin liegen.
  • Viele Fachinformationen geben keine klaren Empfehlungen, mit welcher Flüssigkeit magensaftresistente Medikamente eingenommen werden sollen.
  • Empfohlen wird, solche Medikamente mit Leitungswasser einzunehmen und Kapseln oder Tabletten nicht eigenmächtig zu öffnen oder zu zerkleinern.

Viele Menschen nehmen Medikamente mit Leitungswasser, Mineralwasser, Tee, Saft oder Kaffee ein. Meist ist das kein großes Problem. Bei bestimmten Arzneien kann die Flüssigkeit aber durchaus wichtig sein. Eine neue Studie der Semmelweis Universität zeigt: Vor allem alkalische Mineral- und Heilwässer können die Schutzschicht sogenannter magensaftresistenter Medikamente schwächen, wenn diese vor dem Schlucken eine Zeit lang in der Flüssigkeit liegen.

Was sind magensaftresistente Medikamente?

Magensaftresistente Medikamente sind so gebaut, dass sie den sauren Magen möglichst unbeschadet passieren. Der Wirkstoff soll also nicht schon im Magen, sondern erst später im Darm freigesetzt werden. Dafür haben Tabletten, Kapseln oder kleine Kügelchen im Inneren einer Kapsel eine spezielle Schutzschicht.

Das ist zum Beispiel wichtig, wenn ein Wirkstoff durch Magensäure zerstört werden könnte – oder wenn der Magen vor dem Wirkstoff geschützt werden soll. Die Beschichtung ist daher kein technisches Detail, sondern Teil der Arzneiwirkung.

So erkennt man magensaftresistente Medikamente: Hinweise stehen meist auf der Packung oder in der Packungsbeilage. Typische Begriffe sind: "magensaftresistent, enterisch beschichtet, gastro-resistent, verzögerte Freisetzung, Pellets, Kügelchen nicht zerbeißen, Kapsel nicht öffnen oder Tablette nicht zerkauen".

Auch Abkürzungen wie „retard“ oder Hinweise auf eine besondere Freisetzung sollten ernst genommen werden. Sie bedeuten nicht immer dasselbe wie magensaftresistent, zeigen aber: Diese Arzneiform ist bewusst so konstruiert und sollte nicht eigenmächtig verändert, geöffnet, geteilt oder vor dem Schlucken in Flüssigkeit gegeben werden. 

Bei Schluckproblemen ist die Apotheke die richtige erste Anlaufstelle. Dort lässt sich klären, ob es denselben Wirkstoff als Tropfen, Saft, kleinere Tablette oder eine andere geeignete Arzneiform gibt.

Einfach nur Flüssigkeit?

Die Forschenden prüften zunächst 103 Fachinformationen zu magensaftresistenten Arzneimitteln. Dabei zeigte sich: Oft ist nicht genau angegeben, mit welcher Flüssigkeit solche Medikamente eingenommen werden sollen. In 42 Fällen wurde das Getränk gar nicht näher beschrieben, in weiteren 31 war nur allgemein von „Flüssigkeit“ die Rede. Nur neun Fachinformationen nannten konkret geeignete Flüssigkeiten, etwa Wasser, Apfelsaft, leicht saure Flüssigkeiten oder Joghurt.

Danach testete das Team im Labor, was passiert, wenn magensaftresistente Pellets vor der Einnahme in verschiedenen Getränken liegen. Untersucht wurden unter anderem Leitungswasser, gefiltertes Wasser, Apfelsaft sowie verschiedene Mineral- und Heilwässer.

Das Ergebnis: Besonders alkalische Mineral- und Heilwässer konnten die Schutzschicht der Pellets angreifen. Je länger die Pellets vor dem Schlucken in solchen Flüssigkeiten lagen, desto eher wurde der Wirkstoff zu früh freigesetzt. Bei Leitungswasser und gefiltertem Wasser war dieser Effekt deutlich geringer, bei Apfelsaft blieb die Freisetzung in einem Teil der Tests besonders niedrig.

Magen wird stärker belastet

Im Alltag betrifft das vor allem Menschen, die Medikamente nicht gut schlucken können. Dann werden Kapseln geöffnet, Tabletten geteilt oder kleine Kügelchen in Flüssigkeit eingerührt. Genau dabei kann es heikel werden.

Denn wenn eine magensaftresistente Schutzschicht schon im Glas beschädigt wird, kann der Wirkstoff zu früh austreten. Dann kommt möglicherweise weniger Wirkstoff dort an, wo er eigentlich wirken soll. Oder der Magen wird stärker belastet als vorgesehen.

Wichtig ist aber: Die Studie ist eine Laborstudie, heißt: Sie zeigt ein plausibles Risiko unter bestimmten Bedingungen. Sie beweist nicht, dass jede Einnahme mit Mineralwasser automatisch gefährlich ist oder dass ein Medikament dann sicher nicht wirkt.

Was man daraus für den Alltag lernen kann

Die einfachste Regel lautet: Medikamente am besten mit einem Glas normalem Wasser einnehmen. Leitungswasser ist in der Regel die naheliegende Wahl. Wer Mineralwasser verwendet, sollte bei empfindlichen Arzneiformen eher zu stillem, nicht stark mineralisiertem Wasser greifen.

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