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Lungenkrebs-Screening: Warum Experten jetzt Alarm schlagen

In Deutschland gibt es für langjährige Raucher seit April kostenfreie Computertomographie - in Österreich noch keine nationale Planung.
Tuberkulose

Die Rufe nach einem Lungenkrebs-Screening für Risikopersonen in Österreich reißen nicht ab. "Internationale Daten zeigen, dass mit einer Früherkennung per Computertomographie (CT) die Sterblichkeit um mindestens 20 Prozent gesenkt werden kann", sagte Judith Löffler-Ragg von der Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) im Gespräch mit der APA. Dass es das Überleben verbessert, sei hinlänglich bewiesen, die Kosteneffizienz ebenso, ergänzte Helmut Prosch, Thorax-Radiologe am AKH Wien.

"Wir haben in Österreich 5.000 neu entdeckte Erkrankungen mit Lungenkrebs pro Jahr", berichtete ÖGP-Vizepräsidentin Löffler-Ragg. "80 Prozent sind in einem fortgeschrittenen Stadium über das Stadium 1 hinaus." Das verursache die große Belastung, weil die Behandlung dieser Patientinnen und Patienten sehr aufwendig und kostenintensiv sei und das Fünf-Jahres-Überleben in fortgeschrittenem Stadium im Schnitt bei nur 20 Prozent liegt.

Das Lungenkarzinom zählt zu den tödlichsten Krebserkrankungen und ist in Österreich die häufigste krebsbedingte Todesursache. "Jeder fünfte Krebstodesfall entfällt auf Lungenkrebs", betonte Löffler-Ragg, Leiterin der Pneumologie am LKH Hochzirl-Natters in Tirol.

Aktivitäten in 22 von 27 EU-Ländern

In Deutschland haben seit dem heurigen April langjährige Raucher kostenlos Anspruch auf eine jährliche Niedrigdosis-Computertomografie. In 22 von 27 EU-Ländern gebe es diesbezüglich Aktivitäten oder Pilotphasen, erläuterte die Lungenfachärztin. In Österreich fehlt eine Pilotphase trotz langjähriger Experten-Forderungen noch. Es liegt zwar ein Modell für Tirol bereit, dieses ist jedoch nicht ausfinanziert, berichtete Löffler-Ragg. Es braucht zudem auch eine Pilotphase in einem Ballungsraum wie Wien, weil dieser anders zu versorgen ist, als eine ländliche Region, empfahlen Löffler-Ragg und Prosch.

Deutschland habe jedoch noch kein "nationales Programm", erklärte Löffler-Ragg. Ein Screening-Programm müsse zentral organisiert sein sowie ein Register und eine Qualitätskontrolle beinhalten. Aber es gebe "zertifizierte Maßnahmen" in Deutschland, wie in Österreich beispielsweise bei der Darmkrebsvorsorge. "Es ist nicht sinnvoll, wenn jemand starker Raucher ist, dass er zu seinem Hausarzt oder Pulmologen geht und sagt: 'Ich hätte gerne eine Computertomographie'", sagte Prosch.

"Kosten niedrig halten und Nutzen hoch"

"Wenn man alle einmal scannt, wird man etwas finden, aber das wird die Mortalität nicht verbessern", sagte der Thorax-Radiologe. Es müssten die ganz kleinen Tumoren gefunden werden - "und die entdecken wir nur, wenn wir jährlich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ein hohes Risiko haben, mit einer Computertomographie untersuchen". Hohes Risiko bedeute "starke Raucher ab einem Alter von 50 oder 55 Jahren, je nach Programm". Das sei auf Bundesebene zu definieren, "welche Patienten, in welchem Abstand, wie eingeladen werden", erläuterte Prosch.

"Man kann bei einem Lungenkarzinom-Screening durch eine genaue Definition der Menschen, die man dazu einlädt, die Kosten niedrig halten und den Nutzen hoch." Es gebe genug Publikationen, auch aus Österreich, die zeigen, dass dies kosteneffizient ist. 

Teure Medikamente, die im fortgeschrittenen Stadium verwendet werden, werden nicht mehr so oft gebraucht und die gesunden Lebensjahre in der Bevölkerung erhöhen sich, sagte Prosch in dem APA-Gespräch im Vorfeld des am Donnerstag beginnenden Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Thorax-Radiologie (ESTI) in Salzburg, dessen Präsident er derzeit ist.

Prävention und Entwöhnung fördern

"80 bis 90 Prozent der Lungenkarzinome sind durch Rauchen bedingt", berichtete Prosch und forderte mehr Aufmerksamkeit für Prävention. Löffler-Ragg sprach sich für eine verpflichtende Raucherentwöhnung im Rahmen eines zukünftigen Screening-Programms aus. Daten würden zeigen, dass die Raucherentwöhnung dann sogar besser funktioniert.

"Rauchen ist eine Suchterkrankung", betonte Löffler-Ragg. Diese Menschen für die Erkrankungsfolgen ihrer Sucht selbst verantwortlich zu machen und ein Screening deshalb abzulehnen, sei medizinisch indiskutabel. "Der Langzeitraucher kostet dem System, aber sein Verhalten ist nicht ausschließlich eine individuelle Entscheidung. Nikotinabhängigkeit, sozioökonomische Faktoren und eine schwache Tabakkontrolle in Österreich tragen wesentlich dazu bei. Das Lungenkrebs-Screening wird daher zur Chance, nebst Früherkennung die Prävention stärker zu fördern", erläuterte die Pneumologin.

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