Kinesio-Tapes: Was bringen sie wirklich?

Viele setzen auf die oft knallbunten Klebebänder. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.
Kinesiotape auf einem Knie.

Bunt beklebte Knie, Waden oder Schultern gehören mit Beginn der Laufsaison wieder zum vertrauten Bild auf Parkwegen und Sportplätzen. Kinesio-Tapes (KT-Tapes) werden im Breiten- wie im Leistungssport ebenso eingesetzt wie in physiotherapeutischen Praxen. Doch wie wirksam sind die elastischen Klebebänder tatsächlich?

Eine umfassende systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Evidenz für einen klinisch relevanten Nutzen von Kinesio-Taping ist sehr unsicher. Zwar könnten die Tapes Schmerzen kurzfristig lindern und die Funktion geringfügig verbessern, belastbare Belege fehlen jedoch weitgehend. Die Studie wurde im Fachjournal BMJ Evidence-Based Medicine veröffentlicht.

Wie sie funktionieren

Das Verfahren wurde in den 1970er-Jahren entwickelt und beruht auf der Annahme, dass die auf Baumwollbasis hergestellten, elastischen Tapes die Haut leicht anheben. Dadurch sollen sensorische Rezeptoren stimuliert, die Durchblutung gefördert und Schmerzen reduziert sowie die Beweglichkeit verbessert werden.

Um die aktuelle Evidenzlage zu bewerten, analysierte das Forschungsteam um Qingcong Mo von der Southern Medical University in Guangzhou in China insgesamt 128 systematische Übersichtsarbeiten – 73 veröffentlichte und 55 registrierte, aber noch nicht publizierte. Diese umfassten 310 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 15.812 Teilnehmenden.

Untersucht wurden 29 muskuloskelettale Erkrankungen, darunter Kniearthrose, chronische Rückenschmerzen, Tennisellbogen oder Plantarfasziitis, einer schmerzhaften Reizung der Sehnenplatte an der Fußsohle. Der Fokus lag auf Schmerzintensität, Funktion, Bewegungsumfang, Muskelkraft, Lebensqualität und krankheitsspezifischen Symptomen. Die meisten Arbeiten befassten sich mit Beschwerden der Beine und Füße sowie mit der Schmerzintensität.

Wirkung nur kurzfristig

Den Ergebnissen zufolge kann Kinesio-Taping Schmerzen unmittelbar und kurzfristig reduzieren. Auch funktionelle Einschränkungen könnten vorübergehend abnehmen. Die Qualität der Evidenz bewerteten die Autoren allerdings als „sehr niedrig“. Mittelfristig fanden sich keine relevanten Effekte auf Schmerzen, Funktion, Muskelkraft oder Bewegungsumfang. Ein Vorteil gegenüber Placebo- oder Schein-Taping war gering und ebenfalls mit großer Unsicherheit behaftet.

Hinzu kommt: 78 Prozent der ausgewerteten systematischen Reviews wiesen methodische Schwächen auf, viele Analysen überschnitten sich inhaltlich. Das erschwert die Interpretation der Ergebnisse zusätzlich.

In 19 der eingeschlossenen Studien wurden Nebenwirkungen dokumentiert, vor allem Hautirritationen (40 Prozent) und Juckreiz (30 Prozent). Diese seien meist mild, könnten aber klinisch relevant sein, schreiben die Autoren.

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