Bon Jovi rettet Frau: Studie zeigt deutlichen Rückgang der Suizide
Der US-Rocksänger bei einem Auftritt im November 2024: Medienberichte über sein erfolgreiches Einschreiten bei einem Suizidversuch in Tennessee führten zu einem Rückgang der Suizide in dem US-Bundesstaat.
Positive Beispiele zählen immer, so auch in der Suizid-Prävention. Nachdem der US-Rocksänger Jon Bon Jovi im September 2024 geholfen hatte, einen Suizid zu verhindern, gab es im US-Bundesstaat deutlich weniger Todesopfer durch Selbsttötungen. Erstmals wurde jetzt in einer wissenschaftlichen Arbeit mit Beteiligung von Experten der MedUni Wien der positive "Papageno-Effekt" an einem realen Beispiel belegt.
"Medienberichterstattung über Suizide kann die Suizidraten in der Bevölkerung beeinflussen. Während Berichte über Todesfälle häufig mit einem Anstieg von Selbsttötungen einhergehen ("Werther-Effekt"), können Berichte über Überlebende mit einem Rückgang verbunden sein ("Papageno-Effekt"). Am 11. September 2024 berichteten Medien ausführlich über den Musiker Jon Bon Jovi, der in Tennessee den Suizidversuch einer Frau verhinderte", schrieben jetzt Sangsoo Shin (Universität Melbourne/Australien) und Co-Autoren, unter ihnen Thomas Niederkrotenthaler (Public Health/MedUni Wien), der sich seit langem mit Suizidprävention beschäftigt.
Zwischenfall bei Video-Produktion auf Brücke
Jon Bon Jovi hatte am 11. September 2024 auf der Seigenthaler-Fußgängerbrücke über den Cumberland River in Nashville ein Video gedreht, als man plötzlich auf eine Frau aufmerksam wurde, die bereits über das Geländer gestiegen war und sich offenbar in die Tiefe stürzen wollte. Der Sänger und ein Mitglied seines Teams sprachen die Frau an und überredeten sie, wieder auf die sichere Seite zu kommen. Unmittelbar darauf umarmte Jon Bon Jovi die Gerettete. Medien-Coverage gab es weltweit.
Jedes Jahr sterben in Österreich rund 1.300 Personen durch Suizid. Das bedeutet, dass die Zahl der Suizidtoten mehr als drei Mal so hoch ist, wie beispielsweise jene der Verkehrstoten. Suizid ist bis zum 50. Lebensjahr eine der häufigsten Todesursachen, in der Altersgruppe 15 bis 29 Jahre sogar die zweithäufigste.
Medienberichte über Suizid spielen eine wichtige Rolle in der gesellschaftlichen Aufklärung und der Prävention. Mittlerweile konnte nachgewiesen werden, dass eine bestimmte Form der Berichterstattung nicht nur Imitationssuizide ("Werther-Effekt") verhindert, sondern generell suizidpräventiv wirken kann ("Papageno-Effekt"). Der Papageno-Effekt bezieht sich auf die Figur des Papageno aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte". Papageno kann in der Oper seine anfänglichen Suizidgedanken mit Hilfe von Anderen überwinden.
Die an der Publikation (British Journal of Psychiatry) beteiligten Wissenschafter sahen in den Geschehnissen im US-Bundesstaat Nashville die Chance, den bereits vor Jahren unter anderem von dem Wiener Suizidforscher formulierten "Papageno-Effekt" einer positiven Medienberichterstattung an einem realen Beispiel zu messen. Unter Verwendung von ausgeklügelten Berechnungsmodellen mit Berücksichtigung verschiedenster Faktoren verglichen sie die Zahl der Suizid-Todesfälle in Tennessee und in 19 anderen US-Bundesstaaten.
Papageno-Effekt: Gutes Beispiel zählt
Das gute Beispiel Jon Bon Jovis zählte jedenfalls buchstäblich, so die Wissenschafter: "In Tennessee kam es im September 2024 zu einem signifikanten Rückgang der Suizidsterblichkeit (Verringerung um 22 Prozent; Anm.) Der Effekt war bei Männern in Tennessee am stärksten ausgeprägt (Reduktion um 26 Prozent; Anm.) ..." Bei Frauen konnten keine signifikanten Abweichungen beobachtet werden.
"Diese Studie liefert den ersten Beleg für einen 'Papageno-Effekt' nach einer viel beachteten, realen Überlebensgeschichte. Der lokale Effekt deutet auf einen lokalen Einfluss und/oder Resonanzfaktor hin, während der Rückgang bei Männern die Identifikation mit dem Mann, der die Geschichte ins Rollen brachte (z. B. Bon Jovi), widerspiegeln könnte.
Überlebensgeschichten stellen möglicherweise eine bisher ungenutzte Möglichkeit zur Suizidprävention dar und sollten in weitere Studien sowie in Richtlinien für verantwortungsvolle Medienberichterstattung integriert werden", stellten die Fachleute in der Zusammenfassung ihrer Arbeit fest.
Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich. Infos für Jugendliche gibt es unter www.bittelebe.at.)
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