Wissen | Gesundheit
21.04.2018

Ist es ungesund, Blähendes zu essen?

Chili con Carne, Linseneintopf, Bananensmoothie: Es gibt Speisen, die blähen. Aber ist das eigentlich ungesund?

"Blähungen sind Nebenprodukte der aktiven Bakterienkulturen in unserer Darmflora ", erklärt Jane Muir, Professorin für Gastroenterologie an der australischen Monash University, im Interview mit dem Magazin Time. Der menschliche Darm sei dicht mit Bakterien besiedelt, zusammen würden diese das sogenannte Mikrobiom ergeben. Ohne diese Bakterien könne der Körper Muir zufolge lebenswichtige Nährstoffe aus der Nahrung nicht aufnehmen. Und während die Bakterien überall im Verdauungstrakt zu finden sind, ist ihr Vorkommen im Dickdarm am größten.

Verdauung im Dickdarm

Speisen oder Lebensmittel, die schwer verdaulich sind (in der Regel ballaststoffreiche pflanzliche Nahrung) rutschen laut der Expertin weitgehend unverdaut bis zum Dickdarm durch. Dort angekommen wird die Nahrung von den Bakterien zersetzt. Dabei werden – zusammen mit den Nährstoffen, die an den Organismus abgegeben werden – Darmgase frei. "Das ist eine natürliche und normale Funktion des Darms", so Muir. Nahrungsmittel, die Blähungen verursachen, würden sogenannte Fructane enthalten. Pflanzenstoffe, die unter anderem in Weizen, Zwiebeln, Artischocken und Roggen vorkommen. Auch Galactooligosaccharide in Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen begünstigen Darmwinde.

Nicht gesundheitsgefährdend

Allerdings hänge es auch stark von der jeweiligen Person ab, ob und wie stark ein Lebensmittel Blähungen verursacht, ergänzt Steven Zeisel, Ernährungswissenschafter und Leiter des Nutrition Research Institute an der University of North Carolina. So würden manchen Menschen Enzyme im Darm fehlen, die zur Verdauung bestimmter Nährstoffe notwendig sind. Das führe wiederum dazu, dass viel unverdaute Nahrung in den Dickdarm gelangt und Winde verursacht. Und: "Wenn man zu viel isst, kann dies das System überlasten und dazu führen, dass mehr Essen in den Dickdarm gelangt, wo durch die Bakterien Blähungen entstehen." Zwar seien Blähungen Zeisel zufolge stets unangenehm, aber in der Regel "nicht gefährlich".

Essgewohnheiten ändern

Wer im Alltag mit Blähungen zu kämpfen hat, kann mit pflanzlichen Medikamenten gegensteuern. Oder aber täglich kleine Mengen jener Nahrungsmittel essen, die die Flatulenzen auslösen, und damit den Aufbau von Bakterienkulturen im Darm natürlich anregen. Vor allem Speisen, die gesunde Ballaststoffe liefern, sollten regelmäßig auf den Teller kommen, empfiehlt Muir. Auf besonders gashaltige Nahrungsmittel wie Schlagobers oder Getränke mit viel Kohlensäure kann unterdessen verzichtet werden.

Wesentlich sei auch, auf die Ess- und Ernährungsgewohnheiten zu achten und diese gegebenenfalls zu ändern. So führe zu hastiges Essen dazu, dass mit der Nahrung auch sehr viel Luft geschluckt wird, die dann in den Verdauungstrakt gelangt.

Ärztlichen Rat einholen

Ausgeprägte oder längerfristig anhaltende Blähungen sollten immer durch den Arzt abgeklärt werden, insbesondere wenn noch andere Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder verändertes Stuhlverhalten hinzukommen. Dann können ernsthafte Erkrankungen die Ursache sein.