Hitzefestes Raumklima: Richtig planen statt nachher kühlen
„Die Temperaturentwicklung in einem Raum hängt von vielen, komplex zusammenhängenden Einflüssen ab. Die wichtigsten außenklimatischen Faktoren sind jedoch schlichtweg die Außenlufttemperatur und die solare Einstrahlung“, sagt Dr. techn. Joachim Nackler, der sich im Rahmen seiner Dissertation intensiv mit der Hitzeentwicklung in Innenräumen beschäftigt hat. Entscheidend sei vor allem, wie viel Sonnenenergie durch die Fenster ins Innere gelangt. „Hier spielen die Orientierung des Raumes sowie Größe, Verglasungsart und Verschattung der Fenster eine zentrale Rolle.“ Dazu kommen Wärmequellen im Raum – Geräte, Beleuchtung, Personen – sowie das Nutzungsverhalten, etwa wann und wie gelüftet wird. „Als behaglich gelten operative, also empfundene, Temperaturen bis etwa 27 Grad am Tag und 25 Grad in der Nacht“, so der Architekt.
Die Weichen früh stellen
Wer neu baut oder saniert, sollte bereits in der Planung ansetzen. „Wichtig ist, die Weichen bereits im Entwurf richtig zu stellen – nachträglich lässt sich vieles nur mit großem Aufwand korrigieren“, betont Nackler. Alles, was die Sonneneinstrahlung begrenzt, wie ein maßvoller Fensteranteil, die Orientierung, die Art der Verglasung und vor allem ein außen liegender Sonnenschutz, senke das Temperaturniveau im Raum. Auch die Möglichkeit zu einer wirksamen Nachtlüftung, am besten als Querlüftung, die gespeicherte Wärme wieder abführt, solle in die Planung einfließen. Die Bauweise spielt ebenfalls eine Rolle: Ob massiv oder leicht gebaut wird, verändert das mittlere Temperaturniveau nur begrenzt, beeinflusst aber die Schwankungen über den Tag erheblich. Eine massive Bauweise dämpft Temperaturspitzen spürbar. Am wirksamsten sei folgende Kombination: Sonne draußen halten, Nachtlüftung ermöglichen und so speicherfähige Bauteile gezielt nutzen. Bei Neubauten sollte eine effiziente, gebäudeintegrierte Temperierung – etwa durch thermische Bauteilaktivierung – von Anfang an Teil des Konzepts sein.
Was man selbst tun kann
Auch ohne bauliche Eingriffe lässt sich einiges erreichen. „Beschatten Sie Fenster möglichst außen und bevor die Sonne auf die Scheiben trifft – ein außen liegender Sonnenschutz ist einem innen liegenden deutlich überlegen“, rät Nackler. Tagsüber sollten die Fenster geschlossen bleiben, sobald es draußen wärmer ist als drinnen. „Lüften Sie dafür nachts und am frühen Morgen, wenn es draußen kühler ist, kräftig durch – am besten quer durch die ganze Wohnung.“ Ein Ventilator kann helfen, auch wenn er die Raumtemperatur nicht senkt: „Er kann die gefühlte Belastung deutlich reduzieren und benötigt wesentlich weniger Energie als ein Klimagerät.“ Mobile Monoblock-Klimageräte sieht der Experte kritisch: „Sie sind meist nur mäßig effektiv.“ Besondere Vorsicht sei geboten, wenn sie in Räumen mit raumluftabhängigen Gasthermen betrieben werden: „Durch den entstehenden Unterdruck können gefährliche Abgase, insbesondere Kohlenmonoxid, in den Raum gelangen.“
Simulation macht Ursachen sichtbar
Um die Planung zu erleichtern, hat Nackler im Zuge seiner Dissertation an der TU Wien ein kostenloses Online-Tool entwickelt: Thesim 3D (www.thesim.at). „Dabei wird der Raum direkt im Browser dreidimensional modelliert, die Klimadaten für jeden Ort Österreichs generiert das Programm automatisch“, erklärt er. Das Besondere: Der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung wird auf einen Blick erfassbar. Ändert man etwa Fenstergröße, Verglasung, Verschattung oder Bauweise, sieht man sofort die Auswirkung auf die Raumtemperatur. „So lassen sich die Gründe einer Überhitzung und die Wirkung von Gegenmaßnahmen fast spielerisch nachvollziehen.“
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