Chronische Hepatitis B: Neues Medikament macht Hoffnung
Zusammenfassung
- Hepatitis B ist weltweit verbreitet, in Österreich sind 40.000 bis 80.000 Menschen betroffen, die Impfung ist der wichtigste Schutz.
- Ein neuer Wirkstoff, Bepirovirsen, zeigte in Studien bei etwa 20 Prozent der chronisch Erkrankten eine funktionelle Heilung, ist aber noch nicht zugelassen.
- Nebenwirkungen traten häufig auf, und die Therapie muss eng überwacht werden; die Langzeitwirkung bleibt noch zu prüfen.
Hepatitis B klingt für viele nach einer fernen Infektionskrankheit. Tatsächlich kommt das Virus überall vor, weltweit tragen etwa 350 Millionen Menschen das Hepatitis B-Virus in sich, in Österreich liegt die Zahl der Infizierten laut Österreichischer Hepatitishilfe zwischen 40.000 und 80.000, jährlich kommt es zu etwa 1.500 Neuerkrankungen.
Gegen die Erkrankung gibt es eine wirksame Impfung. In Österreich wird sie allgemein für Kinder und Erwachsene empfohlen; für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 15. Lebensjahr ist sie Teil des kostenfreien Impfprogramms.
Für Menschen, die bereits chronisch infiziert sind, ist die Situation komplizierter. Bisherige Medikamente können das Virus zwar meist gut unterdrücken. Viele Betroffene müssen diese Therapie aber lange, oft über Jahre, einnehmen. Eine Art funktionelle Heilung – also ein Zustand, in dem das Virus nicht mehr relevant aktiv ist und keine Dauertherapie mehr gebraucht wird – gelingt bisher nur selten.
Hier setzt ein neuer Wirkstoff an: Bepirovirsen. Er blockiert bestimmte „Bauanleitungen“ des Hepatitis-B-Virus, so soll es weniger Bestandteile produzieren und im Körper zurückgedrängt werden.Er wurde nun in zwei großen internationalen Studien der letzten Prüfphase untersucht.
Die Ergebnisse erschienen im New England Journal of Medicine. Insgesamt nahmen mehr als 1800 Erwachsene mit chronischer Hepatitis B teil. Alle waren bereits mit Standardmedikamenten behandelt, das Virus war bei ihnen also gut kontrolliert. Menschen mit Leberzirrhose waren nicht Teil der Studie.
Noch ist Bepirovirsen nicht zugelassen. Der Wirkstoff befindet sich allerdings bereits im Zulassungsverfahren; in den USA wird eine Entscheidung bis Ende Oktober 2026 erwartet.
Hepatitis B wird vor allem über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, etwa beim Sex, über gemeinsam benutzte Spritzen, verunreinigte Instrumente oder bei der Geburt von der Mutter auf das Kind. Das Gesundheitsministerium weist darauf hin, dass Betroffene nach einer Ansteckung oft keine unmittelbaren Beschwerden haben und daher unwissentlich ansteckend sein können.
Die Infektion betrifft die Leber. Sie kann harmlos oder mit grippeähnlichen Beschwerden beginnen: Müdigkeit, Übelkeit, Fieber, Glieder- und Gelenkschmerzen. Später kann es zu einer Gelbfärbung von Haut und Augen kommen. Bei Erwachsenen heilt Hepatitis B meist aus. Gefährlich wird sie, wenn sie chronisch wird. Dann kann sie über Jahre die Leber schädigen und zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen. Besonders hoch ist das Risiko für einen chronischen Verlauf bei Säuglingen, die sich bei der Geburt infizieren.
Keine messbare Virusaktivität mehr
Die Patientinnen und Patienten erhielten 24 Wochen lang entweder Bepirovirsen oder ein Scheinmedikament. Danach wurde geprüft, ob sie ihre bisherige Standardtherapie absetzen konnten – und ob die Infektion auch Monate später kontrolliert blieb.
Das Ergebnis: In den beiden Studien erreichten 20 beziehungsweise 19 Prozent der mit Bepirovirsen behandelten Personen eine funktionelle Heilung. In den Vergleichsgruppen mit Scheinmedikament war das bei niemandem der Fall.
Besonders gut waren die Ergebnisse bei jenen, die zu Beginn niedrigere Werte eines wichtigen Virusmarkers hatten: In dieser Gruppe lag die Erfolgsrate bei 25 beziehungsweise 28 Prozent.
Das ist ein wichtiger Schritt, denn für etwa jeden fünften der ausgewählten Studienteilnehmenden bedeutete die Behandlung: keine messbare relevante Virusaktivität mehr und keine weitere Standardtherapie nötig.
Ganz ohne Schattenseite ist der neue Ansatz nicht. Nebenwirkungen waren häufig. Viele Betroffene hatten Reaktionen an der Einstichstelle. Auch Leberwerte, Blutplättchen und Nierenwerte mussten kontrolliert werden.
Schwere unerwünschte Ereignisse traten unter Bepirovirsen etwas häufiger auf als unter Placebo. Die Studienautoren betonen deshalb, dass eine solche Therapie eng überwacht werden müsste.
Noch offen ist außerdem, wie dauerhaft der Effekt tatsächlich bleibt. Die nun veröffentlichten Daten reichen bis Woche 72, also rund eineinhalb Jahre nach Studienbeginn. Eine längere Nachbeobachtung läuft.
Während die Impfung weiterhin der wichtigste Schutz vor einer Infektion bleibt, zeigt die Studie: Für bereits chronisch Erkrankte rückt das Ziel näher, nicht nur das Virus zu unterdrücken, sondern die Dauertherapie beenden zu können.
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