Im Magen-Darm-Trakt von Säugetieren leben hunderte bis tausende verschiedene Mikroorganismen. Dieses Bild aus einem Fluoreszenz-Mikroskop zeigt einige der Mikrobenarten, die im Darm von Mäusen vorkommen.

© Fatima Pereira / Universität Wien

Wissen Gesundheit
10/09/2020

"Gute" Darmbakterien können Infektionen abschwächen

Zugabe von Mikroben, die sich von der selben Energiequelle ernähren wie Krankheitserreger, kann Infektion nicht verhindern, aber abschwächen.

Antibiotika bekämpfen nicht nur Erreger, sondern stören auch Bakterien der natürlichen Darmflora. Die Folge kann eine Magen-Darm-Infektion sein. Um das zu vermeiden, haben Wiener Forscher nach Mikroorganismen gesucht, die sich von der selben Energiequelle ernähren wie ein Infektionen auslösendes Bakterium. Sie zeigten an Mäusen, dass die Zugabe solcher Mikroben eine Infektion abschwächen kann, berichten sie im Fachjournal Nature Communications.

Nach einer Antibiotika-Behandlung ist in Industrieländern das Bakterium Clostridioides difficile der Hauptauslöser von Magen-Darm-Infektionen. David Berry vom Institut für Lebensmittelchemie und Toxikologie der Universität Wien und sein Team haben gemeinsam mit Kollegen in der Schweiz und Deutschland nach nützlichen, auch "kommensalen" genannten Mikroorganismen gesucht, die sich von denselben Zuckern in der Darmschleimhaut ernähren wie C. difficile. Im Konkurrenzkampf um Ressourcen könnte die Zugabe solcher Bakterien die Vermehrung der schädlichen Mikroben verhindern.

Mit Hilfe einer Markierungsmethode konnten sie 51 unterschiedliche kommensale Mikroorganismen identifizieren, die dieselben Zucker der Darmschleimhaut verarbeiten wie das krankmachende Bakterium. Anschließend untersuchten sie mit Tests an Mäusen, ob die Verabreichung von fünf dieser Mikroorganismen eine Infektion durch C. difficile verhindern kann.

Es zeigte sich, dass die Mischung eine Infektion nicht vollkommen verhindern, aber abschwächen kann. "C. difficile kann Energie wohl auch aus alternativen Quellen gewinnen und sich so im Darm etablieren", erklärte Erstautorin Fatima Pereira vom Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaften der Uni Wien in einer Aussendung. Notwendig wäre offensichtlich eine Mischung mit weiteren Mikroorganismen, die mit dem Krankheitserreger auch um diese alternativen Energiequellen konkurrieren.

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