Dauerhafte Geldsorgen lassen das Gehirn schneller altern
Bei Menschen, die unter Geldproblemen leiden, altert das Hirn laut neuer Studie schneller.
Die im Fachjournal Innovation in Aging veröffentlichte Untersuchung basiert auf Daten von 2.759 Menschen aus Großbritannien, die seit ihrer Geburt im Jahr 1946 im Rahmen der weltweit am längsten laufenden Geburtskohortenstudie regelmäßig Fragebögen ausfüllten.
Das Ergebnis: Menschen, die im frühen und mittleren Erwachsenenalter entweder dauerhaft mit Geldproblemen kämpften oder ein dauerhaft niedriges Einkommen hatten, schnitten im Alter von 53 Jahren schlechter bei kognitiven Tests ab.
Bei einer Untergruppe, die zusätzlich Gehirnscans erhielt, zeigte sich: Wer dauerhaft ein niedriges Einkommen hatte, wies im späteren Leben (zwischen 69 und 71 Jahren) eine schlechtere Gehirngesundheit auf, einschließlich stärkerer Gehirnschrumpfung.
Diese Zusammenhänge blieben auch bestehen, nachdem Faktoren wie Bildungsniveau, kognitive Fähigkeiten in der Kindheit und soziale Benachteiligung in jungen Jahren berücksichtigt wurden.
Jahrzehntelange Belastung entscheidend
„Die meisten Studien zu kognitivem Altern betrachten finanzielle Belastungen nur zu einem einzelnen Zeitpunkt“, wird Studienautor Jacques Wels in einer Aussendung zitiert. „Unsere Studie mit Daten über mehrere Jahrzehnte zeigt, dass es die Anhäufung von Belastungen über viele Jahre ist, die mit den schlechtesten Ergebnissen für die kognitive Gesundheit verbunden ist, und nicht gelegentliche Krisen.“
Seniorautorin Praveetha Patalay ergänzt: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Unterstützung von Menschen in finanziellen Notlagen und die Verringerung chronischer Armut auch dazu beitragen könnten, kognitiven Abbau und Demenzfälle in Zukunft zu verhindern.“
Männer stärker betroffen
Besonders stark war der Zusammenhang zwischen finanziellen Problemen und schlechterer Gehirngesundheit bei Männern, bei Menschen, die bereits in der Kindheit benachteiligt waren, und bei Trägern der Genvariante APOE-ε4, die das Alzheimer-Risiko erhöht.
Männer mit dauerhaften Geldproblemen schnitten im Alter von 53 Jahren deutlich schlechter bei kognitiven Tests ab als Frauen in vergleichbarer Lage. Mögliche Gründe: Benachteiligte Männer zeigen häufiger ungesundes Verhalten wie Rauchen und Alkoholmissbrauch. Zudem könnten sie den Stress finanzieller Probleme stärker erleben, besonders in der 1946 geborenen Kohorte, in der Männer meist die Hauptverdiener waren.
Stress und Entzündungen als Ursache
Als mögliche Mechanismen nennen die Forschenden chronischen Stress, der Entzündungsreaktionen auslöst, die wiederum die Gehirnalterung beschleunigen. Auch die ständige Sorge ums Geld erhöhe die kognitive Belastung und lasse weniger Kapazität für andere geistige Aufgaben.
Für die Studie wurden die Teilnehmenden im Alter von 26, 43 und 53 Jahren zu ihrem Haushaltseinkommen befragt. Als „dauerhaft niedriges Einkommen“ galt, wer mindestens zweimal zu den untersten 20 Prozent gehörte. Das betraf 16 Prozent der Teilnehmenden. Finanzielle Belastung wurde anhand von Fragen erfasst, etwa ob es schwerfiel, mit dem Einkommen auszukommen oder Rechnungen zu bezahlen. Zwölf Prozent erlebten zwischen 36 und 53 Jahren mindestens zweimal solche Belastungen.
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