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Diabetes vorbeugen: Wie der Garten das Risiko senkt

Viel Gartenfläche rund ums Zuhause geht mit einem geringeren Diabetes-Risiko einher, natürliche Geräusche mit einer stärkeren Bindung an den Wohnort., zeigen zwei neue Studien.
Man planting tree on Arbor day in springtime

Zusammenfassung

  • Eine Studie mit 423.282 UK-Biobank-Teilnehmenden zeigt: Ein hoher Anteil privater Gartenflächen und mehrere Parks im Wohnumfeld gehen mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes einher.
  • Eine zweite Studie zeigt, dass natürliche Geräusche wie Vogelstimmen, Wind oder Regen als angenehmer wahrgenommen werden und mit einer stärkeren Bindung an den Wohnort verbunden sind.
  • Beide Beobachtungsstudien verweisen auf soziale Ungleichheiten beim Zugang zu Natur und darauf, dass für gesundheitsfördernde Wohnumfelder vor allem Nähe, Vielfalt und Alltagszugänglichkeit von Natur zählen.

Ein Park in der Nähe, ein kleiner Garten am Rande der Stadt, Vögel am Morgen: Natur im Wohnumfeld kann unterschiedlich aussehen und das hat entsprechende Auswirkungen, wie zwei aktuelle Studien zeigen. 

Die erste Studie, veröffentlicht im Fachjournal „BMC Public Health“, untersuchte den Zusammenhang zwischen Grünflächen und Typ-2-Diabetes. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der University of Queensland wertete dafür Daten von 423.282 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der UK Biobank aus. Sie waren zu Beginn zwischen 37 und 73 Jahre alt und hatten noch keinen Diabetes. Während einer mittleren Beobachtungszeit von gut 15 Jahren wurden 19.648 neue Fälle von Typ-2-Diabetes erfasst.

Sieben Prozent geringeres Diabetes-Risiko

Für jede Wohnadresse ermittelten die Forschenden den Anteil privater Gärten und anderer Grünflächen im Umkreis von 100 Metern. Zusätzlich berechneten sie den tatsächlichen Gehweg zum nächsten Park und zählten die Parks innerhalb von 800 Metern – ungefähr zehn bis 15 Gehminuten entfernt.

Das Ergebnis: In der Gruppe mit dem höchsten Anteil privater Gartenflächen war das relative Risiko für Typ-2-Diabetes um rund sieben Prozent geringer als in der Gruppe mit dem niedrigsten Anteil. Berücksichtigt wurden unter anderem Alter, Geschlecht, Bildung, soziale Lage, Wohngebiet, Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährungsqualität und Diabetesfälle in der Familie.

Allerdings zeigte sich keine simple Regel, Motto „je mehr Grün, desto besser“: Erst in der höchsten Kategorie privater Gartenfläche war die Risikoreduktion statistisch eindeutig. Die Verbindung mit privaten Gärten war laut den Forschenden außerdem bei sozial benachteiligten Menschen stärker ausgeprägt und zeigte sich bei Personen ohne familiäre Vorbelastung für Diabetes.

Mehrere Parks zählen mehr als der nächste Park

Auch bei öffentlichen Grünanlagen kam es auf die Art der Messung an. Wie weit der nächste Park entfernt war, stand nicht mit dem Erkrankungsrisiko in Zusammenhang – gleichgültig, ob die Luftlinie oder der tatsächliche Fußweg herangezogen wurde. Wer jedoch mehr als drei Parks im Umkreis von 800 Metern hatte, wies ein um knapp sechs Prozent niedrigeres relatives Risiko auf als Menschen mit höchstens einem Park in diesem Radius.

Die Zahl der Parks könnte mehr über ihre Nutzbarkeit aussagen als die reine Entfernung: Mehrere Anlagen bieten unterschiedliche Möglichkeiten, etwa zum Spazieren, Sporttreiben, Entspannen oder für soziale Kontakte – und erhöhen womöglich die Chance, dass sie tatsächlich besucht werden.

Als mögliche Erklärungen nennen die Forschenden mehr Bewegung, weniger langes Sitzen, Erholung von Stress und soziale Aktivitäten, auch der Anbau von Obst und Gemüse sowie weniger Luftschadstoffe und Hitze könnten eine Rolle spielen.

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Es kommt auch auf das richtige Geräusch an.

Natur ist auch das, was wir hören

Die zweite Studie erweitert den Blick auf die Geräuschkulisse. Für die im Fachjournal „People and Nature“ veröffentlichte Arbeit absolvierten 1137 Personen insgesamt 1508 zehnminütige Hörsitzungen im Freien bei sich zu Hause. Sie notierten Geräusche und bewerteten deren Lautstärke und Angenehmheit. Zudem gaben sie an, wie verbunden sie sich mit ihrem Wohnort fühlten und wie sehr dieser für sie einem Zuhause entsprach – in der Forschung „sense of place“ genannt.

Am angenehmsten wurden Vogelstimmen und Regen bewertet, bei den menschengemachten Geräuschen lag Musik vorne. Verkehr, Flugzeuge oder Rasenmäher schnitten naturgemäß deutlich schlechter ab. Woher ein Geräusch stammte, beeinflusste seine Bewertung oft stärker als seine Lautstärke: Bei vergleichbarem Pegel wurden Naturgeräusche wesentlich angenehmer wahrgenommen als mechanische.

Klanglandschaften mit Vögeln, Wind und anderen Naturgeräuschen waren zudem mit einer stärkeren Bindung an den Wohnort verbunden. Eine von Autos, Flugzeugen und Rasenmähern geprägte Kulisse ging mit einem schwächeren Ortsgefühl einher.

Auch Naturkontakt ist sozial ungleich verteilt

Beide Studien weisen zudem auf eine soziale Dimension hin: In der Gartenstudie schienen Menschen aus benachteiligten Gegenden stärker von privatem Grün zu profitieren, in der Geräuschstudie berichteten nicht-weiße Teilnehmende seltener von natürlichen Klanglandschaften und zugleich von geringerer Ortsverbundenheit. Die Forschenden sehen darin einen möglichen Hinweis auf ungleich verteilte Umweltqualität, nicht auf unterschiedliche Vorlieben für die Natur.

Ebenso wichtig: Es handelt sich um Beobachtungsstudien, die keinen kausalen Beweis liefern, dass ein Garten oder Vogelstimmen vor Krankheiten schützen können. Sie machen aber deutlich, was bei einer gesundheitsfördernden Stadtplanung leicht übersehen wird: Nicht irgendein Grün oder nicht nur möglichst wenig Lärm zählen, Wohnräume könnten vor allem dann besonders guttun, wenn Naturerlebnisse nahe, vielfältig, hörbar und im Alltag zugänglich sind.

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