Fasten: Wie wichtig ist es, 40 Tage durchzuhalten?
Wenn Sie sich vorgenommen haben, 40 Tage lang auf Gewohnheiten zu verzichten und bis jetzt durchgehalten haben, fällt Ihnen der Verzicht auf Süßes, Kaffee, Zigaretten oder andere Fastenziele vermutlich längst leichter als zu Beginn. Vor allem aber haben Sie diverse Fastentiefs mit Fragen wie „Wozu tue ich mir das eigentlich an?“ schon überwunden.
Durchhalten oder kürzere Zeit verzichten?
Möglicherweise kam es in dieser Phase auch zu inneren Auseinandersetzungen zwischen dem Wunsch, die gesteckten Ziele einzuhalten, und jenen Aspekten des Geists, der das Vorhaben torpediert. Und in diesem „Verhandlungsmodus“ stellt man sich unweigerlich die Frage: Muss ich wirklich 40 Tage durchhalten, oder reicht es auch, kürzer zu verzichten?
Der Fastenexperte und Sportmediziner Piero Lercher betont, dass für individuelle Entscheidungen immer der eigentliche Fasten- bzw. Verzichtsgrund entscheidend ist: „Warum will ich fasten? Ist Religiosität, Spiritualität, Tradition oder Fasten als Abnehmstrategie der Grund?“
Fasten auf Zeitraum beschränken
Er gibt auch zu bedenken, dass klassisches Fasten ohne feste Nahrungsaufnahme auf einen kürzeren Zeitraum, etwa 7 oder maximal 10 Tage, beschränkt sei. „Extremes Fasten mit niedriger Energieaufnahme, die unter dem vom Körper benötigten Grundumsatz liegt, kann gesundheitsgefährdend sein.“
Längere Fastenkuren sollten immer unter professioneller Anleitung durchgeführt werden, um Warnsignale richtig zu deuten. „Wird Fasten als Gesundheitsmaßnahme gewählt, so müssen auf jeden Fall eine ärztliche Diagnose und ein Behandlungskonzept vorliegen, vor allem, ob eine Erkrankung vorliegt.“
Realistische Ziele setzen
Als wesentlichen Faktor zum Erfolg sieht Lercher auch, sich generell leicht erreichbare und realistische Ziele zu setzen, „um animiert und motiviert zu bleiben“. Das gelte insbesondere für Anfänger. Die gute Nachricht für viele, denen die 40 Tage als unüberwindbare Hürde erscheinen: „Der Zeitraum des Fastens kann durchaus individuell gewählt werden.“
Ideal ist es, die Fastenzeit dazu zu nützen, um ein besseres Körpergefühl zu erhalten – körperlich, geistig und auch spirituell. Das könne in unserer hektischen Zeit helfen, sich wieder zu fokussieren. „Wir erleben zunehmend Menschen, die im wahrsten Sinn des Wortes neben der Spur sind. Da fehlt das Körpergefühl und zwischenmenschliche Interaktionen sind problembehaftet oder erschwert.“
40 Tage: Religion und Medizin
Dass 40 Tage gefastet wird, ist nur zum Teil religiös begründet. Auch numerologische und medizinische Gründe führt der Experte für diese markante Zahl an. „Die noch heute gültige Quarantäne-Regel geht darauf zurück, dass 40 Tage Isolation seit Jahrhunderten als Schutzmaßnahme gegen die Verbreitung einer Krankheit gelten.“
Um diese Zeit tatsächlich zu schaffen, empfiehlt Lercher ein klares Fastenziel. Beim Nahrungsverzicht ist zielloses „drauf los fasten“ eher kontraproduktiv. Er empfiehlt, klein anzufangen. „Entweder wählt man einen kürzeren Zeitraum oder eine Fastenform, die leichter durchführbar und besser in den Alltag integrierbar ist.“
Phase kann auch länger dauern
Anders ist es mit Fasten zur Reduktion von Gewohnheiten. „Wenn es sich nicht auf die Nahrungsaufnahme bezieht, etwa Handygebrauch oder Autofahren, so kann diese Phase durchaus mehr als 40 Tage betragen. Es kann nach Lust und Laune praktiziert werden.“ Allerdings sollte man darauf achten, motiviert zu bleiben. „Fasten als eine Selbstgeißelung kann ebenfalls kontraproduktiv sein.“
Ob 40 Tage oder ein anderer Zeitraum: Der Blick auf das innere Belohnungssystem sollte nicht außer Acht gelassen werden. „Manche Menschen sind sehr diszipliniert, andere benötigen Belohnungen.“ Diese müssen aber nicht in Form von Süßigkeiten erfolgen. „Aufmunternde und motivierende Worte oder Gesten durch das persönliche Umfeld können sehr große Effekte haben.“
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