Spätes Essen: Neue Untersuchung zeigt überraschende Folgen
Zusammenfassung
- Eine neue Studie mit 287 Frauen in Neuseeland zeigt: Abendtypen essen später, nehmen morgens weniger und nach 20 Uhr mehr Energie und Makronährstoffe auf als Morgen- und intermediäre Typen.
- Abendtypen wiesen im Schnitt höhere Werte bei BMI, Körperfett, Bauchfettverteilung sowie ungünstigere Stoffwechselmarker wie Triglyzeride, Insulin, HbA1c und niedrigeres HDL-Cholesterin auf.
- Zugleich nahmen Abendtypen weniger Ballaststoffe und mehrere wichtige Mikronährstoffe auf, wobei die Studie nur Zusammenhänge zeigt und keine Ursache-Wirkung-Beziehung belegt.
Die einen sind morgens schon wach, bevor der Wecker klingelt, die anderen werden erst gegen Abend so richtig lebendig. Was man umgangssprachlich als „Lerche“ oder „Eule“ bezeichnet, heißt in der Forschung Chronotyp. Damit gemeint ist die individuelle innere Zeit: also die Frage, ob Schlaf, Aktivität und Hunger eher früh oder spät am Tag auftreten.
Eine neue Studie, veröffentlicht in Frontiers in Nutrition, zeigt nun: Der Chronotyp könnte auch mit den Ernährungsgewohnheiten, dem Körperfett und den Stoffwechselwerten zusammenhängen. Untersucht wurden 287 gesunde, nicht schwangere Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren in Neuseeland. Die Forscherinnen und Forscher analysierten unter anderem die Schlafzeiten, den Chronotyp, Fünf-Tage-Ernährungsprotokolle, Körperzusammensetzung per DXA-Messung sowie Blutwerte wie Blutfette, Insulin und HbA1c.
Abendtypen aßen später und anders
Die Mehrheit der Teilnehmerinnen wurde als „intermediärer Chronotyp“ eingestuft, 34 Prozent als Abendtyp und 12 Prozent als Morgentyp. Für die Auswertung wurden Morgen- und intermediäre Typen teilweise zusammengefasst und mit den Abendtypen verglichen.
Was sich zeigte: Abendtypen nahmen morgens vor 10 Uhr weniger Energie, Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett zu sich, dafür aßen sie nach 20 Uhr deutlich mehr. Bei Morgen- und intermediären Typen zeigte sich eher das umgekehrte Muster.
Besonders auffällig war der Zusammenhang bei Frauen mit höherem Körperfettanteil oder ungünstigerer Fettverteilung: Abendtypen mit höherem Körperfett nahmen abends mehr Energie, Kohlenhydrate und Fett auf, gleichzeitig hatten sie morgens geringere Energie-, Eiweiß- und Kohlenhydrataufnahmen.
Mehr Körperfett, ungünstigere Blutwerte
Die Abendtypen hatten im Schnitt einen höheren Body-Mass-Index, einen höheren Körperfettanteil und ein höheres Verhältnis von Bauch- zu Hüftfett als die Vergleichsgruppe. Auch einige Stoffwechselmarker fielen ungünstiger aus: Abendtypen hatten höhere Werte bei Triglyzeriden, Insulin, HbA1c und Leptin sowie niedrigere HDL-Cholesterinwerte.
Das bedeutet jetzt nicht zwingend, dass spätes Essen allein diese Unterschiede verursacht, die Studie ist eine Querschnittsuntersuchung, die keine Ursache-Wirkung-Beziehung zeigt. Dennoch passt das Ergebnis zu dem, was aus der Chronobiologie bekannt ist: Sowohl die Verdauung als auch der Appetit, die Hormonregulation und Nährstoffverwertung folgen einem Tagesrhythmus und der Körper verarbeitet Nahrung nicht zu jeder Uhrzeit gleich.
Nicht nur wann, sondern auch was gegessen wird
Interessant ist auch die Qualität der Ernährung. Abendtypen hatten in der Studie niedrigere Aufnahmen mehrerer Mikronährstoffe, darunter Folat, Vitamin A, Vitamin E, Kalium, Magnesium, Kalzium, Riboflavin und Jod. Auch die Ballaststoffaufnahme war niedriger.
Das deutet darauf hin, dass spätes Essen nicht nur eine Frage der Uhrzeit ist, es könnte auch damit zusammenhängen, welche Lebensmittel später am Tag gewählt werden. Wer abends oder nachts isst, greift möglicherweise seltener zu Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten oder Milchprodukten und häufiger zu energiedichter, stärker verarbeiteter Kost.
Was das für den Alltag bedeutet
Lässt sich daraus eine simple Regel nach dem Motto „Essen nach 20 Uhr macht dick“ ableiten? Nein. So eindeutig ist die Datenlage nicht, aber sie stützt eine vorsichtigere Empfehlung: Wer zu den Abendtypen gehört und Probleme mit Gewicht, Bauchfett, Blutzucker oder dem Blutfetten hat, könnte von einem Blick auf das eigene Essens-Timing profitieren.
Dabei geht es darum, Mahlzeiten über den Tag ernährungsphysiologisch besser zu verteilen. Ein nährstoffreiches Frühstück oder eine frühere erste Mahlzeit, ausreichend Eiweiß und Ballaststoffe über den Tag verteilt, sowie ein weniger üppiges spätes Abendessen könnten helfen, die Belastung für den Stoffwechsel zu senken.
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