Einzeldosis Psychedelikum lindert therapieresistente Depression

Kann ein kurzer psychedelischer Trip Depressionen langfristig lindern? Eine klinische Studie aus Großbritannien mit Dimethyltryptamin nährt Hoffnungen für therapieresistente Patientinnen und Patienten.
Ein Glas mit rötlicher Flüssigkeit steht neben geschnittener Wurzelrinde und grünen Blättern auf einer Trommel.

Menschen, die an einer schweren Form der Depression leiden, könnten von einer einzelnen Dosis des Psychedelikums Dimethyltryptamin (DMT) profitieren. Dies gelte, sofern die Behandlung mit einer Psychotherapie kombiniert wird, schreiben die Autorinnen und Autoren in einer nun im Fachblatt Nature Medicine erschienenen Studie.

DMT ist Hauptbestandteil von Ayahuasca, einem bewusstseinserweiternden Trunk, der in Südamerika seit Jahrhunderten in schamanischen Ritualen genutzt wird. Über halluzinogenes Erleben – sogenannte Trips – soll Ayahuasca zu lebensverändernden Einsichten führen.

Schon seit einigen Jahren wird das therapeutische Potenzial des berauschenden Suds bei psychischen Leiden wissenschaftlich erforscht.

DMT-Einzeldosis könnte bei Behandlung von Depressionen helfen

In der aktuellen klinischen Studie mit 34 Teilnehmenden konnte gezeigt werden, dass eine durch DMT unterstützte Psychotherapie zu einer raschen Verringerung der depressiven Symptome führte, die auch lange nach dem Abklingen der Wirkung des Medikaments anhielt. Einige Teilnehmenden berichteten noch sechs Monate später von positiven Effekten.

"Es gibt eine sofortige antidepressive Wirkung, die über einen Zeitraum von drei Monaten deutlich anhält, und das ist spannend, weil es sich um eine einzige Sitzung mit einem Medikament handelt, eingebettet in psychologische Unterstützung", wird David Erritzoe, Psychiater am Imperial College London und Studienleiter, im Guardian dazu zitiert. 

Die Ergebnisse müssten in größeren Studien geprüft werden, würden sich aber dennoch in eine wachsende Zahl an Belegen einfügen, die positive Effekte von Psychedelika in Verbindung mit Psychotherapie nahelegen. Erritzoe zufolge könnten derartige Behandlungskonzepte Menschen helfen, deren Symptome sich durch gängige Antidepressiva oder andere bewährte Therapien nicht lindern lassen.

Weltweit leiden Schätzungen zufolge 100 Millionen Menschen an einer sogenannten therapieresistenten Depression. Definiert wird diese als schwere depressive Störung, die auf mindestens zwei Antidepressiva nicht angesprochen hat.

Heilsame Highs als Gegenstand der Forschung

Die Studie konzentrierte sich auf Menschen mit mittelschwerer bis schwerer behandlungsresistenter Depression. Die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielt eine Einzeldosis von 21,5 Milligramm DMT, die über einen Zeitraum von zehn Minuten intravenös verabreicht wurde. Die andere Hälfte erhielt auf die gleiche Weise ein Placebo. Alle Teilnehmenden erhielten eine Psychotherapie und wurden anschließend untersucht.

Patientinnen und Patienten, denen DMT verabreicht wurde, zeigten im Vergleich zur Placebo-Gruppe eine signifikante Verbesserung, wobei die antidepressive Wirkung drei bis sechs Monate anhielt.

In einer zweiten Studienphase erhielten schließlich alle Probandinnen und Probanden eine Dosis DMT im Rahmen der Therapie. Allerdings konnten die Forscherinnen und Forscher keinen zusätzlichen Nutzen bei denjenigen feststellen, die insgesamt zwei Dosen erhalten hatten. Dies deute darauf hin, dass eine einzige Dosis ausreichend sein könnte, heißt es. 

Die Untersuchung wurde von Cybin UK konzipiert und finanziert. Das Unternehmen hat sich auf die Erforschung von Psychedelika zu psychiatrischen Zwecken spezialisiert und testet unter anderem auch die Wirkung von Psilocybin – der wichtigsten psychoaktiven Komponente halluzinogener Pilze – in Studien. Australien erlaubte den Einsatz von Psychedelika zur Behandlung psychischer Erkrankungen 2023 als erstes Land weltweit. Ärztinnen und Ärzte dürfen Patientinnen und Patienten mit Depressionen oder einer Posttraumatischen Belastungsstörung nun Ecstasy oder halluzinogene Pilze verschreiben.

In Österreich dürfen Psychedelika aktuell unter bestimmten Voraussetzungen ausschließlich im Rahmen wissenschaftlicher Studien eingesetzt werden.

Festgefahrene Denkmuster durchbrechen

Psychedelika sollen die Wirkung der Psychotherapie verstärken, indem sie Menschen dabei helfen, festgefahrene und dysfunktionale Denkmuster zu durchbrechen. 

Auch positive Wirkungen auf die Neuroplastizität – sie ermöglicht es, neue Dinge zu lernen –, Emotionsverarbeitung, Selbstwahrnehmung und Einsichten in dysfunktionale Verhaltensweisen werden diskutiert.

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