Wissen | Gesundheit
31.05.2018

Diese Pflanzen bringen das Gehirn auf Touren

Unser Gehirn ist ein riesiges Netzwerk, das den Geist am Laufen hält. Gewisse Pflanzen unterstützen das.

Kommt ein Patient zum Arzt: „Herr Doktor, ich habe ein riesiges Problem: Ich bin sooo vergesslich!“ Sagt der Arzt: „Na, dann schau’n wir halt mal nach.“ Darauf der Patient: „Wo nach …?“

Witze über Vergesslichkeit gibt es zuhauf und so sehr man über den einen oder anderen auch schmunzeln mag, das Thema an sich ist brisant – im Kleinen, wenn es um alltägliche Erinnerungslücken wie verlegte Schlüssel, Brillen oder PIN-Codes und Namen geht, die einem partout nicht einfallen. Im Großen, wenn man an jene 130.000 Österreicher denkt, die demenzkrank sind – schlechte Prognose inklusive. Denn in den nächsten Jahren wird diese Zahl weiter massiv steigen. Bis 2050 sind 270.000 prognostiziert. Umso wichtiger ist es, „dass man“, frei nach dem legendären Selbsthilfe-Papst „Joki“ Kirschner, „rechtzeitig d’rauf schaut, dass man’s hat, wenn man’s braucht.“ Das Gedächtnis nämlich. Und das kann man, wie alle anderen Körpermuskeln auch, fit halten, trainieren und unterstützen. Mit Bewegung, viel frischer Luft und Flüssigkeit, mit gesunder Ernährung, auch neuen Herausforderungen, denen man sich stellt „und mit bestimmten Arzneipflanzen, deren Inhaltsstoffe nachweislich die Merkfähigkeit und die Konzentration fördern“, sagt die Wiener Apothekerin Ilona Leitner. Als Pflanzenexpertin und Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (Ögphyt) beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit jenen pflanzlichen Bodyguards, die unsere geistigen Fähigkeiten auf Trab halten. „Die absoluten Stars zur Unterstützung der Gedächtnisleistung sind allen voran Ginkgo und Ginseng. Ersterer ist wegen seiner Blätter interessant, zweiterer ob seiner Wurzeln. Für beide Pflanzen gilt: Es gibt sie seit Menschengedenken, sie sind also uralt, sie stammen aus dem asiatischen Raum und ihre Wirkung ist unbestritten“, erläutert Ilona Leitner.

Urwüchsig

Vieles von dem, was heute durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt ist, wusste man aus Erfahrung schon vor Jahrhunderten. Beispielsweise zeigen historische Bildquellen aus China Mönche, wie sie Ginkgoblätter kauen. Sie taten dies, um Alterserscheinungen vorzubeugen. Nicht ohne Grund gelten Ginkgobäume in Asien bis heute als Symbole für ein langes Leben und geistige Gesundheit. Die dafür verantwortlichen Inhaltsstoffe sind dank moderner Forschungsmethoden längst identifiziert. Es sind Wirkstoffe wie Flavonoide, Ginkgolide, Ginkg-Heteroside oder Terpenlaktone, die dem Gehirn auf die Sprünge helfen. Was passiert konkret? „Der aus den Blättern gewonnene Extrakt erweitert die kleinen Blutgefäße und verbessert die Fließeigenschaften des Blutes. Das führt allgemein zu einer besseren Durchblutung des Gehirns und auch der Extremitäten, weshalb Ginkgo selbst bei arteriosklerotischen Erscheinungen eingesetzt wird“, sagt die Apothekerin. Neueste Untersuchungen zeigen zudem, dass Gingko auch schützende Effekte auf die Gehirnzellen entfaltet. Ilona Leitner: „Der Extrakt ist auch ein sehr guter Radikalfänger, der zellschädigende Substanzen einfängt und unschädlich macht.“ Möglicherweise kann Ginkgo sogar die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, vermindern. An diesem wissenschaftlichen Nachweis wird allerdings noch geforscht.

Um fortschreitende geistige Leistungsstörungen tatsächlich zu verhindern, braucht es jedenfalls regelmäßig eine ausreichend hohe Tagesdosis eines standardisierten Extraktes und die sollte zwischen 120 und 240 Milligramm liegen. Mit hochwertigen Apotheken-Produkten kann man das heute sehr leicht bewerkstelligen.

Lebenswurzel

Der zweite Superstar unter den „Memory-Pflanzen“ ist Panax Ginseng, die Ginsengwurzel. Auch sie wird in Asien seit Jahrhunderten als wichtiges Stärkungsmittel für Körper und Geist eingesetzt. In China kennt man Ginseng seit 3000 Jahren, in Korea ist sie als „Wurzel des Lebens“ hochgepriesen. Die relevanten Substanzen sind Saponine, sogenannte Ginsenoside – wahre Powerstoffe, die gegen Infektionskrankheiten und stressbedingte Erschöpfungszustände wirksam sind. „Zudem steigert Ginseng die Konzentrationsfähigkeit, das Reaktionsvermögen und die geistige Leistungsfähigkeit. Und auch hier wurden zellschützende Effekte auf die Gehirnzellen nachgewiesen“, sagt Leitner und präsentiert sowohl weißen als auch roten Ginseng. Die Pflanze ist dieselbe, der Unterschied liegt lediglich im Trocknungsprozess. Für eine optimale Wirkung wird eine Tagesdosis von 200 und 400 Milligramm empfohlen.

Die beiden Asiaten – Ginkgo und Ginseng – sind nicht die einzigen Fitnesstrainer für das Gehirn. Sibirische Taigawurzel, Brahmi, Kurkuma, Guaraná steigern ebenfalls die Geisteskraft. Und auch in europäischen Gefilden gibt es die eine oder andere Pflanze, die unsere grauen Zellen aktiviert. Griechisches Eisenkraut, Rosmarin, Rosenwurz zählen dazu. Details in unseren Pflanzenporträts zum Nachlesen. In diesem Sinn: Feed your brain!

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Kurkuma

Kurkuma, auch Safran- oder Gelbwurzel, ist eine ausdauernde, krautige Pflanze Südasiens. Das Rhizom ähnelt dem des Ingwers, ist jedoch intensiver gelb, da es drei Prozent Curcumin enthält. Kurkuma, Bestandteil von Curry, gehört zu den vielseitigsten Heilgewürzen der Welt. Indien alleine verbraucht als weltgrößtes Anbauland gut 80 Prozent der Welternte. Das enthaltene Curcumin ist antioxidativ, antimikrobiell und gallentreibend – wirkt somit entzündungswidrig und damit positiv auf die Gedächtnisleistung, da es die Zellregeneration begünstigt.

Rosenwurz

Rosenwurz ist ein rosettenförmiges Dickblattgewächs aus den kalten Zonen Chinas. Der Name rührt von der Wurzelknolle, die nach Rosen duftet, wenn man sie durchschneidet. Schon die Wikinger schätzten Rosenwurz ob seiner allgemein stärkenden Wirkung und zur Verbesserung der Immunkraft. Wesentlich ist der Wurzelextrakt, der stimulierend und adaptogen wirkt. Rosenwurz erhöht den Serotoninspiegel, kurbelt also die Glückshormone an. Dieser Nervenbotenstoff reguliert wiederum die Gedächtnisleistungen und emotionalen Prozesse.

Brahmi

Brahmi ist eine subtropische, krautige Sumpfpflanze. Sie wächst aufrecht oder auch kriechend. Bei uns kennt man sie vorwiegend als als zierende Aquarienpflanze. Wertvolle Inhaltsstoffe des Brahmi sind unter anderem die in den Blättern enthaltenen Bacoside. Brahmi soll der Ansammlung von Beta-Amyloiden, also gefährlichen Ablagerungen beziehungsweise Plaques im Gehirn und in den Blutgefäßen entgegenwirken, die bei neuro-degenerativen Erkrankungen, wie beispielsweise Alzheimer, eine Rolle spielen.

Guaraná

Guaraná hat ein riesiges Wirkpotenzial und beinhaltet eine Reihe positiver Stoffe, die besonders dem Gehirn zugute kommen. Nicht umsonst verwenden südamerikanische Indianer den Wirkstoff Guaraná als natürliche Arznei. Das braune Guaranápulver stimuliert die kognitiven Funktionen und unterstützt die Konzentration – nicht zuletzt durch den hohen Koffeingehalt. Dadurch wirkt Guaraná wie ein natürlicher Booster. Folge: Man fühlt sich wacher, aufmerksamer, leistungsfähiger und belastbarer. Vorsicht gilt bei Bluthochdruck.

Rosmarin

Lange bevor die Heilkraft von Rosmarin wissenschaftlich belegt wurde, war er in alten Kulturen als antiseptisches Mittel gegen schädliche Keime und zur Steigerung der Gedächtniskraft bekannt. The Journal of Neurochemistry und Nature Reviews Neuroscience bestätigen, was die Griechen schon vor 2000 Jahren ahnten: Rosmarin enthält den Inhaltsstoff Carnosolsäure, der das Gehirn gegen schädigende Einflüsse schützt, also effektiv Toxine und freie Radikale abwehrt, die an der Entstehung von Demenz und Alzheimer beteiligt sind.

Ginkoblatt

„Dieses Baums Blatt, der von Osten Meinem Garten anvertraut, Giebt geheimen Sinn zu kosten, Wie’s den Wissenden erbaut“. Schon Goethe spielte auf den Ginkgo als geistförderndes Tonikum an. Bei Demenz kann er unter Umständen den Alltag der Patienten verbessern, eine Kurierung der Krankheit ist fraglich. Die Forschungen laufen. Wirkstoffe wie Ginkgoheteroside, oder Terpenlaktone verbessern die Durchblutung im Gehirn. Leistungsstörungen alternder Menschen werden verlangsamt, auch weil Ginseng die Zellen vor freien Radikalen schützt.

Griechisches Eisenkraut

Nach getaner Arbeit gönnten sich griechische Bergbauern stets eine Tasse Eisenkrauttee. Das war Tradition. Tatsächlich ist griechisches Eisenkraut ein altes Hausmittel, dessen ätherische Öle und Flavonoide zweierlei Wirkung haben: Einerseits sind sie beruhigend und regenerierend, weshalb das Kraut auch bei Schlafstörungen eingesetzt wird. Andererseits unterstützt es die Geisteskraft. Für Tee werden die Blüten, Blätter und Stängel verwendet. Um die Leistungsfähigkeit des Gehirn zu verbessern, sollte täglich eine Kanne des Tees getrunken werden.

Ginseng

Ginseng ist eine Staudenpflanze, die bis 80 Zentimeter hoch wird und meist aus Korea und China stammt. Man unterscheidet den Echten bzw. Koreanischen Ginseng aus Ostasien, den Sibirischen, den Chinesischen und den Amerikanischen Ginseng. Verwendet wird die Wurzel, die nach der Ernte gewaschen und getrocknet wird. So behält sie ihre weiße Farbe. Hat man roten Ginseng vor sich, wurde die Wurzel nach der Ernte mehrere Stunden lang überbrüht. Ginseng stärkt das Immunsystem und verlangsamt die Alterung nachweislich.